Die steuerliche Behandlung von Spin-Offs – Teil 2

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Schlussgong-Serie: Die besten Steuertipps für Kapitalanleger. Teil 7: Steuerliche Behandlung von Spin-Offs – Teil 2. (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

Gestern erhielten Sie hier im „Schlussgong“ aktuelle Informationen zur steuerlichen Behandlung von Spin-Offs. Heute – im zweiten Teil – werden Sie erfahren, wie Abspaltungen ausländischer Unternehmen steuerlich behandelt werden. Zudem finden Sie in dem folgenden Text noch einige Ergänzungen zur letzten Ausgabe.

Das in der gestrigen Ausgabe beschriebene Verfahren der Aufteilung der Anschaffungskosten wird auch als „Fußstapfen-Theorie“ bezeichnet. Die Fußstapfen-Theorie führt dazu, dass die Osram-Papiere wie Siemens-Aktien behandelt werden.

Siemens-Aktionäre, die ihre Papiere vor 2009 erworben haben, können somit auch ihre Osram-Aktien steuerfrei veräußern. Denn für die Spin-Off-Aktien (in dem Fall die Osram-Aktien) gilt noch die bis Ende 2008 gültige einjährige Spekulationsfrist.

Schwierigkeiten bei ausländischen Spin-Offs

Bisher stufte der Bundesfinanzhof neu zugeteilte Aktien ausländischer Spin-Offs als steuerpflichtige Sachdividende ein. Demnach mussten Sie als Anleger den Ertrag wie eine normale Dividende versteuern.

Hinzu kam, dass oft noch ausländische Quellensteuer anfiel und somit faktisch zunächst einmal eine Doppelbesteuerung stattfand. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Durch das neue Recht sollen zukünftig in- und ausländische Spin-Offs gleich behandelt werden.

Nun gilt auch für die in Ihr Depot gebuchten Aktien ausländischer Spin-Offs die sogenannte Fußstapfen-Theorie. Diese soll erstmals auf Abspaltungen, die nach dem 31. Dezember 2012 zur Eintragung in ein entsprechendes Register angemeldet wurden, angewendet werden.

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Schwierigkeiten für betroffene Anleger und ihre Depotbanken ergeben sich daraus, dass das Gesetz rückwirkend angewendet wird. Denn diese müssen in Erfahrung bringen, zu welchem Termin der Spin-Off in das entsprechende Register eingetragen wurde.

Bisher leider keine klaren Handlungsanweisungen

Anleger, deren Spin-Off-Aktien seit 2013 eingetragen wurden, können sich also (zumindest theoretisch) freuen. Theoretisch deshalb, weil es in der Praxis noch einige Schwierigkeiten gibt. Denn bisher gibt es keine klaren Handlungsanweisungen und die aktuell gültigen Schreiben des Bundesministeriums für Finanzen (BMF) enthalten zum Teil sogar widersprüchliche Aussagen.

Daher sehen sich die Banken und der Dienstleister WM-Datenservice, der die Wertpapiere für die Banken steuerlich entschlüsselt, derzeit nicht in der Lage, ausländische Kapitalmaßnahmen in der kurzen Zeit von der Ankündigung bis zur Umsetzung eines Spin-Off richtig einschätzen zu können.

Die Finanzbranche verhandelt zur Zeit mit dem Bundesfinanzministerium über praktikable Faustregeln. In einem Schreiben des BMF heißt es: Ohne griffige Abgrenzungskriterien sind „unsere Institute nicht in der Lage, zwischen einer künftig steuerneutral nach Fußstapfen-Theorie zu behandelnden Abspaltung und einer weiterhin als Kapitalertrag abzuwickelnden Sachausschüttung zu unterscheiden“.

Ergebnis: Kapitalertragsteuer wird vorerst abgezogen

Im Ergebnis bedeutet dies, dass die Banken auf Nummer sicher gehen und die Kapitalertragsteuer vorerst abziehen. Der Grund dafür ist, dass der Fiskus regelmäßig überprüft, ob die Banken Abgeltungsteuer in korrekter Höhe einbehalten und diese bei Fehlern dafür finanziell haften müssen.

Ausblick: Am Freitag finden Sie im letzten Teil der großen Steuer-Serie hier im “Schlussgong” eine kompakte und übersichtliche Zusammenfassung aller bislang abgehandelten Themen.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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