Die Trends deutscher Aktien einmal anders betrachtet

Den MACD können Sie auch auf etwas andere Weise nutzen, als vorgesehen: Beispielsweise, um Trends einzuschätzen. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Der MACD ist ein recht gebräuchlicher Indikator der Technischen Analyse.

Ich hatte damit allerdings stets so meine Interpretations-Schwierigkeiten. Bis ich vor vielen Jahren eine andere Möglichkeit seiner Nutzung erkannte.

Seither liefert mir die Anwendung des MACD aufschlussreiche Erkenntnisse über die kurz-, mittel- und langfristigen Trends der Märkte – insbesondere der deutschen Aktien.

Wie das ausschaut und was die aktuellen Trends über die Perspektiven des deutschen Leitindex aussagen, werden Sie gleich erfahren.

Was steckt hinter dem MACD?

Falls Sie mit der Funktionsweise des MACD noch nicht vertraut sind, hier ein kurzer Einstieg (andernfalls können Sie die folgenden beiden Abschnitte auch überspringen):

Gerald Appel entwickelte den MACD schon in den 1960er-Jahren. Doch populär wurde der Indikator erst in den späten 1970ern. Hinter der Abkürzung versteckt sich die Bezeichnung Moving Average Convergence Divergence.

Die Bezeichnung Moving Average steht für Gleitende Durchschnitte. Das ist nichts anderes als die wohl eher geläufigen Tagelinien. Das Wort „Gleitend“ sagt aus, dass mit jedem neuen Schlusskurs dieser in die Durchschnitts-Berechnung einbezogen wird und dafür der erste im Berechnungszeitraum herausfällt.

Convergence (englisch: konvergieren = sich aufeinander zu bewegen, zusammenlaufen) bedeutet Konvergenz. Divergence ist das Gegenteil, nämlich Divergenz (englisch: divergieren = sich voneinander weg bewegen, auseinander laufen).

Kurz gesagt dreht es sich beim MACD also um das Zusammen- oder Auseinanderlaufen Gleitender Durchschnitte.

So funktioniert der MACD

Ich spare mir hier die etwas komplexe Vorstellung der Berechnungsweise. Wichtig für Sie ist allein:

Der MACD besteht eigentlich aus 2 Linien: Der MACD-Kurve und einer sogenannten Trigger-Linie. Letztere dient schlichtweg dem Zweck, Kauf- bzw. Verkaufssignale zu erzeugen.

Laufen Kurs und MACD synchron, beispielsweise nach oben, ist der Aufwärtstrend intakt. Andernfalls haben wir es mit einem Abwärtstrend zu tun. Die Überkreuzung des MACD mit der Trigger-Linie generiert dann jeweils den Startpunkt für den Auf- oder Abwärtsmodus.

MACD: Entweder im Kauf- oder im Verkaufsmodus

In der Konsequenz bedeutet das: Der MACD zeigt Ihnen permanent entweder ein Kauf- oder ein Verkaufssignal für den betrachteten Markt an.

Und exakt diese Eigenschaft habe ich mir für die von mir entwickelte Betrachtungsweise zunutze gemacht. Ich nenne es die MACD-Kaufsignale.

DAX: EZB, Trump...und ein Blick in die Zukunft!+300, dann -600! Was kommt jetzt? Auf was Sie achten müssen und wohin das führen kann, das verrrät Ihnen Michael Sturm! › mehr lesen

MACD einmal anders

Meine Datenbank ermittelt dafür börsentäglich die Zahl der deutschen Aktien, die sich in einem MACD-Kaufsignal bewegen. Anschließend wird das Resultat ins Verhältnis zur Gesamtzahl der betrachteten Aktien gesetzt.

Diese prozentualen Ergebnisse werden auf den 3 Zeitebenen Monat, Woche und Tag berechnet. Anders gesagt: Daraus lassen sich Rückschlüsse auf den lang-, mittel- und kurzfristigen Trend des deutschen Aktienmarktes ziehen.

Schauen wir uns das einmal gemeinsam in der folgenden Grafik an:

MACD-Kaufsignale: Langfristiger Trend für deutsche Aktien soeben gekippt

Deutsche Aktien schwächeln in allen 3 Trend-Bereichen

Sie sehen es: Rot überwiegt in dieser Grafik. Was indes noch übler ist:

Auf Monatsbasis ist der Prozentsatz an Kaufsignalen in der vergangenen Handelswoche erstmals seit langer Zeit unter die 50%-Marke abgerutscht. Der deutsche Aktienmarkt befindet sich also nunmehr in einem langfristigen Abwärtstrend.

Wie nicht anders zu erwarten, muss sich eine solche Entwicklung im Langfristtrend auch in den kleineren Zeiträumen niederschlagen:

Mittelfristig befinden sich nur noch 18,8% der analysierten deutschen Dividendentitel in einem Kaufsignal. Auf kurzfristiger Ebene sind es zwar etwas mehr Kaufsignale, aber auch hier liegt der Prozentsatz klar unter der 50%-Marke.

Fazit

Dass es um die deutschen Aktien derzeit nicht sonderlich gut bestellt ist, können Sie auch am DAX-Verlauf ablesen. Aber der zeigt Ihnen eben auch nur die 30 Aktien mit der höchsten Marktkapitalisierung.

Was Ihnen die Betrachtung des Leitindex eben nicht verrät, ist die Konstitution des gesamten deutschen Aktienmarktes auf mittlere und längere Sicht. Und hier gibt es leider nicht wirklich Positives zu berichten:

Soeben ist der langfristige Trend für deutsche Aktien gekippt. Zwar könnte sich dies noch kurzfristig wieder drehen, wenn für die heimischen Dividendentitel jetzt urplötzlich und vehement wieder eine „Kaufwut“ ausbräche.

Die Chancen dafür – und da werden Sie mir vermutlich zustimmen – sind indes eher gering. Morgen schauen wir uns mal wieder die aktuelle Charttechnik des DAX an.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.