Die Erholung ist da! Wie lange hält sie?

Nach dem China-Schock der vergangenen Wochen setzte seit gestern eine Erholungsrally ein. Die Entspannung am chinesischen Aktienmarkt gepaart mit einigen Maßnahmen der Regierung zur Stützung des Aktienmarktes sorgte am Dienstag für eine Entspannung am chinesischen Aktienmarkt.

Die Regierung hat Steuererleichterungen bei Aktiendividenden beschlossen. Und zwar ist nur die Hälfte an Steuern zu berappen, wenn die Aktien länger als einen Monat gehalten werden und sie entfällt sogar ganz, wenn die Aktien mindestens 1 Jahr gehalten werden. Damit soll das Ausmaß hektischer Käufe und Verkäufe am Aktienmarkt vermindert werden. Zusätzlich wurden Steuererleichterungen für kleine Unternehmen beschlossen sowie die Hilfe bei Infrastrukturprogrammen zugesagt.

Diese Meldungen sorgten am chinesischen Aktienmarkt für gute Stimmung. Der Shanghai Composite-Index legte um +2,3% zu.

Auch in Japan wurden Steuererleichterungen beschlossen. Der Nikkei-225-Index vollzog daraufhin rechte Freudensprünge. Er stieg um über +1.345 Punkte an. Das war der höchste Tagesgewinn seit 2008.

Die überaus gute Asienstimmung übertrug sich heute Morgen auch auf die europäischen Börsen. Die schon gestern sehr positiven Kursbewegungen konnten heute fortgesetzt werden.

Die Frage, die sich die Anlegerwelt jetzt stellt: „Ist das Schlimmste vorüber? Oder ist das nur eine Bärenmarktrally?“

Es gibt an der Analystenfront geteilte Meinungen dazu. Die eine Hälfte sieht den Boden und rät zum kaufen, die andere Hälfte sieht bald weiter fallende Kurse und rät in der Erholungsrally zu verkaufen.

Welche Seite Recht hat, sieht man erst im Nachhinein.

2 wesentliche Punkte sprechen aber eindeutig für die Bullen!

  1. Das Umfeld ist zudem komplett anders als in 2011. Es ist um einiges besser und stützt ebenfalls die Kaufvariante. Einige kurze Beispiele:

– Zinsen tief, Euro günstig, Gewinnwachstum der Unternehmen gut, Konjunktur im robusten Aufwärtstrend, Kreditvergabe bessert sich, Binnenkonjunktur zieht an, Verbraucher haben mehr Geld, Rohstoffe billig.

  1. Die charttechnischen Indikatoren zeigen klar: „Einen Kurseinbruch wie in 2011 haben wir bereits hinter uns! Die Charttechnik unterstützt die Kaufvariante.“

Punkt 1. sind Fakten und erkennbar an den jüngsten Meldungen aus Wirtschaft und Unternehmen.

Punkt 2. untersuchen wir jetzt: Wir beginnen zunächst mit der kurzfristigen Analyse und dem Blick auf den 1-Monatschart des DAX-Index:

DAX 0909 1m

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

DAX nach China-Crash auf Bodensuche

Wir erkennen im kurzfristigen 1-Monats-Chartbild einen DAX-Index, der sich seit etwa Mitte August in einem Abwärtstrendkanal befand (roter Trendkanal). Am berüchtigten „schwarzen Montag“ (24.08.2015) brachen dann die Kurse ein und sorgten für einen keilförmigen Ausbruch aus dem Trendkanal nach unten (schwarzer Keil).

Die nachfolgende Bewegung im DAX-Index war gekennzeichnet von hoher Unsicherheit und einem Pendeln zwischen 10.400 und 9.900 Punkten. Die hohe Unsicherheit ist an den vielen fast täglich auftauchenden Kurslücken (GAPs, lila Ellipsen).

Positives Signal

Mit dem heutigen Kursanstieg gelang dem DAX-Index der Sprung über einen horizontalen Widerstand (obere grüne Horizontale). Wenn er heute bis zum Tagesschluss gehalten werden kann, idealerweise auch auf Wochenschlusskursbasis, dann bestehen sehr gute Chancen, dass der Markt den China-Schock tatsächlich verdaut hat.

