Die Deutsche Rohstoff ist eine Beteiligungsgesellschaft, kein Explorer

Was den Einen zu mickrig ist, ist für die Deutsche Rohstoff gerade richtig. Dennoch ist die Aktie lediglich eine Wette auf die Rohstoffpreise (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Wenn ein Unternehmen das Adjektiv „deutsch“ im Firmennamen trägt, hat das immer Züge von etwas Absolutem. Man unterstellt, die größte Gesellschaft einer Branche vor sich zu haben, den absoluten Marktführer. Die Deutsche Telekom etwa, die Deutsche Bank oder die Deutsche Börse. In der Regel ist mit dieser Marktstellung eine milliardenschwere Marktkapitalisierung verbunden.

Nicht so bei der Deutsche Rohstoff AG, die sich gestern auf der Herbstkonferenz der DVFA in Frankfurt präsentiert hat. Die Marktkapitalisierung ist von der Milliardenschwelle weit entfernt. Gerade einmal 100 Mio. Euro beträgt der Börsenwert des größten deutschen Rohstoffwertes.

Was sich für die Großen nicht lohnt

Anders als es der Firmenname vermuten lässt ist das Unternehmen gar nicht auf die Förderung von Rohstoffen in Deutschland beschränkt. So besteht das Geschäftsmodell der Deutschen Rohstoff in der Wiedererschließung von Vorkommen, die bereits gut erkundet wurden, jedoch von den Vorbesitzern – meist deutlich größeren Förderunternehmen – als nicht länger förderungswürdig disqualifiziert wurden: Entweder, weil sie ein zu geringes Förderpotenzial bieten, oder weil die Felder nach vermeintlicher Ausbeutung bereits versiegelt wurden, sie heute aber, aufgrund verbesserter technischer Möglichkeiten, doch noch profitable Restmengen an Öl und Gas aufweisen.

Die Deutsche Rohstoff ist da nicht wählerisch. Wenn sich im Inland keine förderungswürdigen Projekte mehr finden lassen – insbesondere, weil die Kosten der Metallförderung zu stark gestiegen sind – sucht man sich diese eben an anderer Stelle, bevorzugt in Nordamerika und Australien. Die Folge dieser Umorientierung sieht man auch an den geförderten Rohstoffen: Stand bislang der Fokus auf der Förderung von Metallen wie Wolfram und Zinn, ist die Deutsche Rohstoff inzwischen schwerpunktmäßig im Öl- und Gasgeschäft aktiv. Und damit stark von den schwankenden Preisen für diese Energieträger abhängig.

Guidance nach oben genommen…

Da diese auch mal in die richtige Richtung zeigen können, war die Hauptursache dafür, dass die Deutsche Rohstoff zum Halbjahr die Erwartungen für das Geschäftsjahr 2018 nach oben nehmen konnte. Statt eines Umsatzes zwischen 75 und 85 Mio. Euro rechnet der Vorstand nun mit Umsätzen zwischen 90 und 100 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (EBITDA) wurde sogar um 20 Mio. Euro auf eine Bandbreite zwischen 85 und 90 Mio. Euro nach oben geschraubt.

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Besonders skurril dabei war, dass die Fördererfolge bei der Deutschen Rohstoff für ein Luxusproblem gesorgt haben, denn weil der Vermarktungspartner nur beschränkte Verarbeitungskapazitäten vorhält, konnten die geförderten Mengen nicht vollumfänglich abgesetzt werden. Teile der Förderung werden daher erst im zweiten Halbjahr abgesetzt, ließ der Vorstand Dr. Thomas Gutschlag die Zuhörer auf der Herbstkonferenz wissen.

…Aktie kommt dennoch unter Druck

Dass die Aktie trotz dieser guten Meldungen unter massiven Verkaufsdruck geraten ist, liegt am Geschäftsmodell der Deutschen Rohstoff. Denn bei näherer Betrachtung ist die Deutsche Rohstoff gar kein Rohstoffexplorer. Die Deutsche Rohstoff ist mehr eine Beteiligungsgesellschaft, die sich auf Rohstoffwerte fokussiert hat.

Liegen die Preise der Rohstoff-Assets am Boden, engagiert sich die Deutsche Rohstoff. Wenn Preise hoch sind, werden sie verkauft. Dass diese Vorgehensweise sinnvoll sein kann, konnten die Aktionäre unlängst bei der ersten Öl-Beteiligung Tekton erfahren, die mit einem zweistelligen Millionengewinn verkauft wurde.

Doch ein Geschäftsmodell, das darauf basiert, zu glauben, man könne die Zukunft besser prognostizieren als alle anderen, kann nur schwer als Geschäftsmodell von Dauer bezeichnet werden. Vielleicht haben das die Anleger nach der Vorlage der Halbjahreszahlen verstanden.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.