Die Hausaufgaben gemacht: Unterhachings Weg an die Börse

Renditemöglichkeiten mit Fußball-Clubs

Mit Unterhaching geht der zweite deutsche Fußballverein an die Börse. Kann der Börsengang des Drittligisten gut gehen? (Foto: Smileus - Fotolia)

Viele von Ihnen werden sich in den letzten Wochen gefragt haben, warum mit der Spielvereinigung Unterhaching ein Drittligaverein an die Börse geht. Warum überhaupt noch ein Fußballverein an die Börse geht, war doch das IPO (Initial Public Offering) des BVB Borussia Dortmund für die Aktionäre alles andere als ein vergnügungssteuerpflichtiges Unterfangen. Fußball und Börse: Das scheint nicht zusammenzupassen.

Häkchen in der Checkliste

Oder doch? Bevor wir uns der Frage zuwenden, warum ausgerechnet die Unterhachinger den Weg an den Kapitalmarkt wagen, sollten wir klären, was das eigentliche Ziel eines Börsengangs ist. In der Corporate Finance-Literatur werden häufig ein gesteigerter Bekanntheitsgrad des Börsenkandidaten genannt, eine höhere Attraktivität für Mitarbeiter, eine vereinfachte Unternehmensnachfolge oder auch die schlichte Möglichkeit für die Altaktionäre, Kasse zu machen.

All diese Gründe sind zweifellos richtig, treten jedoch gegenüber dem eigentlichen Grund für einen Börsengang deutlich ins Hintertreffen: Nämlich Eigenkapital einzuwerben, um damit Investitionen zu finanzieren. Mit dem IPO soll das weitere Unternehmenswachstum finanziert werden, weil Fremdkapitalgeber etwa in Ermangelung von Sicherheiten dazu nicht (mehr) bereit sind.

Besser Steine als Beine

So auch im Fall Unterhaching. Laut dem Wertpapierprospekt, der seit vergangenem Freitag auf der Website der Emittentin zum Download zur Verfügung steht, sollen die Mittel aus dem Börsengang für die Rückführung von Verbindlichkeiten, für die Sanierung der Osttribüne, die Modernisierung des Nachwuchsleistungszentrums und der im Falle des Wiederaufstiegs in die 2. Bundesliga notwendigen Modernisierungsmaßnahmen, unter anderem die vollständige Überdachung des Zuschauerbereichs und die Installation einer neuen Flutlichtanlage. Insofern können also die Häkchen in der Checkliste „Sinnhaftigkeit eines Börsengangs Unterhaching“ gesetzt werden.

Zumal Unterhaching einen entscheidenden Fehler von Borussia Dortmund zum Börsengang vermeidet: Die vereinnahmten Mittel in den Erwerb von Spielern zu stecken. Zwar können Spielerkäufe eine sinnvolle Investition in die Zukunft des Vereins sein, um neben den sportlichen auch den gesteckten finanziellen Zielen näher zu kommen. Ihr Chance-Risiko-Profil ist allerdings ungünstig: Verletzungen oder Integrationsprobleme sind unvorhersehbar, zu viele Ausnahmen von der Regel zeigen, dass der sportliche Erfolg nicht käuflich ist.

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Fußball und Börse kann sinnvoll sein

Dies macht deutlich, dass die Kombination „Fußball an der Börse“ durchaus sinnvoll sein kann. Aktien von Fußballunternehmen sind nicht von Grund auf gut oder schlecht, können nicht immer nur über- oder unterdurchschnittliche Renditen erzielen. Dass die Kursentwicklung wesentlich vom sportlichen Erfolg abhängt, ist keineswegs ungewöhnlich, sondern spricht sogar für die Fußballaktie.

Wo sonst sind die Märkte derart informationseffizient? Wo sonst erhält der Investor einen wöchentlichen Lagebericht in Form des Spielergebnisses und nicht nur zum Quartalsende? Sieg oder Niederlage mögen eng beieinander liegen, aber auch das ist keine Exklusivität des Fußballspiels: In jeder Auktion, bei jeder Übernahme, bei jedem Patent kann es nur einen Gewinner geben. Und im Fußball erreicht der eine die Champions League und vereinnahmt entsprechende Fernsehgelder, der andere schafft es nicht und muss den Gürtel enger schnallen.

Noch mehr Gründe

Ein Börsenkandidat wie Unterhaching sollte nicht nur langfristig sportlichen Erfolg aufweisen, sondern auch aus einer homogenen, gewachsenen Mannschaft bestehen, in der Abhängigkeiten von wenigen Stars tunlichst vermieden werden. Kontinuität bei Trainern und Managern ist ebenso Pflicht wie die Tatsache, dass der Börsenaspirant den Weg von der Vereins- zur Unternehmenskultur nachhaltig beschritten hat und die Geschäftsführung die Belange von Investoren und Finanzanalysten ernst zu nehmen bereit ist.

Auch sollte der Verein als Markenname etabliert sein, denn das, wofür der Verein steht, gewinnt für ein börsennotiertes Fußballunternehmen vor dem Hintergrund der hohen Medienpräsenz der Sportart eine besondere Bedeutung. Nicht zu vergessen sind die Fans, die, im Gegensatz zur landläufigen Meinung, für den Börsengang einen wichtigen Faktor darstellen. Zum einen bestimmen die Zuschauerzahlen stabile Einnahmequellen aus Sponsoring-Verträgen, Werbung und kommerziellen Partnerschaften. Zum anderen bieten das Ausmaß der Identifikation des Fans mit dem Verein, die Bekanntheit des Vereins oder die Stadionatmosphäre klare Anhaltspunkte für den Erfolg eines Börsengangs. Insofern scheint Unterhaching die Hausarbeiten gemacht zu haben.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.