Die Rückversicherer schlagen sich wacker

Die Rückversicherung bleibt ein attraktives Geschäftsfeld, das den Gesellschaften gute Ertragsmöglichkeiten eröffnet. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Der Rückversicherer Swiss Re blieb trotz außerordentlich hoher Schäden profitabel.

Die Versicherungswirtschaft hat bewiesen, dass sie so hohe Schäden sehr gut bewältigen kann. Die Preisentwicklung ist angesichts der stark steigenden Schadenquote allerdings nicht zufriedenstellend. Dem begegnet der Rückversicherer mit einer konservativen Zeichnungspolitik. Dies erscheint notwendig und begrenzt die Risiken, andererseits aber auch das Prämienwachstum.

Munich Re hat 2017 immerhin noch einen kleinen Gewinn von 392 Mio. € erzielt. Dies entspricht nach den hohen Schäden durch die Wirbelstürme der nach unten angepassten Jahresprognose. Das Ergebnis der Schaden- und Unfall-Rückversicherung sank aufgrund der hohen Schäden auf -476 Mio. €. Die Schaden-Kosten-Quote stieg aus demselben Grund von 95,7 auf 114,1%.

Nachdem das 1. Halbjahr einen sehr moderaten Großschadenverlauf hatte, war das 3. Quartal bei der Hannover Rückversicherung durch ein außerordentlich hohes Schadensaufkommen geprägt. Auf 2018 blickt die Gesellschaft dennoch optimistisch. Für die unterjährigen Vertragserneuerungsrunden sollten aufgrund der gestiegenen Schadenaktivität weitere Preiserhöhungen möglich sein.

Auch Europas größter Versicherer Allianz hat den Naturkatastrophen getrotzt und 2017 die Ergebnisziele erreicht und ihre außerordentliche Kapitalstärke bewahrt. Die Solvency-II-Kapitalquote stieg auf 229% im Vergleich zu 218% zum Jahresende 2016.

Attraktives Geschäftsfeld

Die Rückversicherung ist und bleibt ein attraktives Geschäftsfeld, das den Gesellschaften vielfältige Ertragsmöglichkeiten eröffnet. Obwohl die Versicherungsdichte in den westlichen Industrieländern und in den seit Jahrzehnten weit entwickelten Staaten Asiens bereits hoch ist, ergibt sich selbst in diesen Märkten immer wieder zusätzlicher Absicherungsbedarf, weil etwa die Gefährdung infolge wetterbedingter Naturgefahren mit der Klimaveränderung tendenziell zunimmt.

In den sich wirtschaftlich rapide entwickelnden Regionen besteht unverändert erhebliche Nachfrage nach Versicherungsschutz, um die großen Zentren hochwertiger industrieller Fertigungskapazitäten sowie den wachsenden privaten Wohlstand der Bevölkerung abzusichern.

Hohe Schäden belasten die Versicherungsbranche

Im zurückliegenden Jahr verursachten Natur- und Manmade-Katastrophen gesamtwirtschaftliche Schäden von schätzungsweise 306 Mrd. $.

Damit traf es die Branche deutlich härter als im Vorjahr mit Schäden von 188 Mrd. $. Im Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre beliefen sich die Schäden auf 190 Mrd. $. Die versicherten Schäden erreichten mit geschätzten 136 Mrd. $ den dritthöchsten Wert seit 1970. Im 10-Jahresdurchschnitt waren nur 56 Mrd. $ der Schäden versichert. Der Großteil der Schäden wurde durch Naturkatastrophen verursacht. Nach Berechnungen des weltgrößten Rückversicherers Munich Re haben Naturkatastrophen die Versicherungsbranche 2017 rund 135 Mrd. $ gekostet, mehr als je zuvor.

Am schwersten betroffen waren die USA mit zahlreichen Hurrikanen wie Harvey, Irma und Maria. Hinzu kamen die Hurrikane in der Karibik sowie die Waldbrände in Kalifornien. Die Katastrophen forderten über 11.000 Opfer.

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.