Die Sektoren haben Potential

Haben die deutschen Autobauer das Nachsehen? – Diese Frage haben wir uns gestern im Newsletter gestellt.

Der Hintergrund: Trump hatte angekündigt auf Importe hohe Einfuhrzölle zu erheben, damit die einheimischen Produkte bei den Konsumenten bevorzugt werden.

Schließlich wären diese dann im Vergleich zu den Importwaren deutlich günstiger.

DAX versus Autobauer

Die US-Indizes schnellen seit 100 Tagen nach oben. Der DAX konnte im Vergleichs-Zeitraum lediglich im Dezember ordentlich an Boden gutmachen.

Seit Jahresbeginn stolpert er langsam höher. Allerdings hängen ihn die Märkte in den USA ab. So ist zumindest das Credo und die Charts bestätigen dies scheinbar.

Genauer hingeschaut – speziell bei den Autobauern im DAX – sieht das Bild ganz unterschiedlich aus.

Ist die Drohung von Trump also nun ein reelles Signal für die Börse oder nicht?

Die Daimler AG konnte in den vergangenen 3 Monaten 3,6 % zulegen. Im Vergleich dazu steigerte sich der DAX in den vergangenen 100 Tagen um 13 %.

Daimler ist also von den Aussagen den US-Präsidenten betroffen.

BMW steht ähnlich da. Immerhin konnten die Münchner ihren Aktienkurs in den vergangenen 3 Monaten um knapp 5% steigern.

Gegenüber den 13% vom DAX ist das jedoch kaum beeindruckend – ein klarer Fall von Trump, der die Kurse von BMW am schnellen Aufstieg hindert!

Was macht VW? Die Abgas-Affäre dank den USA noch in den Knochen; da kann es doch kaum gute Zahlen geben – von wegen!

Fast 20% Gewinn zeigen die Kurse der Wolfsburger in den letzten 3 Monaten; man hat den DAX um rund 50% geschlagen! – Wo ist der Trump-Faktor hier?

Der Abgas-Skandal ist also offenbar Geschichte.

Und während General Motors bei den Neuwagen-Verkäufen um 3,9% einbricht, legt VW im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum um 17,1% zu. Wie verrückt ist das denn?!

Die Autobauer dürften aus Aktionärssicht also kaum von Trumps Aussagen betroffen sein. Denn die möglichen Strafzölle sind sicherlich schon eingepreist.

Und trotzdem ist Volkswagen extrem stark: In den letzten 12 Monaten stieg die Aktie um 37%; die von Daimler dagegen nur um 6,7% und die von BMW um 15,17%.

Die Sektoren im S&P 500 seit der Präsidentschaftswahl

Schauen wir uns jetzt noch dazu die unterschiedlichen Sektoren im S&P 500 dazu an. Seit der US-Wahl hat der Finanzsektor mit 22,3% am meisten zulegen können.

Mit einigem Abstand folgen:

  • Industrie (12,5%),
  • Rohstoffe (10,8%),
  • Technologie (10,2%)
  • und zyklische Konsumgüter (10,1%).

Zur Erinnerung: Der S&P 500 ist in den vergangenen 100 Tagen um 11,2% gestiegen.

Am schlimmsten hat es die Versorger getroffen: Dort ist ein winziges Plus von 0,6% zu verzeichnen.

Auch der Energie-Sektor kann gerade einmal 2,5% Zuwachs aufweisen. Nichtzyklische Konsumgüter (3,4%) und Immobilien (3,6%) folgen dahinter.

Die beste Offensive ist eine starke Defensive. So klappt das zumindest meist im Sport. Beim S&P 500 dagegen sind die defensiven Branchen ins Hintertreffen geraten.

Und hier fällt der Trump-Faktor bei einem Kandidaten völlig raus: Der Energie-Sektor bewegt sich, als gäbe es keinen Donald.

Denn gerade hier hätten wir eigentlich ein großes Ausmaß an Bewegung erleben müssen.

Immerhin will Trump die Kohlekraftwerke wieder aufsperren; dazu weniger Klimaschutz und eben generell volle Kraft voraus – koste es, was es wolle.

Doch die Börse hält sich nicht daran – im Gegenteil: Der Energie-Sektor wird demnach eher gemieden.

Fazit

Denn wer die bisherige Party an der Börse seit der US-Wahl nicht mitmachen, wird wohl auch in naher Zukunft nicht zu den großen Gewinnern zählen.

Allen Unkenrufen zum Trotz zeigt Energie gerade jetzt eine hohe relative Stärke und könnte dementsprechend das Aufhol-Potential nutzen.

21. Februar 2017

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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