Die EZB und der Leitzins-Bumerang

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Die europäische Geldpolitik ist längst gescheitert. Doch darüber wird geschwiegen - aber nicht hier. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Schock für die Sparer, für Sie: Der Leitzins wird durch die EZB nicht angehoben. Und auch der Strafzins (beim Einlagezinssatz) für Banken bleibt.

Das verkündete die EU vor wenigen Tagen. Grund: Die Konjunktur würde schlechter laufen als erwartet. So wird es also bei der bisherigen, katastrophalen Geldpolitik in der EU bleiben.

Und Ihre Vermögensenteignung wird weitergehen.

Der Leitzins-Bumerang

Wir haben Ihnen bereits aufgezeigt, dass ein gesunder Wirtschaftskreislauf nur eine geringe Zuführung von neuem Geld braucht. Verhindert wird dies durch hohe Kreditzinsen.

Andererseits können Sie sich als Sparer darüber freuen, denn Ihre Sparanlagen werden ebenfalls höher verzinst.

Doch bei einer Leitzinssenkung oder beim Belassen auf dem jetzigen Null-Niveau bekommen Sie weniger bzw. gar keine Zinsen. Kurzum: Ein niedriger Leitzins bedeutet auch ein niedriger Sparzins.

Das Scheitern der europäischen Geldpolitik

Letztlich ist alles noch viel schlimmer. Denn die europäische Geldpolitik ist nichts anderes als gescheitert. Und zwar katastrophal gescheitert.

Sehen Sie: Die Zinssenkungen durch die EZB in der Vergangenheit waren nichts anderes als ein Ausdruck der Hilflosigkeit. Manch ein Insider spricht schon davon, dass der Leitzins absichtlich manipuliert (sprich niedrig gelassen) wird, um marode Banken und Krisenstaaten in der EU nicht vollends zum Falling down zu bringen.

Auch das frische Geld, das im Eilverfahren von der EZB gedruckt wird, das die Konjunktur beleben soll, hat versagt. Denn zum einen haben sich die Kredite nicht stark verbilligt. Und zum anderen wird das den Schuldenabbau nicht gerade beschleunigen.

Es hilft also dem normalen Verbraucher nicht. Aber weshalb dann das Ganze?

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Auch darauf geben wir Ihnen eine Antwort: Die Gelddruckmaschine hilft nicht Ihnen, sondern den Banken, um sich zu sanieren.

Auch am umstrittenen Anleihenkaufprogramm (Quantitative Lockerung, quantitative easing, QE) wird zunächst nicht gerüttelt.

Gemeint damit ist, dass mittels einer quantitativen Lockerung stimulierend auf das Wirtschaftswachstum und damit auch auf die Inflationsentwicklung eingewirkt werden soll.

Das müssen Sie über das umstrittene Anleihenkaufprogramm wissen

Bei diesem Programm kauft die EZB Anleihen (Staatsanleihen und Anleihen von privaten Schuldnern) in Höhe von über 1.100 Milliarden Euro auf dem Sekundärmarkt.

Im März 2016 wurde das Programm verlängert und die monatlichen Ankäufe von 60 Milliarden Euro auf 80 Milliarden Euro erhöht. Ende 2016 wurde es erneut verlängert.

Im April 2017 wurden die Käufe wieder auf 60 Milliarden Euro monatlich reduziert. Aktuell erwerben die Währungshüter im Monat Anleihen in Höhe von 30 Milliarden Euro.

Billionen ohne Sinn und Zweck?

Das Gesamt-Volumen der aufgekauften Staatspapiere soll bis Ende Dezember 2017 (inklusive Hypothekenpapieren, Pfandbriefen, Regional- und Firmenbonds) 2,28 Billionen Euro betragen. Das Programm selbst ist auf 2,55 Billionen Euro angelegt.

Die Käufe sollen noch bis mindestens Ende September 2018 fortgesetzt werden. Ob es ab Oktober 2018 damit weitergeht, ist noch unklar.

Die Tendenz bleibt jedoch bestehen, dass das Anleihenkaufprogramm nicht gestoppt wird.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.