Die italienische Gefahr für ganz Europa

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Italien entwickelt sich zu einem Pulverfass. Es droht eine neue Finanzkrise. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Italiens geplante neue Regierung wollte einen kompletten Wandel der bisherigen Politik. Sie wissen jetzt, dass dieser EU-kritisch gewesen wäre – statt mehr, weniger Europa. Und das machte Brüssel, aber auch Berlin, große Sorgen.

Aus diesem Grund ließ der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella die geplante Regierung auch platzen.

Nun soll eine Übergangsregierung gebildet werden, unter dem Ex-IWF-Mann und damit linientreuen Carlo Cottarelli. Der Wählerwille wird von der EU ignoriert.

Italienisches Programm weckt Neid und Begehrlichkeiten

Die neue italienische Regierung  wollte Wahlversprechen wie Steuersenkungen, Absenkung des Rentenalters sowie ein staatlich finanziertes Grundeinkommen umsetzen. Und das, ob wohl Italien sich das gar nicht leisten kann.

Die mit dem hochverschuldeten Land verbundenen Risiken (132 Prozent Staatsverschuldung) sind groß.

Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone und könnte deshalb durch den Eurorettungsschirm ESM nicht mehr aufgefangen werden.

„Extrem besorgniserregend“

Aus diesem Grund ist das Italienspiel eine Gradwanderung. Der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europaparlament, Udo Bullmann, meinte diesbezüglich: „Die Aussicht auf eine populistische, nationalistische und antieuropäische Regierung in Italien ist extrem besorgniserregend.“

Italien sei ein wichtiges Mitglied der Eurozone und auch „kulturell-historisch zentral für unseren Kontinent”.

Scheitert Italien, scheitert Europa

Auch in Berlin wird eifrig über die ungewisse Lage in Italien diskutiert. Die Grünen sehen nun einen Grund, die Bundesregierung noch einmal aufzufordern die Europa-Reformen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron durchzusetzen.

Grünen-Parteichefin Annalena Baerbock erklärte: „Scheitert Italien, scheitert Europa!“

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Wir haben uns für Sie ausführlich mit diesen Reformen beschäftigt. Als treuer Leser wissen Sie, dass diese für den deutschen Steuerzahler und Sparer nur Nachteile bringen. Für die anderen EU-Staaten nicht, allen voran würde Frankreich profitieren.

Auf einen Nenner gebracht: Deutsche Steuermilliarden müssten in der Eurozone die Fehler anderer EU-Staaten ausgleichen.

EZB im Warnmodus

Nicht nur die EU-Kommission und die Bundesregierung rotieren, sondern auch die Europäische Zentralbank. Denn die geplante Links-Rechts-Koalition wollte von der EZB einen 250 Milliarden Euro-Erlass, um das Ganze finanzieren zu können.

Doch die Banker warnten aufgrund der Wahlversprechen längst vor einer Ausweitung der nationalen Verschuldung.

Die europäischen Fiskalregeln müssten eingehalten und das Vertrauen in die gemeinsame Währung, den Euro, nicht erschüttert werden.

Ein Schuldenerlass der EZB für Italien würde nicht in Frage kommen, weil das die europäischen Verträge nicht erlauben würden. Zentralbanken könnten keine Staaten finanzieren.

Neue Finanzkrise durch Italien

Neben den EU- und EZB-Granden unken auch deutsche Experten über eine neue Finanzkrise durch Italien. Beispielsweise der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther.

Er warnte die neue italienische Regierung vor dem Irrglauben, das Land könne durch die EU gerettet werden. Er meinte sogar, dass Italien „Griechenland mal Faktor zehn“ sei.

Tatsächlich ist Gefahr in Verzug. Denn Italien ist für die EU systemrelevant und kann, wie bereits erwähnt, nicht durch den ESM gerettet werden. Sehen Sie: Griechenland steht für nur rund zwei Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone. Italien aber für 16 Prozent.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.