Die Ölbranche ist auch im 21. Jahrhundert ein Wachstumsmarkt

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Die USA ist innerhalb weniger Jahre vom größten Ölimporteur zum größten Produzenten des schwarzen Goldes geworden. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

2019 steht im Zeichen des Klimawandels. Was mit der Schwedin Greta Thunberg begann, hat sich zu einer internationalen Bewegung entwickelt, die uns eindringlich dazu aufruft, durch persönliche Einschränkungen oder mit Hilfe des technischen Fortschritts auf fossile Energieträger zu verzichten und CO2-neutral zu leben.

Durch Elektromotoren sowie den Verzicht auf individuelle Mobilität und Plastikbeutel wollen sich viele vom Öl verabschieden. Die Realität sieht aber anders aus. Weltweit steigt die Nachfrage nach fossilen Energieträgern. Pro Tag werden über 100 Mio. Barrel Öl verbraucht. Die aufstrebende Weltmacht China hungert nach immer mehr Energie. Das Bevölkerungswachstum in Asien und Afrika wird zu einer Explosion der Nachfrage führen.

Steigende Fördermengen in den USA

In den USA hat die Ölindustrie innerhalb weniger Jahre eine beispiellose Entwicklung vollzogen. In kurzer Zeit ist das Land vom größten Ölimporteur zum größten Produzenten des schwarzen Goldes geworden. Bis Jahresende wird die Fördermenge in den USA voraussichtlich auf über 12 Mio. Barrel pro Tag steigen und damit rund ein Achtel des weltweiten Bedarfs abdecken. Dabei stehen die Amerikaner vor einem bedeutenden Schritt: Aufgrund der hohen Kosten ist die Schieferölförderung in den USA bisher nur in Zeiten hoher Ölpreise rentabel. Dies kann sich bald ändern.

Die Kosten pro Barrel liegen zwar noch über denen anderer Regionen, sie sinken aber jedes Jahr um rund 8%. Dies liegt einerseits daran, dass die Amerikaner die Schieferölförderung technisch perfektionieren, andererseits hatte anfänglich niemand, nicht einmal die amerikanischen Ölkonzerne, mit dem Förderboom der vergangenen Jahre gerechnet. Die Infrastruktur der Ölindustrie in den USA war einfach nicht auf die hohen Fördermengen ausgelegt. Dieses Defizit musste teuer kompensiert werden.

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Öl und Gas folgen den Handelsachsen

Auch auf der anderen Seite der Welt wird die Infrastruktur der Ölindustrie weiter ausgebaut. Der Bau der politisch immer wieder torpedierten Pipeline North Stream 2, welche die Versorgungssicherheit Europas garantieren soll, schreitet voran. Mitten in Asien entstehen neue Pipelines, die Öl und Gas aus den sibirischen Weiten ins Reich der Mitte transportieren sollen. Dem gegenüber stehen Flüssiggasproduzenten wie die USA und Australien, die ihre Produkte per Schiff verkaufen wollen. Die OPEC, die früher das Geschick der Industrie bestimmt hat, verliert hingegen an Bedeutung. Das Kartell ist zu zerstritten und verliert an Marktmacht.

Der Ölpreis ist nach wie vor politisch gemacht

Das politische Ringen um die Vorherrschaft über diese Industrie wirkt sich in Europa lediglich als Säbelrasseln aus. In anderen Teilen der Welt hat es harte Konsequenzen. Das Embargo, das US-Präsident Trump gegen Venezuela verhängt hat, verstärkt die humanitäre Katastrophe im Land. Die Sanktionen gegen den Iran und das damit verbundene Kräftemessen kann jederzeit zu einem neuen Golfkrieg führen. Hauptprofiteur der US-Embargos ist paradoxerweise Russland. Die Industrie ist darauf eingestellt, große Mengen an Schweröl zu verarbeiten.

Die Umstellung auf leichtere, qualitativ hochwertige Sorten aus den USA oder aus der Nordsee dauert lang und ist teuer. Deshalb steigt der Preis für minderwertiges, russisches Öl überproportional. Gazprom und Lukoil profitieren.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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