Die Unsicherheit spielt den Konglomeraten in die Karten

Aufgrund ihrer breiten Marktstellung können die Konglomerate in Zeiten der Unsicherheit an den Finanzmärkten punkten. (Foto: Lester Balajadia / shutterstock.com)

Auf den Finanzmärkten herrscht derzeit große Unsicherheit.

Die Krisenherde im Nahen Osten und der plötzliche Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran haben die Anleger verunsichert. Die Zentralbanken halten das Zinsniveau künstlich auf einem Rekordtief und überfluten damit die Märkte mit billigem Geld. Das schlägt sich immens in der Realwirtschaft nieder. Für angeschlagene Unternehmen stellt die gesamtwirtschaftliche Situation eine zusätzliche Belastung dar.

Allerdings gibt es auch klare Gewinner. Vor allem die Konglomerate können jetzt mit ihrer breiten Marktstellung punkten. Die hohen Bilanzsummen treffen auf niedrige Zinsen und verschaffen so Fremdkapital zum Nulltarif. So können gewagtere Investitionen getroffen, aggressive Expansionskurse gefahren oder ganze Unternehmen übernommen werden.

Buffett übertrifft sie alle

Klarer Profiteur der niedrigen Zinsen ist das Beteiligungsunternehmen von Warren Buffett. Berkshire Hathaway zählt mit einer Bilanzsumme von rund 700 Mrd. $ zu den größten Unternehmen weltweit. Damit Aktienkäufe oder Unternehmensübernahmen überhaupt in der Bilanz irgendeinen Effekt erzielen, müssen sie sich fast schon im Milliardenbereich bewegen. Zuletzt hat Buffett seine Beteiligungen am Lifestyle-Unternehmen Apple deutlich erhöht. Buffett besitzt mehr als 165 Mio. Apple-Aktien. Damit ist Apple die größte Beteiligung von Berkshire.

Qualcomm lehnt 105 Mrd. Dollar schwere Broadcom-Offerte abQualcomm lehnt die Broadcom-Offerte ab. Der Bieter gibt aber nicht nach, sodass der größte Übernahme-Kampf in der Chip-Branche perfekt ist. › mehr lesen

Das Investmentkonzept von Warren Buffett wird mehrfach kopiert. Viele wertorientierten Konglomeratsstrukturen fußen letztlich auf den Grundprinzipien, die Buffett und sein Lehrmeister Graham entwickelt haben. So versucht auch die Deutsche Beteiligungs AG sich ein werthaltiges Portfolio von starken Unternehmen aufzubauen. 

Der deutsche Mittelstand gilt als Wachstumsmotor Europas

Besonderes Augenmerk sollte man dabei auf den deutschen Mittelstand werfen – dem Wachstumsmotor Europas. Die INDUS Holding und Aurelius setzen gezielt auf diese Wirtschaftskraft. Beide Unternehmen sind an zahlreichen kleinen und mittleren Unternehmen beteiligt, die besonderes Erfolgspotenzial versprechen.

Aurelius gelingt es dabei immer wieder, angeschlagene Unternehmen vollständig aufzukaufen und nach wenigen Jahren mit großen Gewinnen wieder zu veräußern. Allein der Verkauf des Kompressoren- Herstellers SECOP spülte 185 Mio. € in die eigenen Kassen. Das ist der 11-fache Betrag, der für den damaligen Kauf eingesetzt wurde. Eine Meisterleistung. Zudem wurden die Studienkreis-Gruppe, Getronics, Regain Polymers und ISOCHEM mit großem Gewinn weiterveräußert. Im Gegenzug hat Aurelius gleich 6 neue Unternehmensgruppen übernommen. Die mittelfristige Geschäftsentwicklung ist also sichergestellt.

Keine echten Verlierer

Insgesamt ist die gesamte Branche grundsolide aufgestellt. Wirkliche Verlierer gibt es keine. Durch die breite Marktstellung können Durststrecken überwunden und defizitäre Geschäftsbereiche quersubventioniert werden. Aus dieser privilegierten Marktstellung heraus werden sogar 3M, Danaher und CK Hutchison Holding immer mutiger, um in risikoreichere Geschäfte zu investieren.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.