Die geopolitische Lage beim Öl ändert sich dramatisch

Was man als sensibler Investor aktuell unbedingt sehen muss ist das Faktum, dass sich die geopolitische Lage beim Öl dramatisch verändert. (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Mit der Schwäche des US Dollars, dem zeitgleichen Anstieg der Edelmetalle und dem Beginn der Ferien- und Reisezeit sind gestern bereits drei wichtige Gründe für den aktuellen Anstieg beim Öl benannt. Heute möchte ich auf die sich verändernde geopolitische Lage und die Nachfrage-Angebots-Situation eingehen.

Die geopolitische Lage beim Öl ändert sich dramatisch

Man kann als vorausschauender Anleger nicht in die Zukunft sehen und Katastrophen und Kriege exakt vorhersehen. Das ist unmöglich. Was man als sensibler Investor jedoch auf jeden Fall sehen kann und aktuell auch unbedingt sehen muss ist das Faktum, dass sich die geopolitische Lage für das Öl dramatisch verändert. Abgesehen von den bekannten Problemkandidaten Nigeria, Venezuela und dem Irak galten die meisten anderen Ölproduzenten bislang als ausgesprochen stabile Länder um deren inneres Gefüge sich der Markt keine allzu großen Sorgen machen musste.

Dass es auch dort bereits unter der Oberfläche brodelte, sahen zumeist nur wenige Experten, die sich mit der Kultur und der inneren Situation der Länder besonders gut auskennen. Die meisten Anleger hingegen ließen sich vom ersten Anschein trügen. Man hörte nichts bedrohliches aus Arabien, also musste die Welt dort noch in Ordnung sein.

Inzwischen ist der Markt aus diesem Tagtraum aufgewacht und registriert wie fragil und damit wie bedrohlich die Situation tatsächlich ist. Noch sind die Unruhen in den arabischen Staaten nicht auf für den Erdölexport extrem wichtige Staaten wie Saudi-Arabien, Iran und Kuwait übergesprungen, aber den Investoren dämmert bereits, dass es auch dort erhebliche Missstände gibt, die leicht in politische Unruhen umschlagen können.

Problemmix: Junge Gesellschaft, hohe Arbeitslosigkeit, steinreiche Oberschicht

Das Problem vieler arabischer Länder sind relativ junge Gesellschaften mit einer sehr hohen Arbeitslosigkeit und einer extrem einseitigen Verteilung von Vermögen und politischer Macht. Nicht ohne Grund werden nun von vielen Regierungen eiligst Maßnahmen beschlossen um diese gefährliche Situation zu beseitigen bzw. mögliche negative Konsequenzen abzufedern. Millionen werden in soziale Projekte und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen bzw. die Förderung der lokalen Wirtschaft gesteckt in der bangen Hoffnung den Zorn der Massen so im Zaun halten zu können.

Was die Sorgenfalten der Investoren eher vertieft und den Ölpreis an den internationalen Märkten zusätzlich weiter steigen lässt ist zum Beispiel das Faktum, dass Saudi-Arabien mit zu jenen Staaten zählt, die eine der höchsten Jugendarbeitslosigkeiten in der Region aufweisen.

König Abdullah hat bereits angekündigt, dass er insgesamt 125 Mrd. US Dollar, das sind immerhin 27% des Bruttoinlandsprodukts seines Landes, in soziale Maßnahmen fließen lassen wird. Für den König sind diese 125 Mrd. US Dollar wohl oder übel Kosten zum Erhalt seiner Herrschaft. Für die saudischen Ölexporte bedeutet die Entscheidung des Herrschers jedoch, dass der Schwellenpreis an dem die Produktion ins Plus läuft auf 88 US Dollar je Barrel Öl ansteigt.

Will das Land auch weiterhin am Öl etwas verdienen, was stark anzunehmen ist, dann ist klar, dass Saudi-Arabien in Zukunft Ölpreise unter 100 US Dollar verhindern muss. Verbal wird man vielleicht das eine oder andere Statement in die entgegengesetzte Richtung abgeben, doch es kann nicht das Ziel des Landes sein, das Öl als seinen wichtigsten Rohstoff unter Wert, das heißt in diesem Fall unter den Produktions- und sozialen Kosten, die das Land hat zu verkaufen.

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Muss der deutsche Autofahrer jetzt auch den sozialen Frieden in Saudi-Arabien retten?

Für den deutschen Autofahrer sind das keine rosigen Aussichten. Er darf als Steuerzahler die Griechen, Iren und Portugiesen bürgen und wird wohl auch in Zukunft noch einige kapitalistisch fehlgeleitete Banken retten dürfen und damit er nicht ganz aus der Übung kommt, wird bei den Fahrten zur Tankstelle auch noch qua Ölpreis ein Aufschlag für die soziale Stabilität im Nahen und Mittleren Osten fällig.

Die Situation ist durchaus als kritisch einzustufen. Libyen brennt bereits und in Nigeria stehen nach den Präsidentschaftswahlen die Zeichen wieder auf Unruhen, weil die Anhänger des unterlegenen moslemischen Kandidaten Muhammadu Buhari den Wahlsieg des christlichen Präsidenten Goodluck Jonathan nicht anerkennen wollen. Sollten die Unruhen auf das ganze Land übergreifen, ist die Ölproduktion schnell gefährdet.

Sollte in den kommenden Monaten ein weiterer wichtiger Ölproduzent ganz oder vorübergehend ausfallen, droht den Märkten sehr schnell weiteres Ungemach, denn die Krise käme zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Und damit sind wir beim fünften Punkt angekommen, der für weiter steigende Ölpreise spricht: der Angebots-Nachfrage-Problematik.

Steigende Nachfrage trifft auf sinkendes Angebot

Während die Förderung in vielen Ländern stagniert oder bereits massiv zurückgeht, steigt die Nachfrage aus den Schwellenländern, allen voran Indien, Brasilien und China, beständig an. Viele große Ölfelder, etwa das Cantarell Ölfeld in Mexiko, produzieren seit Jahren weniger Öl.

In England ist die Ölförderung aus der Nordsee schon lange rückläufig, in Norwegen steht dieser Wandel unmittelbar bevor. Das skandinavische Land ist momentan noch der elft größte Ölförderer und damit für die weltweite Produktion wichtiger als Nigeria oder Libyen. In Oslo rechnet die Regierung jedoch damit, dass die Produktion aus dem Oseberg Feld im Mai um 26% auf nur noch 118.000 Barrel pro Tag zurückgehen wird.

Gleichzeitig steigen in China die Fahrzeugzulassungen weiter an. Allein im Februar 2011 stieg der Neuwagenverkauf gegenüber dem Vorjahr um 2,6% an. Im März legten die Verkaufszahlen nochmals deutlich zu, sodass sich der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr auf 5,36% erhöhte.

Experten gehen davon aus, dass ein Ölpreisanstieg über 120 US Dollar je Barrel zu einer signifikanten Einschränkung der Verbraucher und damit zu einem wirtschaftlichen Abschwung führen wird. Noch ist dieses Niveau nicht erreicht, aber es sind genügend Gründe vorhanden, die den Ölpreis leicht über dieses Niveau ansteigen lassen könnten. Auf diese Konstellation und die damit verbundenen Gefahren sollten Sie als Anleger unbedingt achten.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.