Die Lust auf Luxus schwindet

Russen und Chinesen waren einst die Garanten für reißenden Absatz. Doch seit Rubelverfall und Konjunkturrückgang in China, bleibt die zahlungskräftigen Kunden immer öfters aus. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Den Russen geht nach dem Rubel-Absturz das Geld aus, und die Chinesen dürfen keine Geschenke mehr annehmen.

Zudem ist auch ihr Geld nach der Yuan-Abwertung im Ausland weniger wert. Diese Entwicklung trifft auch die Modebranche, besonders die Hersteller von Nobelmarken.

Nach Jahren boomender Geschäfte aufgrund der zunehmenden Zahl reicher Menschen in den Schwellenländern müssen die Anbieter teurer Kleidung jetzt den Gürtel enger schnallen.

Russen und Chinesen bleiben als Touristen aus und reißen tiefe Löcher in die Bilanzen von Luxusmode-Herstellern wie Chanel, Gucci oder Prada.

Zwar konnte Hugo Boss den China-Umsatz im 1. Halbjahr noch um 24% auf 123 Mio. € steigern, doch das Geschäft wird schwieriger.

Die deutsche Modebranche strahlt wenig Zuversicht aus

Nach Angaben des Bundesverbandes des Deutschen Textil-Einzelhandels ist die Frühjahrs- und Sommersaison in vielen Modehäusern unbefriedigend verlaufen. Die Umsätze lagen im 1. Halbjahr unter Vorjahresniveau.

Im August galt es dann, Platz für die neue Herbstund Winterware zu schaffen. Entsprechend hoch waren die Preisnachlässe im Sommerschlussverkauf.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund für die steigende Bereitschaft, Rabatte zu gewähren: Es wächst der Zweifel an der Konsumlaune der Deutschen.

15% der Modeunternehmen rechnen mit einem Rückgang der Einkaufslust der Verbraucher. Vor 1 Jahr waren es nur 6%.

Gleichzeitig ist der Anteil der Optimisten von 33 auf 20% gesunken. Statt in Mode investieren die Verbraucher lieber in Reisen, Technik und gutes Essen.

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V. a. kaufkräftige Besserverdiener und die Zielgruppe 50+ geben immer weniger Geld für Bekleidung aus, so die Untersuchungs-Ergebnisse der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Und genau von diesem Trend sind Unternehmen wie Ahlers, Gerry Weber und Adler Modemärkte betroffen.

Entsprechend berichteten Ahlers und Gerry Weber über schleppende Geschäfte in den ersten 6 Monaten und mussten Umsatz- und Gewinnwarnungen abgeben. Auch bei Adler Modemärkte hat das Wachstum an Dynamik verloren.

Ganz anders die Situation bei Hennes & Mauritz (H&M) und Inditex. Bei Inditex kommt hinzu: Der Konzern wächst trotz hoher Investitionen in die Auslands- und Filial-Expansion auch noch profitabel.

Der US-Konzern Skechers rührt dagegen mit Erfolg kräftig die Werbetrommel und konnte im 1. Halbjahr mit einem gewaltigen Umsatz- und Gewinnsprung überzeugen.

Unsere Favoriten: Inditex und VF Corp

Der langjährige Überflieger Gerry Weber ist die Enttäuschung des Jahres:

Dem Unternehmen machen die sinkende Kunden-Frequenz in den Innenstädten, die angespannte Lage in Südeuropa, die Krise in Russland sowie überdurchschnittlich hohe Rabatte auf Saisonware zu schaffen.

Zudem steigt der Druck durch Konkurrenten wie Inditex. Um schneller auf Modetrends zu reagieren, muss Gerry Weber v. a. den Einkauf optimieren.

Auch bei Hennes & Mauritz drücken hohe Einkaufskosten auf die Margen. Denn die Ware wird überwiegend aus Asien bezogen und in Dollar abgerechnet. Die Dollarstärke drückt aber auf die Margen. All diese Probleme hat Inditex nicht.

Weitere Favoriten sind Skechers sowie VF Corp., die trotz negativer Wechselkurs-Effekte ihre Gewinnprognose anhoben.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.