Die Geldmengentheorie und warum sie falsch ist

Die Geldmengentheorie wird nochmals genau unter die Lupe genommen und es kommen überraschende Erkenntnisse ans Tageslicht. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Dass die heute gängige Geldmengentheorie falsch ist, zeigt sich ebenso daran, dass das Wachstum der M3-Geldmenge im Jahr 2008 einen Rekordwert von fast 12 Prozent im Euro-Raum erreichte.

Doch weder damals, noch heute sind auch nur im Geringsten davon ausgehende inflationäre Folgen zu erkennen. Ebenso stieg die M3 Geldmenge in Japan 1990 stark an, doch dieser Steigerung folgte keine Inflation, sondern ein Crash mit einer bis heute anhaltenden Dauer-Deflation.

Wie kann es nur zu einer Inflation kommen?

Wie soll es hier eine baldige „Hyperinflation“ geben, wenn im Jahr 2010 sogar diese nichts sagende Buchgeldmenge geschrumpft ist? Noch deutlicher wird es, wenn man die Kreditvergabe ansieht.

Der Zuwachs der privaten Kredite ist seit 2009 bei praktisch 0 Prozent angelangt. Da neues Geld heute jedoch nur in Form von Krediten in Umlauf kommen kann, bedeutet dies, dass die Notenbank kein neues Geld mehr emittieren kann.

Noch abenteuerlicher wird es, wenn gegenwärtig manche Inflationsvertreter die angeblich „wahre Inflation“ dadurch berechnen, indem sie von der nichts sagenden Geldmenge M3 das aktuelle Wirtschaftswachstum abziehen.

Wie spielt M3 dort mit hinein?

Steigt die M3 Geldmenge im Jahr um 10 Prozent und das Wachstum liegt bei 2 Prozent, dann behaupten die Verfechter einer solchen These, dass die „wahre Inflation“ bei 8 Prozent liegt.

Was sie dabei nicht berücksichtigen ist, dass die M3 Geldmenge zum einen nur teilweise wirkliches, inflationstreibendes Geld darstellt und zum anderen niemand sagen kann, wie viel von diesem Geld überhaupt sofort und zu welchem Teil in Umlauf kommt.

Mit Hilfe der Geldmenge M3 kann man keinerlei Aussage darüber treffen, welche Inflation zu erwarten ist und schon gar nicht, welche Inflation momentan vorherrscht.

M3 Geldmengenbetrachtung ist unsinnig

Wie unsinnig diese M3 Geldmengenbetrachtungen sind, zeigt auch folgendes Beispiel: Wenn wir uns gegenseitig ständig hohe Geldbeträge hin und her überweisen, ohne dass damit reale Käufe getätigt werden, erhöht das lediglich die M3-Geldmenge, ohne dass damit irgendwelche inflationären Effekte verbunden sind.

Die M3-Geldmenge sagt nur etwas  über die Zahlungsgewohnheiten im Währungsgebiet aus. Es ist nämlich die Frage ob in der Konsequenz daraus mehr Zahlungen durch Überweisung oder bar erledigt werden.

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Es gibt jedoch daraus ableitend überhaupt keine Aussage über die für die Preise wichtige, tatsächliche umlaufende Geldmenge.

Geldchmenge erhöht sich nicht

Wenn jedoch Europäer diese kaufen, erhöht das die Geldmenge nicht, denn statistisch wandert der Kaufpreis nur von einer Hand zur anderen. So haben in den krisenhaften Börsenzeiten von 2001 bis Mitte 2003 Europäer eher Wertpapiere verkauft und ihre Geldhaltung erhöht, was M3 insoweit erhöht hatte, als diese Papiere oftmals von Ausländern gekauft wurden.

In Krisenzeiten wird damit künstlich die M3 Geldmenge erhöht, was den Anhängern der Geldmengentheorie eine „Inflation“ vorgaukelt, wo gar keine ist, oder sogar Deflation vorherrscht.

Argumente zur falschen Geldmengentheorie

Zu dieser falschen Geldmengentheorie hat Professor Steve Keen von der University of Western Sydney gute Argumente geliefert. Er zweifelt dabei an den Argumenten der Österreichischen Schule, die aus großen Geldmengen eine inflationäre Entwicklung ableitet.

„Ich fürchte, sie verstehen den Geldschöpfungsprozess und die Entwicklung inflationärer Impulse nicht richtig. Sie unterschätzen die enormen Mengen an Geld, die geschaffen werden müssten, um zu Inflation zu führen.

In den Vereinigten Staaten betragen die Schulden des Privatsektors rund 42 Billionen Dollar. Um für Inflation zu sorgen, müsste die Zentralbank mindestens weitere 25 Billionen Dollar direkt in Umlauf bringen.

Kredite werden zur Mangelware?

Stattdessen hat sie nur eine Billion gedruckt in der Erwartung, der Geldmultiplikator würde den Betrag verzehnfachen. Das aber würde voraussetzen, der amerikanische Privatsektor wollte neun Billionen Dollar neue Schulden aufnehmen. Aber das ist unrealistisch.

Im Moment will keiner Kredite vergeben und keiner aufnehmen, der Mechanismus kann also nicht funktionieren.“ Aus einer solchen Schuldenkrise kann es seiner Meinung nach nur eine Deflation geben: „ Erstens ist die Arbeitslosigkeit hoch und die Arbeitnehmer müssen Lohneinbußen hinnehmen.

Das Ergebnis: Deflation

Zweitens wollen die Unternehmen bei fallender Nachfrage Marktanteile halten, indem sie Preise senken. Das führt zusammen zu einer deflationären Spirale, unabhängig davon, was auf monetärer Ebene passiert.“

Geradezu grotesk wird es, wenn wie heute üblich von einer Geldschöpfung der Geschäftsbanken gesprochen wird. Aber darauf werde ich schon bald an dieser Stelle genauer eingehen.


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.