Die Medienbranche befindet sich im Umbruch

Die Digitalisierung hat längst alle Geschäftsbereiche erreicht. Neue Unternehmen machen den alten Hasen die Marktanteile streitig. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Die Digitalisierung hat alle Geschäftsbereiche erreicht.

Dieser Paradigmenwechsel stellt die Konzerne vor neue Herausforderungen. Junge Unternehmen machen den alten Hasen die Marktanteile streitig. Das beste Beispiel dafür ist das klassische TV-Geschäft. Während vor einigen Jahren die ProSiebenSat.1 Media SE und die RTL Group noch die Marktanteile unter sich aufgeteilt haben, geben jetzt Netflix oder Amazon Video den Ton an.

Die Online-Streaming-Dienste verändern die Marktverhältnisse. Vor allem jüngere Kunden schätzen die „on-Demand“ (auf Abruf)-Funktion im Internet. Zudem ist das Angebot im Internet deutlich breiter, da die Lizenzgebühren für die Anbieter nur auf Abruf anfallen. ProSieben und RTL müssen sich deshalb etwas einfallen lassen, um nicht im Zuge der Digitalisierung unterzugehen.

Beide Konzerne verfolgen dazu ganz unterschiedliche Strategien. Während ProSieben die Zeichen der Zeit erkannt hat und bereits großflächig in digitale Geschäfte und ECommerce investiert hat, möchte sich RTL klar von den neuen Konkurrenten abgrenzen.

Die Streaming-Dienste setzen schwerpunktmäßig auf amerikanische Sitcoms und Serien. ProSieben hat sich diesem Schwerpunkt angeschlossen. RTL möchte dagegen mit Casting-Shows mehr Kundennähe erzeugen. Ob diese Strategie aufgehen wird, muss die Zeit zeigen. Aktuell lässt ProSieben den Erzrivalen aber klar hinter sich.

Die multimediale Strategie geht auf

Den Sprung ins digitale Geschäft hat Axel Springer bereits geschafft. Mehr als die Hälfte des Umsatzes wird mit den neuen Medien erzielt. Von diesem Wert kann die Konkurrenz nur träumen. Springer ist der einzige europäische Zeitungskonzern, dem diese Meisterleistung in so kurzer Zeit gelungen ist. Das erstklassige Management hat die Zeichen der Zeit früh erkannt und entsprechende Umstrukturierungsmaßnahmen eingeleitet.

Künftig möchte Springer den Wachstumskurs im Internet noch stärker forcieren. Dazu scheut der deutsche Verleger auch keine Sonderbelastungen. In 2017 wurden mehrere größere Akquisitionen in den USA und Frankreich erfolgreich abgeschlossen. Der Weg zum multimedialen Konzern ist aber nicht ganz preiswert. Der Gewinn ging deshalb zuletzt etwas zurück. Ein Makel ist das aber nicht.

Eine digitale Liga für sich

Eine ähnliche Strategie verfolgt auch Alphabet. Gemessen an den Zahlen spielt die Muttergesellschaft von Google aber in einer ganz anderen Liga. Der Bestand an liquiden Mitteln beläuft sich auf mehr als 100 Mrd. $. Damit kann Alphabet praktisch jeden Konkurrenten aufkaufen. Eine vergleichbare Kapitalmacht lässt sich kaum finden.

Einer der wenigen wirklich ernst zu nehmenden Konkurrenten von Alphabet ist der Sozial-Media-Konzern Facebook. Facebook betreibt nicht nur das gleichnamige Netzwerk, sondern auch weitere soziale Plattformen wie Instagram oder den Instant-Messenger-Dienst WhatsApp.

Die Zahlen für 2017 sind kaum zu glauben. Facebook konnte seinen Umsatz um 47,1% auf 40,6 Mrd. $ steigern. Der Gewinn verbesserte sich dabei um 56,3% auf 15,9 Mrd. $. Ein Ende der Erfolgsgeschichte ist nicht in Sicht.

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.