Die Schweizer Konjunktur bleibt auf Erholungskurs

Die Konjunkturlage der Schweiz steht weiter im Zeichen der Erholung.

Obwohl die Weltkonjunktur mit verhaltenen Wirtschaftsdaten zum 4. Quartal 2015 keine Wachstumsimpulse lieferte, lag das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schweiz um 0,4% über dem Wert des Vorquartals. Damit erzielte das Land das höchste Wirtschaftswachstum seit Aufhebung der Eurokursuntergrenze im Januar 2015.

Wachstumstreiber war vor allem die Industrie. Das stärkste Wachstum lieferten der Pharma- und Chemiesektor. Negativ entwickelten sich der Handel und das Gastgewerbe. Im Euroraum fiel die Konjunkturerholung mit einem BIP-Wachstum von 0,3% im Schlussquartal etwas schwächer aus.

Während Deutschland einen Zuwachs von 0,3% verzeichnete, lag Österreich darunter. Bei der Arbeitslosenquote setzt die Schweiz mit 3,4% Maßstäbe. Im Euroraum betrug die Arbeitslosenquote 10,3%. Auf Jahressicht ist die Wirtschaft der Schweiz um 0,9% gewachsen.

Dabei wurde die Konjunktur durch die starke Aufwertung des Schweizer Franken zu Beginn des Jahres 2015 hart getroffen. Die allseits erwartete Rezession blieb jedoch aus, was einmal mehr als Zeichen der Stärke und Resistenz der Schweizer Wirtschaft gesehen werden kann.

Wirtschaftsforscher rechnen mit einer Wachstumsbeschleunigung

Die Expertengruppe des Bundes rechnet mit einer weiteren Verbesserung der Wirtschaftslage sowohl im laufenden als auch im kommenden Jahr. Von der zuletzt stockenden Weltkonjunktur werden dabei keine nennenswerten Wachstumsimpulse erwartet. Nach aktuellen Schätzungen dürfte sich das BIP-Wachstum im Jahr 2016 auf 1,4% beschleunigen, was minimal unter der letzten Prognose vom Dezember 2015 in Höhe von 1,5% liegt. Für das Jahr 2017 wird eine Wachstumsrate von 1,8% erwartet.

Von einer schnelleren Wachstumsbelebung sei angesichts der mäßigen weltwirtschaftlichen Wachstumsdynamik derzeit nicht auszugehen. Die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich prognostiziert dagegen ein Wirtschaftswachstum von 1% im Jahr 2016. Im Jahr 2017 wird eine deutlich beschleunigte Wachstumsrate von 2% erwartet.

Mit Blick auf das laufende Jahr hat sich die KOF aufgrund der verhaltenen internationalen Konjunkturlage vorsichtiger positioniert. Zudem könnten sich die durch die Frankenaufwertung erfolgten Strukturveränderungen mit Rationalisierungen, Verlagerungen von Arbeitsplätzen ins Ausland sowie Stilllegungen von Produktionsstandorten bemerkbar machen. Im nächsten Jahr dürfte die Frankenaufwertung dann weitgehend verdaut worden sein.

Die Konjunkturbarometer stützen den positiven Trend

Positive Signale für die Wirtschaft gingen zuletzt auch vom Einkaufsmanagerindex (PMI) und vom KOF-Konjunkturbarometer aus, die sich im Februar 2016 jeweils verbesserten. Im März war das KOF-Konjunkturbarometer gegenüber dem Februar nahezu unverändert, was nach Meinung der Forschungsstelle „auf eine weiterhin positive Entwicklung der Schweizer Konjunktur in den nächsten Monaten“ hinweist.

Positive Signale kamen insbesondere vom privaten Konsum, während die Indikatoren für das verarbeitende Gewerbe sowie den Exportbereich negativ ausfielen. Nach Meinung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) dürften der private Konsum und der Staatskonsum das Wachstum auch in den kommenden Quartalen stützen, was unter anderem dem Kaufkraftgewinn infolge von Preissenkungen sowie dem Bevölkerungswachstum zu verdanken ist.

