Niedriger Ölpreis: Wer profitiert, wer resigniert?

Der Aktienmarkt hat sich in dieser Woche weiter erholt, doch die Meldung der Woche kommt aus dem Rohstoffsektor: Der Ölpreis fällt immer weiter und erreicht neue Mehrjahrestiefs. Das hat enorme Auswirkungen auf das Wirtschaftsleben.

Wenn Sie Autofahrer sind, werden Sie den niedrigen Ölpreis mindestens indirekt an der Tankstelle über die Spritpreise wahrgenommen haben, die so niedrig sind, wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Doch der niedrige Ölpreis freut nicht nur die deutschen Autofahrer.

Auch die Wirtschaft profitiert zu einem großen Teil vom günstigen Ölpreis. Es gibt allerdings auch Verlierer dieser Entwicklung. Ich möchte Ihnen heute hier im „Schlussgong“ die Auswirkungen des niedrigen Ölpreises aufzeigen und Ihnen die Gewinner und Verlierer vorstellen.

Die Profiteure des niedrigen Ölpreises

Die größten Profiteure sind die Fluggesellschaften, denn der Treibstoff ihrer Flugzeuge macht rund ein Drittel ihrer Betriebskosten aus. Aber auch die Logistik-Konzerne und die Container-Schifffahrt profitieren enorm vom günstigen Öl.

Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd beispielsweise kaufte im ersten Halbjahr 2014 ihren Treibstoff um gut 5% günstiger ein.

Einen Schub dürften auch die Pharma-, die Chemie- und die Automobilindustrie durch den günstigeren Ölpreis erhalten. Die Pharma- und die Chemieunternehmen können dadurch günstiger produzieren und Automobile – vor allem die teuren Modelle mit größerer Motorisierung und entsprechend größerem Verbrauch – sind durch die günstigeren Spritpreise wieder gefragter.

Theoretisch sorgt ein Rückgang des Ölpreises um 10 US-Dollar je Barrel in der europäischen Chemiebranche für eine Entlastung in Höhe von 6 Mrd. US-Dollar.

Allerdings profitieren die Chemiekonzerne letzten Endes dann doch etwas weniger vom günstigen Öl, da sie die Einsparung teilweise über geringere Preise ihrer eigenen Produkte weitergeben müssen.

Unternehmensgewinne steigen und Verbraucher werden entlastet

Die US-Investmentbank Goldman Sachs rechnet in einer aktuellen Studie vor, dass die Unternehmensgewinne theoretisch – wenn der Ölpreis um rund 20% fällt – um 2% steigen müssten.

Und diesen 20%-Rückgang des Ölpreises haben wir in den  vergangenen 12 Monaten erlebt. Das bedeutet: Schon bald dürften sich in den Unternehmens-Zahlen erste positive Folgen zeigen.

Zudem kann das billige Öl den privaten Konsum ankurbeln. Denn eine alte Faustregel für den US-Markt besagt: Wenn die Treibstoffkosten um 1 Cent sinken, bedeutet dies 1 Mrd. US-Dollar mehr an frei verfügbarem Einkommen in den USA.

Daher könnte der Ölpreisrutsch, wenn er sich über einen längeren Zeitraum  entfalten kann, wie ein riesiges Konjunkturprogramm wirken. Laurence Fink, der Chef des weltweit größten Vermögensverwalters Blackrock, sagte im US-Wirtschaftskanal CNBC: „Das ist wie eine riesige Steuersenkung für die ganze Welt“.

Russland ist der größte Verlierer des niedrigen Ölpreises

Die großen Verlierer des niedrigen Ölpreises sind vor allem die Staaten, die von ihrem Öl leben und von Öl-Exporten extrem abhängig sind.

Hier ist vor allem Russland zu nennen. Die US-Bank Morgan Stanley hat errechnet, dass ein Rückgang des Ölpreises um 10% für Russland zu rund 32 Mrd. US-Dollar weniger Exporteinnahmen führt.

Da Russland der größte Verlierer ist, hält sich am Markt auch das Gerücht, dass der Ölpreis bewusst nach unten getrieben wurde, um den Druck auf Russland zu erhöhen. Russland soll gezwungen werden, in der Ukraine-Krise eine friedliche Verhandlungslösung anzustreben.

Fazit: Sie als Aktionäre zählen zu den Gewinnern

Sie als Aktionäre und/oder Autofahrer zählen in jedem Fall zu den Profiteuren des niedrigen Ölpreises.

Wenn Sie Aktien von Unternehmen halten, die vom geringen Ölpreis profitieren (und das sind – wie Sie gerade erfahren konnten – sehr viele Unternehmen), können Sie sich künftig also nicht nur an der Tankstelle über den niedrigen Ölpreis freuen.

7. November 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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