Die Mode-Branche steckt in der Krise

Die fetten Jahre der Mode-Unternehmen sind vorbei. Die deutsche Mode-Branche ist weiterhin auf Schrumpfkurs. Kaum besser sieht es in anderen Ländern aus.

Das überrascht, ist doch das Konsum-Klima zumindest in Deutschland immer noch robust.

Viele Unternehmen schieben die Schuld auf das Wetter und die sinkende Kunden-Frequenz in den Geschäften der Innenstädte, verursacht durch den immer stärker werdenden Online-Handel.

Dass es auch hausgemachte Probleme gibt, wird oftmals verschwiegen.

Börsen-Lieblinge sind tief gefallen

Hugo Boss wurde ein Opfer seines zu hohen Expansions-Tempos. Unter dem Druck des früheren Großaktionärs Permira wurde die Zahl der eigenen Filialen in den vergangenen 10 Jahren auf 1.113 mehr als vervierfacht.

Lange Zeit war die Strategie erfolgreich. Seit 2013 geht es mit der Rentabilität aber bergab. Expansions-Kosten, Rabatt-Schlachten in den USA und die nachlassende Nachfrage in China setzten dem Konzern zu.

Zudem hat sich die Ausweitung der Damen-Kollektion nicht ausgezahlt. Jetzt will sich Hugo Boss wieder verstärkt auf Herrenmode konzentrieren. Gleichzeitig werden Filialen geschlossen, wenn sie die Rendite-Vorgaben nicht erreichen.

Der Expansions-Drang hat auch Gerry Weber schwer geschadet. Hinzu kommt, dass die Kollektionen bei der Zielgruppe 50+ nicht mehr so gut ankommen.

Mit der Übernahme der Hallhuber-Kette hat Gerry Weber jetzt die junge Kundschaft im Visier. Bis zur alten Ertrags-Stärke ist es für beide Konzerne aber noch ein weiter Weg.

Selbst H&M muss aufpassen. Das Expansions-Tempo ist ebenfalls sehr hoch, kostet viel Geld und drückt auf die Margen. Zudem belastet die Dollarstärke den Einkauf in Billiglohn-Ländern.

Das Mehrmarken-Konzept und der Ausbau des Online-Handels reduzieren aber die Risiken.

Plagiate, Türkei und Br-Exit

Die Mode-Branche leidet aber auch unter der Zunahme gefälschter Marken-Produkte. Allein in Deutschland summiert sich der Schaden bereits auf 3,5 Mrd. € pro Jahr, in der gesamten EU auf 43,3 Mrd. €.

Kopierte Schuhe und Kleidungsstücke sind im Vergleich zum Original bis zu 10x billiger.

Sorgen bereitet daneben die Entwicklung in der Türkei. Von dort importierte die deutsche Textil- und Mode-Industrie im letzten Jahr Waren im Wert von 4 Mrd. €.

Die Abkehr von demokratischen und rechtsstaatlichen Strukturen wäre Gift für die Geschäfts-Beziehungen nach Deutschland und Europa. Kunden und Investoren sind verunsichert.

Hugo Boss z. B. hat dort den größten Teil seiner Produktion. Noch funktioniert der Warenfluss einwandfrei. Sollte sich daran etwas ändern, wäre der Mode-Konzern empfindlich getroffen.

Zudem befürchtet die Branche negative Auswirkungen durch den Br-Exit. Denn Großbritannien ist ein wichtiger Absatzmarkt. 2015 lieferten die deutschen Mode-Unternehmen Waren im Wert von 1,4 Mrd. € auf die Insel.

Unser Favorit bleibt Inditex

Am besten macht es Inditex. Die Zara-Mutter lässt weniger in Asien produzieren, bekommt deshalb auch die Dollarstärke kaum zu spüren und kann schneller auf neue Modetrends reagieren als die Konkurrenz.

Vom Entwurf am PC bis zum Verkauf im Laden vergehen höchstens 3 Wochen. Trotz der Expansion kann Inditex seine Profitabilität auf hohem Niveau halten.

Keines der hier besprochenen Unternehmen wirtschaftet so rentabel wie Inditex.

Wer es etwas spekulativer mag, setzt auf schnelle Restrukturierungs-Erfolge bei Gerry Weber und Hugo Boss.

13. September 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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