Die drei deutschen Autobauer BMW, Daimler und Volkswagen unter Druck

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Die deutsche Automobilbranche steht unter Druck, 2019 könnte eines der schlechtesten Jahre werden. (Foto: Semmick Photo / shutterstock.com)

BMW übertraf mit seinen Zahlen zum 3. Quartal die Markterwartungen. Der Umsatz stieg um 8% auf 26,7 Mrd. € und der Gewinn um 12% auf 1,52 Mrd. €. Die operative Marge in der Auto-Sparte verbesserte sich von 4,4 auf 6,6%. Dank des starken Quartals konnten sich auch die 9-Monats-Ergebnisse sehen lassen. Gewinn und operative Marge lagen zwar noch deutlich unter Vorjahresniveau.

Der Umsatz stieg jedoch um 3,4% und der Absatz um 1,7% auf 1,87 Mio. Fahrzeuge. Besonders gut verkauften sich die SUV-Modelle X2, X3 und X4. Der Verkauf von E-Modellen schrumpfte dagegen um 1% auf 96.570 Einheiten. Zweistellige Zuwächse gab es aber bei den Modellen BMW i und MINI Electric.

Politischen und wirtschaftliche Herausforderungen belasten

Zwar sorgen die neuen Auto- und Motorrad-Modelle sowie die Ausweitung der Dienstleistungen rund um die individuelle Mobilität für positive Impulse. Andererseits belasten die politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen sowie die hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung die Ergebnisentwicklung. Hinzu kommen die aufgrund verschärfter CO2-Vorgaben gestiegenen Produktionskosten. Entsprechend hat das Management die Jahresziele nur bestätigt: ein deutlich geringeres Vorsteuerergebnis sowie in der Auto-Sparte eine operative Marge von 4,5 bis 6% wegen der Rückstellungen für ein laufendes Kartellverfahren.

Beim Absatz erwartet der Konzern jedoch einen neuen Rekord. Mittelfristig soll die Marge wieder auf 8 bis 10% klettern. Um das Ziel zu erreichen, muss der Konzern noch mehr Oberklassen-Modelle verkaufen und bei den Personalausgaben sparen.

Unternehmensporträt

Die BMW Group gehört mit ihren Marken BMW, Mini und Rolls Royce zu den weltweit führenden Herstellern von Pkws des gehobenen Preissegments. Motorräder und Finanzdienstleistungen runden die Produktpalette ab. Der Konzern betreibt 28 Produktionsstätten in 13 Ländern sowie ein globales Vertriebsnetzwerk mit Vertretungen in über 150 Ländern.

Daimler hat im 3. Quartal mit Steigerungen bei Umsatz, operativem Ergebnis und Gewinn sowie mit einem Absatzrekord positiv überrascht

Wegen des Verlusts im 2. Quartal errechnet sich auf 9-Monats-Basis aber immer noch ein Gewinneinbruch um mehr als die Hälfte. Einen Umsatz-, Ergebnis- und Absatzrückgang für die ersten 9 Monate meldete aber nur die Pkw-Sparte. Im 3. Quartal ging es aber mit all diesen Kennzahlen schon wieder nach oben. Für das Gesamtjahr hat das Management unverändert ein leichtes Umsatzwachstum sowie einen Fahrzeugabsatz auf Vorjahresniveau in Aussicht gestellt. Beim operativen Ergebnis müssen sich die Aktionäre allerdings auf einen deutlichen Rückgang einstellen.

Daimler gelingt es nicht, die Kostensteigerungen an seine Kunden weiterzugeben

Zudem belasten milliardenschwere Restrukturierungskosten in der Sparte Kleintransporter sowie Rückstellungen für den Abgasskandal und für eine Rückrufaktion wegen fehlerhafter Takata-Airbags. Auf breiter Front werden die Margen schrumpfen. In der wichtigen Pkw-Sparte erwartet der Konzern nur noch eine operative Marge von 3 bis 5%.

Offen ist, ob die Dividende stabil bleibt. Auf dem Kapitalmarkttag am 14. November hat sich Daimler zu CO2-neutraler Mobilität bekannt. Die Erreichung dieses Ziels ist jedoch mit hohen Investitionen verbunden. Entsprechend sind umfassende Maßnahmen zur Effizienzsteigerung erforderlich. Diese Maßnahmen kosten zunächst Geld und werden die Ergebnisentwicklung 2020 und 2021 belasten. Die Aussagen auf dem Kapitalmarkttag kamen an der Börse nicht gut an.

Unternehmensporträt

Daimler ist ein weltweit führender Hersteller von Premium-Personenwagen und bei Nutzfahrzeugen weltweit die Nummer 1. Geschäftsfelder sind Mercedes-Benz Cars, Daimler Trucks, Daimler Financial Services sowie Vans und Busse.

Volkswagen zeigt Stärke in einem herausfordernden Marktumfeld

Vor allem in China schneidet der Konzern besser ab als die Konkurrenz. In den ersten 9 Monaten ist der Gewinn stärker gestiegen als der Umsatz, und die operative Marge inklusive Sondereinflüsse verbesserte sich von 6,2 auf 7,3%. Der Absatz schrumpfte zwar um 1,7% auf 8 Mio. Fahrzeuge, zog aber im 3. Quartal schon wieder leicht an. Verantwortlich für die gute Geschäftsentwicklung war in erster Linie die starke Nachfrage nach den margenstarken sportlichen Geländewagen der Marke VW. Jedes dritte verkaufte Auto war ein SUV.

Bis 2025 soll der Anteil auf 50% erhöht werden. Aber auch Porsche und die Nutzfahrzeuge erwiesen sich als Ergebnistreiber. Zudem konnte der Konzern mit seinem modularen Baukastensystem die Produktionskosten senken. Lediglich Audi hat weniger verdient. Trotz der guten Zahlen bleibt das Management vorsichtig und hat seine Jahresziele lediglich bestätigt: ein Umsatzwachstum von bis zu 5% sowie eine operative Marge von etwa 6,5%.

Die finanzielle Stärke des Konzerns ist beeindruckend

Die Nettoliquidität beträgt aktuell trotz neuer Bilanzierungsregeln immer noch 19,8 Mrd. €, und der viel beachtete Netto-Cashflow im Automobilgeschäft sprang von 3,5 auf 8,6 Mrd. €. Die Finanzierung der geplanten Investitionen von insgesamt 44 Mrd. € bis Ende 2023 in die Elektromobilität, die Digitalisierung, in neue Mobilitätsdienste und in autonomes Fahren dürfte dem Konzern daher keine Probleme bereiten. Neben der operativen Entwicklung sprechen Finanzkraft, Bewertung und Dividendenrendite für VW.

Unternehmensporträt

Die Volkswagen-Gruppe (VW) ist mit einer Produktion von fast 10 Mio Autos der größte Hersteller Europas. Wichtigster Absatzmarkt ist Deutschland. Zum Konzern gehören die Pkw-Marken Audi, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Seat, Skoda, Porsche und Volkswagen. Zudem bietet der Konzern Finanzdienstleistungen an. Die Sparte Nutzfahrzeuge mit den Marken Scania und MAN wurde unter dem Name Traton an die Börse gebracht.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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