Die unschlagbaren Vorteile des systematischen Aktienhandels

Die wichtigsten Stellschrauben für Ihren Börsenerfolg: Trefferquote, Risiko und Gewinnziel (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Wenn die Flut wie in den vergangenen 18 Monaten alle Boote hebt, glauben immer mehr Anleger, dass es sehr einfach sei an der Börse Geld zu verdienen. Aus Erfahrung sage ich Ihnen: Geld verdienen an der Börse ist bei Weitem nicht immer so leicht wie in den letzten anderthalb Jahren.

Sobald die unvermeidliche Ebbe kommt, so schmelzen die Gewinne der meisten Anleger wie Eis in der Sonne, das ist sicher. Mit systematischem Trading kennen Sie Ihre Wahrscheinlichkeiten und können daher in kritischen Situationen Ihre Emotionen und damit Fehler ausschalten. Das könnte auch für Sie von unschätzbarem Wert sein. Denn durch die Ermittlung von Wahrscheinlichkeiten und ein optimales Money Management können Sie Kursbewegungen gezielter ausnutzen:

Ein systematischer Trader geht mit vorab festgelegten Stoppkursen und Gewinnzielen immer wieder ein genau definiertes Risiko ein – und zwar nur bei den vorausgesetzten passenden Rahmenbedingungen. Dabei setzt er darauf, dass ein erwartetes Szenario so oft eintritt, dass er in Summe Gewinne erzielt. Profitable Handelsansätze haben stets einen statistisch positiven Erwartungswert, d.h. bei der Betrachtung einer ausreichend großen Anzahl Trades steht unter dem Strich immer ein Gewinn – unabhängig vom Börsenzyklus.

Die Steuerungsgrößen Risiko R und Gewinnziel

Das Risiko (R) bemisst sich durch das Verhältnis des pro Trade riskierten Betrags zum Gesamtdepotwert sprich den Betrag den Sie verlieren, wenn Sie ausgestoppt werden. Die allermeisten Handelssysteme liegen zwischen 0,5R und 5R, es wird also pro Trade zwischen 0,5 % und 5 % des Gesamtkapitals riskiert. Je kurzfristiger gehandelt wird oder je höher die Kursschwankungen (Volatilität), desto kleiner sollte das Risiko gewählt werden.

Und auch die Trefferquote spielt eine Rolle, doch dazu später mehr. Bei meinem Aktien-Timing-System beispielsweise entspricht R ungefähr 1 % (10 % Depotanteil pro Trade jeweils mit 10 % Stopp). Je höher R desto höher sind die Depotschwankungen in beide Richtungen. Die Gewinnerwartung wird immer im Verhältnis zum Einsatz gemessen also z.B. 2 R = 2 % (10 % Depotanteil jeweils mit 20% Gewinnlimit) vom Gesamtkapital. Um eine Aussage zur Profitabilität zu treffen wird nur noch die Trefferquote benötigt.

Die Auswirkung Ihrer Trefferquote auf Ihr Gewinnziel

Wenn Sie eine statistisch ausreichend hohe Anzahl von vergleichbaren Trades betrachten, dann können Sie Ihre Trefferquote ermitteln. Diese wird je nach Börsenphase natürlich auch schwanken, aber dennoch um einen bestimmten Mittelwert pendeln. Seit Anfang 2017 gab es beim Aktien-Timing-System beispielsweise 40 Gewinne, während 20 Aktien mit -10% ausgestoppt wurden. Die Trefferquote beträgt also 67 %.

Nun lässt sich die Gewinnerwartung pro Trade ermitteln. Die Rechnung lautet: 0,67 * 2R – 0,33 * 1R = 1,01 R. Es errechnet sich also eine positive Gewinnerwartung von 1,01 R. Das bedeutet, dass pro riskiertem Euro ein (zusätzlicher) Gewinn von 1,01 Euro erzielt wird. Wiederanlage-Effekte werden dabei nicht berücksichtigt. Natürlich können Sie auch berechnen, ab welcher Trefferquote X Sie profitabel sind, hier lautet die Rechnung:  0R = X * 2R – (1-X) * R.  Löst man diese Gleichung nach X auf, so erhält man das Ergebnis X = 1/3 = 0,33.

In dem Beispiel Aktien-Timing-System ist die Gewinnschwelle also eine Trefferquote ab 33 %. Ohne Berücksichtigung von Handelsgebühren und Steuern sind Sie also profitabel, wenn mehr als jeder dritte Trade ein Treffer ist. Je höher Ihr Gewinnziel im Verhältnis zum Risiko, desto geringer darf also Ihre Trefferquote sein. Auf der anderen Seite gilt auch: Je höher Ihre Trefferquote, desto größer kann natürlich auch Ihr Risiko pro Trade gewählt werden, ohne dass Sie Gefahr laufen Ihr eingesetztes Kapital in Korrekturphasen zu sehr zu dezimieren.

Die unschlagbaren Vorteile eines Trading-Systems

Was ein erstklassiges Trading-System gegenüber klassischem Investieren auszeichnet ist vor allem die hohe Flexibilität. Sie riskieren Ihren per Stopp begrenzten Einsatz nur dann, wenn alle Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für einen Trade erfüllt sind, ansonsten setzen Sie einfach aus. Rasselt die Börse nach unten, so sollte es im Optimalfall kaum Kaufsignale geben, so dass Sie keine unnötigen Risiken eingehen.

Ihr Kapital arbeitet mit einem System insgesamt viel effektiver für Sie. Auch ewige Aussitzen von Verlusten gehört mit systematischem Aktienhandel Vergangenheit an. Falls Sie nicht schon systematisch handeln, könnte es sich für Sie also lohnen darüber nachzudenken.


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Von: Maximilian Ritter. Über den Autor

Schon seit seiner Jugend interessiert sich Maximilian Ritter für das Börsengeschehen. In seinem Dienst "Aktien-Timing-System" setzt er auf eine verfeinerte CANSLIM-Methode, mit der sich eine 30%ige Rendite im Jahr erwirtschaften lässt.