Die Schrumpfkur der deutschen Landesbanken

Der deutsche Leitindex DAX konnte heute leicht zulegen und Richtung 8.200 Punkte klettern. Der Grund: Der militärische Schlag gegen Syrien wurde vorerst verschoben. Noch gibt es also die leise Hoffnung auf eine friedliche Lösung.

An diesem „Abwarte-Tag“ können wir auf einen anderen Krisenherd blicken: Auf die Bankenbranche.

Die im Jahr 2008 ausgebrochene Finanzkrise, die vor allem die Bankenlandschaft erschütterte, zeigt heute, 5 Jahre später, dass sie auch positive Folgen hat.

In den vergangenen Tagen war viel über die deutschen Landesbanken und deren Entwicklung seit Ausbruch der Finanzkrise zu lesen.

Vor allem die beiden größten Landesbanken, die LBBW (Landesbank Baden Württemberg) und die Bayern LB (Bayerische Landesbank), sind auf ihrem Weg zurück in die Normalität entscheidende Schritte vorangekommen.

Landesbanken werden kleiner und profitabler

Die beiden oben genannten größten (noch existierenden) deutschen Landesbanken werden immer kleiner, profitabler und kapitalstärker.

Alle deutschen Landesbanken zusammen waren vor 5 Jahren übrigens größer als die Deutsche Bank und kamen insgesamt auf eine Bilanzsumme von 2 Billionen Euro.

Die Schrumpfkur der LBBW und der Bayern LB ist schon beachtlich weit fortgeschritten. Zusammen haben sie ihre Bilanzsummen bereits um 300 Milliarden Euro verkürzt.

Trotz einer Bilanzverkürzung seit dem Jahr 2008 um gut 140 Milliarden Euro auf nun 307 Milliarden Euro bleibt die LBBW die größte Landesbank. Die Bayern LB verkürzte ihre Bilanz um 160 Milliarden Euro auf zuletzt 266 Milliarden Euro.

Vor allem das zuvor überdimensionierte Kreditersatzgeschäft der LBBW, das diese in die Krise führte, wurde von einst 95 Milliarden Euro auf noch 16 Milliarden Euro zurückgefahren.

Die LBBW konnte ihr Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr von 194 auf 260 Millionen Euro steigern.

Die Bayern LB konnte ihr Vorsteuerergebnis im ersten Halbjahr sogar mehr als verfünffachen. Das aktuelle Ergebnis liegt bei 719 Millionen Euro.

Zu berücksichtigen ist dabei jedoch, dass der Verkauf der Wohnungsgesellschaft GBW, also ein sogenannter Einmaleffekt,  351 Millionen Euro zu diesem Ergebnis beigetragen hat.

Ausblick: Einige Baustellen bleiben bestehen

Bis hierhin hört sich zunächst einmal alles sehr gut an. Es ist jedoch so, dass es zumindest bei der Bayern LB weiterhin einige offene Baustellen gibt.

Dort herrscht trotz der Verfünffachung des Vorsteuerergebnisses im ersten Halbjahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr keine grenzenlose Euphorie. Dafür gibt es 3 Gründe. Der erste Grund ist, dass die Regulierungsvorhaben der EU eine drohende Belastung darstellen.

Der zweite Grund ist eine laufende Klage der ehemaligen österreichischen Tochter Hypo Alpe Adria gegen die Bayern LB in Höhe von 710 Millionen Euro. Den dritten Grund stellen mögliche weitere Belastungen in Osteuropa dar.

Die ungarische Tochter der Bayern LB brauchte schon im ersten Halbjahr 2013 abermals eine höhere Risikovorsorge.

Die LBBW konnte bei den aktuellen Halbjahreszahlen zwar nicht ganz so glänzen wie die Bayern LB, dafür fällt dort der Ausblick positiver aus, weil keine größeren Baustellen mehr vorhanden sind.

Beim Thema Landesbanken darf in Deutschland ein Name nicht fehlen: Die WestLB. Über dieses Trauerspiel der deutschen Bankengeschichte habe ich hier im Schlussgong zuletzt am 2. Juli berichtet. Zur Erinnerung die wichtigsten Aussagen von damals:

WestLB: Das Trauerspiel geht weiter

Jetzt wird es für die Politiker richtig peinlich: Im Wahlkampf wird darüber geschimpft, dass renditegeile Geschäftsbanken ihr Geld in internationalen Steueroasen anlegen, aber gleichzeitig wird aufgedeckt, dass auch die staatlich kontrollierten Landesbanken die Steueroasen auf den Caymans, den Bermudas und Jersey eifrig genutzt haben.

Die WestLB, die noch vor wenigen Jahren ein ganz großes Rad am Kapitalmarkt drehen wollte, steht mal wieder ganz oben auf der Liste der Sünder. Und das war kein kleiner Fehltritt eines einzelnen Bankers.

Laut Handelsblatt besitzt die WestLB bereits seit 1975 (!) Briefkastenfirmen in den internationalen Steueroasen.

Die NRW-Finanzminister und andere Landespolitiker saßen in den vergangenen Jahrzehnten im Aufsichtsrat und sogar im Präsidialausschuss.

Das bedeutet: Entweder hatten die Politiker keine Ahnung, was in der Bank vorgeht, oder aber sie haben das Spiel einfach mitgespielt und dafür schöne Aufwandsentschädigungen und andere lukrative Posten erhalten.

Beide Varianten sind recht peinlich für die betroffenen Landespolitiker.

Es wird teuer für die Steuerzahler

Laut NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans wird die Abwicklung der ehemaligen WestLB den Steuerzahler am Ende rund 18 Milliarden Euro kosten. Die echten Kosten dürften deutlich höher liegen.

Wenn Sie dann noch berücksichtigen, dass sich die faktisch staatlichen Landesbanken extrem günstig refinanzieren konnten (wesentlich günstiger als die privat geführten Banken), erkennen Sie, wie katastrophal die Leistung dieser Bank war.

Und die WestLB ist auch kein negativer Ausrutscher. Nur ganz wenige Landesbanken haben solide gewirtschaftet. Die meisten anderen haben am Kapitalmarkt gezockt wie die Weltmeister.

Bayern hat mehrere Milliarden in Osteuropa verzockt. Im Norden der Republik glaubten einige Landesbanker, dass es eine clevere Idee sei, jedes halbwegs brauchbare Schiff zu finanzieren.

Fazit: Die WestLB ist vom Markt verschwunden, die anderen Landesbanken schrumpfen. Der für uns Steuerzahler so unglaublich teure Größenwahn der Landespolitiker und der Landesbank-Vorstände wurde gestoppt. Das ist die positive Folge der Bankenkrise.

29. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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