Die Learjet-Aktie

Im Bereich Flugzeugbau gibt es nur Airbus und Boeing? Keineswegs! Vor allem die beliebten Kurzstrecken bedienen oftmals Flugzeuge anderer Fabrikate. Auch bei Businessjets haben andere Hersteller die Nase vorn. Viele Unternehmen gönnen sich inzwischen den Luxus des Learjets.

Ob der DAX-Konzern mit eigenen Flugzeugen im Bestand oder das mittelständische Unternehmen, das sich einen Business-Jet chartert. Oftmals kommen dabei Flugzeuge von Bombardier zum Einsatz. Bombardier ist der weltweit drittgrößte Hersteller von Zivilflugzeugen.

In den Bereichen Regional- und Businessjets ist der Konzern Marktführer. Learjet, Challenger und CRJ200 gehören zu den bedeutendsten Jet-Marken. Bombardier ist seit der Übernahme von Adtranz auch der weltweit größte Anbieter von Schienenverkehrstechnik. Die Bereiche Freizeitfahrzeuge und Bombardier Capital wurden verkauft.

Ausufernde Kosten belasten das Unternehmen

Bombardier leidet unter kräftigen Turbulenzen. Auch der Wechsel auf dem Chefposten im Februar zeigte noch keine Wirkung auf die Ergebnisse. Hauptproblem bleiben die ausufernden Kosten bei Passagierjets der CSeries-Reihe. Im 3. Quartal mussten erneut 3,5 Mrd $ auf das Projekt abgeschrieben werden.

Da auch bei einem Learjet-Programm Abschreibungen vorgenommen werden mussten, summierte sich der Sondereffekt sogar auf insgesamt 4,8 Mrd $. In den ersten 9 Monaten verlor Bombardier nach Sonderabschreibungen 4,7 Mrd $, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 344 Mio $ zu Buche stand.

Wegen der anhaltenden Probleme verlieren jetzt einige Kunden das Vertrauen. In den ersten 9 Monaten wurden lediglich 88 Flugzeuge neu bestellt. Gleichzeitig stornierten Kunden 93 Flieger. Somit sank der Auftragsbestand deutlich. Im 3. Quartal verstärkte sich der negative Trend.

In der Transportsparte kann Bombardier zwar immer wieder größere Aufträge gewinnen, doch auch hier ging der Umsatz um 12,5% zurück. Zudem wurde im Dezember völlig überraschend der Chef der Sparte ausgewechselt. Die weitere Entwicklung ist offen.

Größtes Problem bleibt, dass Bombardier zu wenig Geld verdient, um die hohen Investitionskosten einzuspielen. Deshalb war bereits ein Börsengang der Transportsparte ins Auge gefasst worden. Durch den Einstieg eines staatlichen Beteiligungsfonds der kanadischen Provinz Quebec an der Transportsparte ist dieser Plan jedoch vorerst vom Tisch.

Finger weg!

Wir erwarten in den kommenden 6 bis 12 Monaten weitere Turbulenzen beim hoch verschuldeten Unternehmen. Bombardier schafft es nicht, im Spiel der großen Luftfahrtkonzerne der lachende Dritte zu sein.

Die Nische, in der das Unternehmen agiert, macht sich nicht bezahlt. Auch gibt es keine Dividende. Anleger sollten die Finger von der Aktie lassen.

10. Februar 2016

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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