Wie sich die Lage mittelfristig darstellt, analysieren wir im 8-Monatschart:

DAX 0909 8m

DAX-Chart 8 Monate (Tagesbalken)

Mittelfristig noch nichts entschieden

Sie erkennen im 8-Monatschart des DAX-Index den abwärtsgerichteten Trendkanal seit dem Jahreshoch vom April dieses Jahres (rote Trendlinien). Innerhalb dieses Trendkanals hat der DAX-Index -3.100 Punkte oder -25% abgegeben.

Dabei testete er sogar die untere Trendbegrenzung des längerfristigen Aufwärtstrendkanals (schwarze Trendlinien). Diese hielt und der Markt setzte zu einer Art Bodensuche an.

Aktuell hat er sich an das erste Erholungsziel in mittelfristiger Hinsicht herangearbeitet (untere blaue Horizontallinie). Gelingt der Sprung darüber, dann wäre das nächste Ziel die 10.900er Marke. Diese Marke stellt aber einen Kreuzwiderstand dar und ist deutlich schwerer zu knacken als der untere Widerstand. Er resultiert aus der horizontalen Widerstandslinie (obere blaue Horizontallinie) und der oberen Begrenzung des ehemaligen Abwärtstrendkanals (obere rote Trendlinie).

MACD Fehlsignale

Der Moving Average Convergence Divergence, kurz MACD (gelb violetter Kurvenverlauf unten) ist immer ein sehr guter Indikator für den Zustand des Marktes. Ein Kaufsignal entsteht beim Kreuzen der hellblauen Linie durch die violettfarbene Linie von unten nach oben, ein Verkaufssignal umgekehrt.

Die vergangenen beiden MACD-Kaufsignale waren klare Fehlsignale

Sie sehen im Chartbild zwei klare Kaufsignale (schwarze Pfeile). Beide waren Kaufsignale, die durch die Unsicherheiten in China zu Fehlsignalen wurden. Deshalb ist auch das jüngste Kaufsignal noch mit Vorsicht zu genießen. Denn die China-Unsicherheit kann auch schnell wieder aufkeimen.

Um zu analysieren, ob sich die Erkenntnisse aus der Kurzfrist- und Mittelfrist-Analyse auch im Einklang mit dem längerfristigen Trend befinden, schauen wir abschließend kurz auf den 5-Jahreschart:

DAX 0909 2011 2015

DAX-Chart 5 Jahre (Wochenbalken)

Langfristtrend noch 1A in Ordnung.

Der seit dem Crash in 2011 ausgebildete Aufwärtstrendkanal (blauer Trendkanal) ist voll intakt. Die jüngsten Korrekturbewegungen im DAX-Index haben zwar an die untere Trendbegrenzung zurückgeführt, aber da war er 2011 vor der großen Hausse auch schon.

Das Chartbild zeigt eindeutig, dass ein Kursabsturz wie in 2011 eigentlich schon geschehen ist. Prozentual war es damals zwar ein wenig mehr, aber -25% Kursrückgang im DAX-Index seit April dieses Jahres ist ein dicker Happen!

FAZIT: Nach der FED-Sitzung am 17.09. endlich Klarheit.

Am 17.09. findet die turnusmäßige Sitzung der US-amerikanischen Notenbank FED statt. Sie wird von den Marktteilnehmern mit höchster Spannung erwartet, denn man erhofft sich Klarheit über die zukünftige Zinspolitik. Sollte sich die FED für eine Zinserhöhung entscheiden, dann erwarte ich im Gegensatz zu einigen anderen Einschätzungen eine positive Reaktion der Aktienmärkte.

Denn dann herrscht endllich Klarheit. Es gibt nichts schlechteres für die Börse als Ungewissheit. Zusammen mit einer Beruhigung in China haben die Aktienmärkte dann eine gute Chance, den Boden endgültig gesehen zu haben und bis zum Jahresende die Verluste aufzuholen.

Übrigens: Egal, wie die FED sich entscheidet und die China-Börsen sich entwicklen werden, einen Crash schließe ich aus.

Von daher sind das für mich Kaufkurse!

9. September 2015

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Von: Michael Sturm. Über den Autor

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