Die deutschen Autobauer im Vergleich

Die drei deutschen Autobauer Daimler, BMW und Volkswagen geben trotz vereinzelter Schwierigkeiten ein positives Bild ab. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Daimler konnte auch 2017 den Titel als erfolgreichster Autobauer der Premiumklasse verteidigen.

Mit 2,29 Mio. Fahrzeugen lag das Unternehmen vor den Konkurrenten BMW und Audi. Der Umsatz stieg um 7% auf 164,3 Mrd. € und der Gewinn um 27% auf 10,9 Mrd. €. Auch 2018 bleibt das Wachstum ungebrochen. Im 1. Quartal verkaufte Daimler 806.900 Fahrzeuge. Das sind 7% mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 3% auf 39,8 Mrd. €.

Daimler kann in Asien kräftiges Wachstum verzeichnen

Das wichtigste Segment von Daimler, die Pkws, konnten in den ersten 3 Monaten 2018 ein Plus von 5% verzeichnen. Der Absatz stieg in allen Regionen außer den USA (-10%). Demgegenüber steht ein deutliches Wachstum in Asien. Allein in China verkaufte Daimler 178.800 Autos (+16%). Von dort stammt auch der neue Großaktionär von Daimler. Li Shufu, Gründer und Eigentümer der chinesischen Automarke Geely, beteiligte sich Anfang des Jahres über die Investmentgesellschaft Tenaclou3 mit 9,69%.

Damit hat Daimler plötzlich einen Investor mit strategischen Zielen. Den Schwaben fehlte im Vergleich zu anderen deutschen Automobilkonzernen ein Großinvestor, der dem Management den Rücken stärkt. Die bisher größten Anteilseigner, das Emirat Kuwait, BlackRock und Renault/Nissan haben sich größtenteils aus dem Geschäft herausgehalten.

Der chinesische Investor versucht seit längerem Daimler zu einer Partnerschaft zu bewegen. Mit seiner Beteiligung versucht er ohne Frage seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Unternehmensporträt

Daimler ist ein weltweit führender Hersteller von Premium-Personenwagen und bei Nutzfahrzeugen weltweit die Nummer 1. Geschäftsfelder sind Mercedes-Benz Cars, Daimler Trucks, Daimler Financial Services sowie Vans und Busse.

BMW ist erneut der profitabelste Autobauer der Welt

Mit einer Umsatzrendite von 8,7% verdient BMW an jedem verkauften Auto mehr als die Konkurrenz. 2,5 Mio. Auslieferungen bescherten den Münchnern auch 2017 ein Rekordjahr. Mit 98,7 Mrd. € lagen die Umsätze 4,8% höher als im Vorjahr. Der Gewinn stieg um 26% auf 8,7 Mrd. €, obwohl BMW 7,1 Mrd. €, und damit 22,1% mehr als im Vorjahr, für Investitionen ausgab.

Derzeit fließt das Geld vor allem in die Entwicklung von Batterietechnik und Elektromobilität. Das zahlt sich aus. 2017 lieferte das Unternehmen erstmals mehr als 100.000 Elektrofahrzeuge an Kunden aus. Im 1. Quartal 2018 lag der Umsatz mit 22,7 Mrd. € um 5% niedriger als im Vorjahr, und das obwohl März 2018 mit 256.162 ausgelieferten Fahrzeugen der erfolgreichste Monat der Unternehmensgeschichte war. Der Gewinn konnte um 1,2% auf 2,3 Mrd. € gesteigert werden.

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Zusammenarbeit mit Daimler

Das Unternehmen versucht nicht nur bei der Elektrifizierung die Nase vorn zu haben. Zusammen mit Daimler möchte BMW die urbane Mobilität der Zukunft bestimmen. Die beiden Konzerne fusionieren ihre Carsharing-Angebote und arbeiten an Taxi- und Mobilitäts-Apps. Mit einem neuen Gemeinschaftsunternehmen, an dem die beiden Konzerne je 50% halten, versuchen die Traditionsmarken im Wettbewerb gegen neue Marktteilnehmer wie Uber zu bestehen. Zusammen haben die Angebote Car2go und DriveNow rund 40 Mio. Kunden.

BMW befindet sich in der größten Modelloffensive seiner Geschichte. Dabei hat das Unternehmen Neuerungen in der Luxusklasse aber auch preisgünstigere SUVs geplant.

Unternehmensporträt

Die BMW Group gehört mit ihren Marken BMW, Mini und Rolls Royce zu den weltweit führenden Herstellern von Pkws des gehobenen Preissegments. Motorräder und Finanzdienstleistungen runden die Produktpalette ab. Der Konzern betreibt 28 Produktionsstätten in 13 Ländern sowie ein globales Vertriebsnetzwerk mit Vertretungen in über 150 Ländern.

VW kommt aus den Skandalen nicht raus

Seit die amerikanische Umweltbehörde EPA im September 2015 veröffentlichte, dass VW die Abgaswerte der Fahrzeuge auf dem Prüfstand manipuliert, gerät das Unternehmen regelmäßig ins Kreuzfeuer der Medien. Vergangenen Sommer kam der Kartellverdacht hinzu.

Dem Unternehmen wird vorgeworfen, illegale Absprachen mit anderen deutschen Herstellern getroffen zu haben. Anfang dieses Jahres wurden dann die Abgastests bekannt. VW testete die Schädlichkeit der Dieselabgase an Affen und Menschen. In der internationalen Presse wird VW als Umweltsünder beschimpft, die Tierversuche schaden der Reputation. Die Kunden des Konzerns scheint dies jedoch nicht zu stören.

VW kann trotz Skandalen hervorragende Zahlen aufweisen

Nachdem bereits 2017 ein sehr erfolgreiches Jahr für die Wolfsburger war, lieferte der Konzern im 1. Quartal 2018 2,7 Mio. Fahrzeuge aus. Das sind 7,4% mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 3,6% auf 58 Mrd. €. Bis auf Bentley konnten alle Marken ein deutliches Plus verzeichnen. Spitzenreiter ist Seat mit +18,7%. Die wachstumsstärksten Märkte für VW waren Kanada (+25,6%), Russland (+20,7%) und China (+13,3%). In China wurden in den ersten drei Monaten 2018 bereits über 1 Mio. Fahrzeuge verkauft. Besonders erfolgreich auf allen Märkten ist VW mit seinen SUVs.

Die neuste Belastung für das Unternehmen sind die drohenden Fahrverbote für Diesel in deutschen Innenstätten. Doch VW kann auch aus dieser misslichen Lage ein Geschäft machen: Über die Umweltprämien verkauft VW noch mehr Autos.

Unternehmensporträt

Die Volkswagen-Gruppe (VW) ist mit einer Produktion von fast 10 Mio. Autos der größte Hersteller Europas. Wichtigster Absatzmarkt ist Deutschland. Zum Konzern gehören die Pkw-Marken Audi, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Seat, Skoda, Porsche und Volkswagen sowie das Nutzfahrzeuggeschäft mit Scania und MAN. Ergänzend hierzu bietet der VW-Konzern Finanzdienstleistungen an. In 21 Ländern finden sich 60 Fertigungsstätten.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.