Der Schweizer Aktienmarkt gewinnt an Attraktivität

Während die Wirtschaft in der Schweiz den „Frankenschock“ weitgehend verdaut hat und langsam aber sicher zu alter Stärke zurückfindet, sind die im SPI-Index zusammengefassten Aktien insgesamt niedriger als vor 5 Monaten bewertet. Mit einem Indexstand von rund 8.600 SFr liegt das aggregierte Kursniveau der Schweizer Aktien unter dem Wert von rund 8.900 SFr per Ende 2015.

Zur gleichen Zeit konnten viele Unternehmen ihre Gewinne steigern. Damit zeigt sich eine gegensätzliche Entwicklung von Aktienkursen und Unternehmensgewinnen, was in Anbetracht der positiven Konjunkturprognosen unberechtigt erscheint. Mit sinkenden Kurs-Gewinn- Verhältnissen (KGV) und einem positiven Gewinnausblick haben sich die Einstiegschancen verbessert.

Aus unserer Favoritenliste vom Dezember stechen Interroll, Tecan und Titlis-Bahnen mit einem hohen Gewinnwachstum hervor. Titlis-Bahnen steigerte seinen Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr um 27%, während Tecan ein Gewinnplus von 42% erzielte.

Spitzenreiter war Interroll mit einem Gewinnwachstum von 53%. Interroll-Aktien haben sich seit unserer letzten Ausgabe um 11% verteuert, während Aktien von Tecan und Titlis-Bahnen niedriger als im Dezember notieren. Damit ist die Schere zwischen Kursentwicklung und Gewinnwachstum auch bei unseren Favoriten auseinander geklafft.

Zykliker und Aktien für die Ewigkeit

Konjunktursensitive Werte mit einer hohen Zyklik dürften auf kurze Sicht besonders von dem wirtschaftlichen Aufschwung profitieren. Viele Werte waren im vergangenen Jahr unter Druck geraten und sind nun günstig bewertet. Bedacht werden muss jedoch die regionale Umsatzaufteilung. So gehört U-Blox als Anbieter von Halbleiterbausteinen zwar zu den Zyklikern, erzielt jedoch einen Großteil des Konzernumsatzes im Ausland und ist somit nicht primär vom Heimatmarkt abhängig.

Für langfristig orientierte Investoren bietet der Schweizer Aktienmarkt auch eine Reihe konjunkturresistenter Unternehmen, die Stabilität in das Depot bringen und auch in schlechten Zeiten überzeugen.

Dazu gehört das Unternehmen Ypsomed als Innovations- und Technologieführer im Bereich Selbstmedikation. Im Jahre 2003 aus der Disetronic hervorgegangen, bietet das Unternehmen unter anderem Insulinpumpen und Injektionssysteme zur Behandlung von Diabetes, Wachstumsstörungen, Unfruchtbarkeit und anderen therapeutischen Bereichen an.

In der Schweiz ist „Stock-Picking“ geboten

Gegen den Schweizer Aktienmarkt wird häufig das Argument entgegen gebracht, dass die Bewertung der Aktien gemessen am KGV vergleichsweise hoch ist. Wenngleich das KGV von Aktien aufgrund verschiedener Einflussfaktoren wie das Wachstumspotenzial, das Risiko oder die Qualität des Managements letztlich nicht vergleichbar ist, so kann doch mit Sicherheit gesagt werden, dass die Erwartungshaltung mit steigendem KGV zunimmt. Idealerweise sind die Gewinnperspektiven noch nicht genügend im Kurs eingepreist.

Während die Kursentwicklung bei einem konstanten KGV mit dem Gewinnwachstum Schritt hält, bietet ein steigendes KGV die Möglichkeit einer im Vergleich zur Gewinnentwicklung überdurchschnittlichen Kursentwicklung. „Die Aktien-Analyse“ ist das ideale Werkzeug, um vielversprechende Aktien ausfindig zu machen. Achten Sie neben dem geringen KGV auf einen guten Gewinnausblick, gepaart mit einem guten Rating und einer hohen Sicherheit. Nur so können Sie die Spreu vom Weizen trennen.

Ein Wert, der bei allen Parametern gut abschneidet, ist Bossard.

24. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Volker Gelfarth. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt