Die Schuldenuhr tickt: Warum Schulden das Wachstum bremsen

Liebe Leser,

ganz aktuell entscheidet Portugal über ein neues Sparpaket. Mittlerweile sieht es aber so aus, als ob weitere Sparmaßnahmen dort nicht mehr umsetzbar sind – es fehlt der Regierung von Ministerpräsident Jose Socrates einfach die parlamentarische Mehrheit.

So viel ist jetzt schon klar: die aktuelle Regierung steht auf der Kippe. Sollte es kein neues Sparprogramm geben, bleibt Portugal eigentlich nur noch ein Ausweg: der EU-Rettungsschirm.

Rettungsschirm wird ausgeweitet

Erst vor knapp zwei Wochen haben sich die EU-Regierungschefs auf eine Ausweitung des zeitlich begrenzten Rettungsschirms geeinigt. Portugal könnte nun als erstes Land in diesem Jahr Hilfen beantragen.

Nun sind hohe Schulden nicht nur in Europa ein Problem. Eigentlich kämpfen alle großen Wirtschaftsnationen mit kräftig steigenden Schulden. Das ist ganz klar eine Folge der globalen Finanzkrise. Laut einer aktuellen Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) betragen die durchschnittlichen Fiskaldefizite der großen Wirtschaftsnationen in diesem Jahr rund 7% des Bruttoinlandsprodukts.

Nur zur Erinnerung: Auf EU-Ebene liegt die Obergrenze des Stabilitätspakts bei 3%. Diesen Wert erreicht in diesem Jahr wohl kaum ein EU-Land. Aber auch in den USA sind die Staatsfinanzen völlig aus dem Ruder gelaufen. Ende 2010 lag die Staatsverschuldung der USA mehr als 14 Billionen Dollar. In den vergangenen fünf Jahren hat es hier einen enormen Anstieg um 72% gegeben.

Und der Trend deutet weiter nach oben. Laut IWF wird der Schuldendienst in den nächsten Jahren stark wachsen. Sollte sich die aktuelle Entwicklung fortsetzen, so werden bis zum Jahr 2014 die Kosten für den Schuldendienst weitere 1,5 Prozentpunkte in Relation zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt wachsen.

Schuldenberg bremst Wirtschaftswachstum

Damit hätten die wachsenden Schulden einen direkten Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung. Laut IWF würde das Wirtschaftswachstum allein durch die steigenden Schulden um 0,15 Prozentpunkte pro Jahr gebremst.

Da der Aufschwung nach der Finanzkrise aber immer noch von dem extrem niedrigen Zinsniveau gestützt wird, könnten weiter steigende Schulden den Aufschwung direkt wieder ausbremsen. Ein Beispiel für extrem hohe Schulden ist Japan.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt schiebt schon einen Schuldenberg vor sich her, der schon 200% der Wirtschaftsleistung entspricht. Hier legen die EU-Kriterien eine Obergrenze von 70% fest. Daran sehen Sie, wie stark die Dinge in Japan schon aus dem Ruder gelaufen sind.

Und nun steht das Land vor einem gigantischen Kapitalbedarf nach den massiven Naturkatastrophen. Laut erster Schätzungen benötigt das Land bis zu 220 Mrd. Euro für den Wiederaufbau. Aktuell ist aber noch nicht klar, wo dieses Kapital herkommen soll.

Bisher hat Japan es immer noch geschafft, sich trotz der niedrigen Renditen zu refinanzieren. Doch diese Zeiten könnten nun vorbei sein. Ein ganz entscheidender Faktor spielt hierbei die Demographie des Landes. Japan hat eine rasch alternde Bevölkerung. So liegt schon heute der Anteil der über 65-jährigen bei rund 25%. Das ist im Vergleich zu den anderen entwickelten Industriestaaten ein Rekordwert. Aber diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Laut einer Studie der Vereinten Nationen wird im Jahr 2030 rund ein Drittel der Bevölkerung älter als 65 Jahre alt sein.

Sinkende Sparquote in Japan

Um aber den Lebensstandard im Alter halten zu können, haben schon heute die Japaner die Sparquote drastisch zurückgefahren. Noch in den 1990er Jahren – zu Beginn der langjährigen Krise – lag die Sparquote noch bei 12 bis 14%. Davon ist nicht mehr viel übrig.

Nach Zahlen des japanischen Finanzministeriums sackte die Sparquote schon 2008 auf unter 2% ab. Aktuell könnte sie schon die Nulllinie erreicht haben. Und das bezieht sich auf die Zahlen vor den aktuellen Naturkatastrophen.

Insofern wird es für die japanische Regierung immer schwieriger, ihre Anleihen zu verkaufen. Bislang blieben aber 90% der Anleihen im eigenen Land. Ausländer hatten japanische Anleihen schon länger nur als Beimischung im Depot.

Kein Wunder bei einer Rendite von etwas als einem Prozent bei einer zehnjährigen Anleihe und einem Schuldenberg von 200% des Bruttoinlandsprodukts. Ein Ausweg aus dem japanischen Dilemma ist nicht erkennbar.

Und Japan ist nur ein Beispiel für stetig steigende Schulden. Hier könnte sich die nächste Krise ergeben – auch für den Euro, wenn Portugal nun unter den EU-Rettungsschirm flüchten muss.

Bis morgen,

Heiko Böhmer

Chefredakteur „Privatfinanz-Letter“


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23. März 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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