Die Gewinn-Messe in Wien: OMV im Fokus

Es kam, wie es kommen musste: In den USA gab es quasi in letzter Sekunde eine Kompromisslösung. Der kurzfristige Staatsbankrott fällt aus. Eine inhaltliche Lösung der Probleme gab es erwartungsgemäß nicht, aber die Politiker haben etwas Zeit gewonnen.

Blicken wir daher wieder nach Europa. In der österreichischen Hauptstadt Wien wurde heute die Gewinn-Messe eröffnet.

Es gibt in Deutschland, Österreich und in der Schweiz viele Anlegermessen, aber die Veranstaltung in Wien ist einmalig.

So hat sich dort die schöne Tradition entwickelt, dass die großen österreichischen Aktiengesellschaften zur Messe kommen und sich dort den Fragen der Journalisten und Aktionäre stellen.

Die Top-Unternehmen präsentieren sich

Dabei werden die Anleger nicht mit Mitarbeitern aus der Presse- oder IR-Abteilung abgespeist. Fast alle Unternehmen schicken den Vorstands-Vorsitzenden oder den Finanz-Vorstand; also die Entscheidungsträger.

Für die Messe 2013 haben sich zum Beispiel Wienerberger, Schoeller-Bleckmann, OMV, Voestalpine, Erste Bank, Lenzing, RHI, Palfinger und die Telekom Austria angekündigt.

Die Anleger honorieren, dass die Unternehmen Flagge zeigen, aber dennoch erwarte ich auch kritische Fragen. Die wichtigste Frage wird sein: Hat die europäische Wirtschaft 2013 das Tal der Tränen durchschritten?

OMV: Achterbahnfahrt an der Börse

Zu den Dauergästen auf der Gewinn-Messe gehört die börsennotierte OMV AG. Der Generaldirektor Dr. Gerhard Roiss stellte den Öl- und Gaskonzern vor und stellte sich anschließend den Fragen der Aktionäre.

Die OMV-Aktionäre erlebten in den vergangenen 10 Jahren eine Achterbahnfahrt. Zunächst legte die Aktie sehr gut zu und konnte im Öl-Boom 2006 bis 2008 ein Spitzenniveau von gut 50 Euro verteidigen.

In der zweiten Jahreshälfte 2008 folgte dann der steile Absturz auf 16 Euro. In den Jahren 2009 bis 2013 pendelte der Aktienkurs lange Zeit zwischen 20 und 30 Euro. Doch in diesem Jahr gelang endlich der Ausbruch aus dem Seitwärtstrend. Das Jahreshoch liegt bei fast 40 Euro. Aktuell notiert die Aktie bei gut 35 Euro.

Das Unternehmen erfindet sich neu

Generaldirektor Roiss führt das Comeback der OMV-Aktie auf den Strategiewechsel zurück. Nach der Marktöffnung in Osteuropa hatte sich OMV sehr stark auf diese Märkte konzentriert und das Downstream-Geschäft in den Mittelpunkt gestellt.

Unter Downstream werden in der Öl-Branche Produkte und Dienstleistungen nah am Endkunden verstanden. So hat OMV viele Tankstellen eröffnet und auch Raffinerien betrieben.

Das war zunächst ein gutes Geschäft, aber mit der Zeit zeigte sich, dass die Gewinnmargen unter Druck geraten, da es harte Konkurrenz gibt und die Markteintrittsbarrieren niedrig sind.

OMV hat daher die Strategie gewechselt und konzentriert sich seit einigen Jahren immer stärker auf den Upstream-Bereich (die Suche und Produktion von Öl und Gas).

Heute stammen bereits rund 75% der Gewinne aus dem Upstream-Bereich. Da auch die meisten Investitionen in diese Sparte fließen, werden die Umsätze und Gewinne hier weiter steigen.

Aktie noch günstig bewertet

Die Kursentwicklung im Jahr 2013 zeigt, dass die ersten Investoren wieder stärker auf die OMV-Aktie setzen. Allerdings zeigt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter 10 auch an, dass die OMV-Aktie noch immer mit einem Risiko-Abschlag gehandelt wird.

Wenn OMV in den nächsten Monaten weitere Öl- und Gas-Funde veröffentlichen kann (das sind die zukünftigen Umsätze und Gewinne) und das Unternehmen weiterhin regelmäßig mehr als 4 Euro pro Aktie verdient, kann die OMV-Aktie im Jahr 2014 die 40-Euro-Marke zurückerobern. Hinzu kommt eine Dividenden-Rendite von 3 bis 4% pro Jahr.

Unter dem Strich bietet die OMV-Aktie ein attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis für konservative Anleger.

17. Oktober 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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