Die kriselnde Vapiano erhält Finanzspritze

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Lange Wartezeiten, gestresste Mitarbeiter: Darum läuft es bei Vapiano nicht. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Viele Restaurantkonzepte scheitern bereits im Ansatz. Während Gastroketten wie Dean & David, Hans im Glück oder L’Osteria ein Lokal nach dem anderen eröffnen und dabei auch noch den Umsatz auf vergleichbarer Fläche steigern, steuert ausgerechnet Vapiano, einstiger Branchenprimus und Erfinder des Geschäftsmodells des Fast-Casual-Prinzips, auf den Abgrund zu: Horrende Verluste, Personalabbau und nun auch noch die mittlerweile  dritte Verschiebung des Jahresabschlusses – die Nachrichtenlage bleibt angespannt.

Verluste offenbar nochmals gestiegen

Nur scheibchenweise kommen die Einzelheiten ans Licht. Bereits bekannt gegeben wurde, dass der Konzernumsatz des abgelaufenen Geschäftsjahres nach vorläufigen Zahlen mit 370 Millionen Euro um etwa 1% unter dem Vorjahreswert gelegen hat. Angesichts des florierenden Branchenumfelds ist das ein ausgesprochen schwacher Wert.

Zur Ertragslage hat der Vorstand bislang noch keine Aussagen abgegeben, außer dass der Jahresverlust „deutlich“ unter dem Minus von 2017 gelegen haben soll. Damals befand sich Vapiano bereits mit einem Nachsteuerergebnis von -29,6 Millionen Euro dramatisch in den roten Zahlen.

Wachstum ist nicht immer hilfreich

Das hörte sich zum Börsengang 2017 noch ganz anders an. Damals war jede Menge Liquidität vorhanden, die investiert werden wollte. Im Rahmen des verfolgten Expansionskurses – derzeit betreibt Vapiano 231 Restaurants in 33 Ländern auf fünf Kontinenten – wurde die Ertragslage offensichtlich völlig außer Acht gelassen.

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Da eine Kapitalerhöhung bei einem Börsenkurs von unter 6 Euro je Aktie nicht unbedingt das Mittel der Wahl ist, versucht man sich nun mit der Aufnahme von Fremdkapital. Offensichtlich mit Erfolg. So konnte am vergangenen Freitag endlich grünes Licht gegeben werden: Vapiano habe verbindliche Kreditzusagen über 30 Millionen Euro von Banken und Großaktionären bekommen, hieß es in einer Pflichtmitteilung. Der Vorstandsvorsitzende Cornelius Everke sieht damit die Basis gelegt „für die weitere Umsetzung unserer neuen Strategie“.

Neue strategische Ausrichtung

Die offenbar auf eine Vereinfachung der betrieblichen Abläufe setzt, der ausgefallene Gerichte wie Pasta mit Roquefort-Feige zum Opfer fallen dürften. Und einige der bisher verfügbaren, exotischeren Nudelvariationen. Doch ob damit das Hauptproblem der langen Wartezeiten wirklich beseitigt werden kann, ist fraglich. Schon wird über ein Full-Service-Konzept nachgedacht, mit dem das kritisierte Kantinen-Image, für das die Kunden dennoch Restaurantpreise zahlen sollen, abgelöst werden soll.

Den Aktionären jedenfalls scheint dies nicht zu reichen. Kein Wunder, schließlich hat die Aktie des im Prime Standard notierten Unternehmens seit dem Börsengang drei Viertel ihres Wertes verloren. Dass sich die Aktie nach der „Erfolgsmeldung“ über die Kreditaufnahme nur ein leichtes, kaum wahrnehmbares Zucken nach oben machte, zeigt, dass dem Kapitalmarkt für einen echten Turnaround der rechte Glaube fehlt.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.