Die Rohstoffmärkte fordern starke Nerven

Der Rohstoffmarkt befindet sich – unterstützt durch eine starke Wirtschaft in China – in einer gesunden Aufwärtsphase. (Foto: Rio Tinto)

Die Rohstoffmärkte sind für ihr hohes Maß an Volatilität bekannt.

Neben allgemeinen Wirtschafts- und Produktionsdaten werden die Preise von geopolitischen Ereignissen, aber auch den Wetterbedingungen und Umweltkatastrophen beeinflusst. In den vergangenen 5 Jahren schwankte der Preis für ein Barrel Öl der Marke Brent zwischen 118 und 28 $. Der Eisenerzpreis gab im laufenden Jahr um bis zu 40% nach, um nach dem Tiefpunkt im Juli wieder bis zu 35% zuzulegen. Die Schwankungsbreite ist enorm.

Dass ein gesunder Rohstoffmarkt dennoch kein Garant für Gewinne am Aktienmarkt ist, lässt sich am Beispiel von AngloGold Ashanti erkennen. Während der Goldpreis auf Jahressicht um rund 10% auf 1.295 $ je Unze stieg, verlor die Aktie des größten Goldminenunternehmens Südafrikas mehr als 20% an Wert. Grund für die weit unterdurchschnittliche Entwicklung ist vor allem das rückläufige Produktivitätsniveau und die damit steigenden Produktionskosten pro Unze. Ich haben auf diese Entwicklung bereits vor längerer Zeit hingewiesen.

Es geht bergauf

Insgesamt befindet sich der Rohstoffmarkt in einer gesunden Aufwärtsphase. Nach einer verhaltenen Entwicklung im 1. Halbjahr, konnten nahezu alle gängigen Industriemetalle seit Juni deutlich zulegen. Der Zinkpreis verteuerte sich in den vergangenen 6 Monaten um 40% auf 3.220 $ pro Tonne, während der Preis für eine Tonne Nickel um 34% auf 11.510 $ anstieg. Auch die Entwicklung des Kupferpreises deutet mit einem Plus von 25% auf 6.890 $ pro Tonne auf einen deutlichen Anstieg der Nachfrage hin. Der Ausblick wird durch weltweit reduzierte Lagerbestände gestützt. Zudem haben die führenden Anbieter ihre Produktion zurückgefahren.

Für 2017 wird daher ein Angebotsdefizit erwartet, der sich nach aktuellen Schätzungen im Jahr 2018 deutlich erhöhen dürfte. Die Geschäfte unseres Branchenfavoriten Norilsk Nickel entwickelten sich in diesem attraktiven Marktumfeld hervorragend. Der Umsatz legte im 1. Halbjahr um 11% auf 4,2 Mrd. $ zu.

Baltic Dry Index auf 3-Jahres-Höchststand

Grund zur Freude gibt auch der Baltic Dry Index, der von dem globalen Marktplatz für Schiffsmakler, Reeder und Charterer veröffentlicht wird. Er gilt als einer der wichtigsten Preisindizes für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern – darunter fallen Kohle, Eisenerz und Getreide – auf Standardrouten und damit als Frühindikator der globalen Wirtschaftsentwicklung. Im Oktober 2017 hat der Baltic Dry Index den höchsten Stand seit mehr als 3 Jahren erreicht. Seit Beginn 2017 legte der Index bereits um 55% auf 1.477 Punkte zu.

Der chinesische Wirtschaftsmotor brummt

Auch auf die chinesische Wirtschaft ist Verlass. Die jüngsten Zahlen der Volksrepublik zeigten erneut ein solides Wachstum des Außenhandels. Die Importe sind im September um 18,7% gewachsen und konnten damit die Prognose von 13% deutlich übertreffen.

Die Eisenerzimporte haben mit 102,8 Mio. Tonnen einen neuen Rekord aufgestellt. Aber auch die Nachfrage nach Kupfer, Nickel, Zink und Öl zog deutlich an. Auch auf der Exportseite sieht es gut aus. Besonders deutlich stiegen die Exporte in die USA mit einem Plus von 13,8%, gefolgt von der EU mit 10,4%. Von dieser Entwicklung wird besonders Rio Tinto profitieren.

Rio Tinto gehört zu den größten Bergbauunternehmen der Welt und erzielt beinahe die Hälfte der Umsätze in China.


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© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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