Die Rational-Aktie zeigt keine Anzeichen von Schwäche

3.000% Kursanstieg in nur 18 Jahren: Trotzdem scheiden sich an der Rational AG die Geister. (Foto: Rational AG)

Lange war die Kleinstadt Landsberg am Lech den meisten nur wegen ihres Gefängnisses ein Begriff. Vor einigen Jahren indes hat sich das geändert, als nämlich das Familienunternehmen Rational AG den Gang an die Börse wagte.

Das war durchaus wörtlich zu nehmen, denn erst nehmen wollte den Börsengang damals keiner. Was vor allem am Zeitpunkt des IPOs lag: Der fand ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Spekulationsblase des Neuen Marktes statt, als jedes noch so defizitäre Geschäftsmodell hohe zweistellige Zeichnungsgewinne aufwies, Hauptsache es hatte „irgendwas mit Technologie“ zu tun. Wer wollte sich da allen Ernstes die Aktie eines Herstellers von Groß- und Industrieküchengeräten zur thermischen Speisenzubereitung ins Depot legen?

Und doch passte das Geschäftsmodell in die damalige Zeit. Rational kann nämlich durchaus als „High-Tech“-Titel bezeichnet werden. Darauf mussten aber erst die beteiligten Investmentbanken hinweisen, denn für derartige Anglizismen waren die Gründer des oberbayerischen Unternehmens viel zu bodenständig.

Revolution in der Küche

Dabei hat Rational die Prozesse in der Groß- und Gewerbeküche grundlegend verändert. Der revolutionäre Ansatz besteht in der Kombination von Heißluft und Dampf in einem einzigen Gerät: Dem Combi-Dämpfer, durch den nicht nur die Zubereitung von Speisen effizienter erfolgen, sondern auch die Qualität der fertigen Gerichte gesteigert werden kann. Integrierte Sensoren erkennen den jeweiligen Bräunungsgrad, die exakte Kerntemperatur des Bratenstückes und den Garfortschritt.

Dass sich die Produkte nicht nur in Deutschland verkaufen lassen, ist naheliegend. So werden heute rund 87 % der Erlöse im Ausland erwirtschaftet. Das Potenzial scheint dabei noch längst nicht ausgeschöpft zu sein. Nach Angaben des Unternehmens benutzen 70 % aller potenziellen Kunden immer noch traditionelle Kochgeräte.

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Beeindruckende Performance in allen Belangen

Besonders beeindruckend dabei ist, dass das Management von Arbeitsteilung wenig hält. Zurückzuführen ist dies nicht allein auf die Unternehmensgeschichte und die Verwurzelung im bayerischen Hinterland. Ganz oben auf der Agenda steht Qualität: Qualität in den Produkten, im Service und in der Mitarbeiterführung.

Dass diese auch an der Börse einen Preis hat, mussten die Aktionäre von Anfang an erkennen. Schon zum Zeitpunkt des Börsengangs machte die Rational-Aktie einen überbewerteten Eindruck. Kaum ein Zeitpunkt, zu dem die Aktie nicht mit dem 30- oder gar 40-fachen der Unternehmensgewinne des folgenden Jahres bewertet gewesen wäre.

Seither hat sich daran wenig geändert. Doch sind das KGV oder andere klassische Bewertungskennzahlen denkbar ungeeignet für die Bewertung der Rational-Aktie. Indiz dafür ist die rekordverdächtige Wertschöpfung des Unternehmens: Mit einer Rendite auf das eingesetzte Kapital von 55,9 % konnte Rational im vergangenen Jahr einmal mehr Profitabilitätskennzahlen erreichen, die nicht nur in Deutschland ihres Gleichen suchen. Selbst die profitabelsten Unternehmen der Welt können davon nur träumen.

Wenn dann noch, wie unlängst geschehen, das Management um den Vorstandsvorsitzenden Stadelmann einmal mehr die Umsatz- und Gewinnprognosen nach oben anpasst, bekommt die Aktie weiteren Auftrieb. Vielen mag diese Entwicklung nicht ganz geheuer sein, andere sind investiert – und bleiben es auch. Die mutigen Zeichner der Erstemission etwa, die in den vergangenen 18 Jahren Kursgewinne von knapp 3.000 % einfahren konnten – gut 21 % pro Jahr.

Dabei ist die Dividende noch gar nicht berücksichtigt: Bezieht man diese in die Rechnung mit ein, ergibt sich eine durchschnittliche jährliche Zeichnungsrendite von rund 25 %. Damit schließt sich der Kreis, den solche Kursentwicklungen ist in der Regel echten Technologiegiganten wie Amazon, Microsoft oder Google vorbehalten.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.