Die Volatilität: Das unbekannte Wesen

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Was steckt eigentlich hinter der Volatilität? Und wie kann sie Ihnen bei Ihren Investments helfen? (Foto: Eisenhans - Adobe.com)

Der Begriff Volatilität begegnet uns recht häufig, wenn wir uns mit der Thematik der Finanzmärkte auseinandersetzen. Doch wenn Sie nicht gerade Börsen-Profi sind, dann werden Sie sich mit der „Schwankungsbreite von Zeitreihen“, wie sie auch allgemein genannt wird, schwertun.

Ich möchte die Volatilität im Hinblick auf die Finanzmärkte für Sie heute mal ein wenig entschlüsseln. Und damit es nicht allzu trocken wird, habe ich anschließend noch ein Schmankerl für Sie:

Sie werden von einem interessanten Verlaufsmuster erfahren, dass mir gestern bei der Analyse ins Auge gesprungen ist. Und dieses Muster ist am vergangenen Freitag an der Wall Street erneut generiert worden.

Wikipedia: Segen und Fluch

Wenn mir ein Begriff nicht ganz klar ist oder auch einfach nicht mehr exakt in Erinnerung, dann greife ich zu einem wertvollen Hilfsmittel unserer heutigen Zeit: Wikipedia.

Dazu eine ganz persönliche Wahrnehmung: Meiner Erfahrung nach eignet sich diese digitale Enzyklopädie als Nachschlagewerk ganz hervorragend bei wissenschaftlichen, (finanz-)technischen oder allgemein gelagerten Themen. Denn hier wird meist völlig objektiv informiert.

Vorsicht lasse ich hingegen inzwischen bei Biografien walten, insbesondere über noch lebende Personen. Hier finden sich nicht selten ausgesprochen subjektive Bewertungen und Einschätzungen von denen, die Wikipedia mit Inhalten füllen.

Behalten Sie stets im Hinterkopf: Wikipedia wird von Menschen „gemacht“.

Das sagt Wikipedia zur Volatilität

Schauen wir also mal, welche Informationen uns Wikipedia zum Thema Volatilität in der Finanzmathematik liefert:

„Die Volatilität ist hier definiert als die Standardabweichung der Veränderungen (auch Renditen, Returns) des betrachteten Parameters und dient häufig als Risikomaß. Sie ist jedoch kein ideales Risikomaß, weil sie lediglich Auskunft über die Schwankungsbreite eines Basiswerts gibt, aber keine weiteren Informationen über die Verteilungsfunktion der Kursausschläge liefert.“

Alles klar? Also wenn Sie – wie gesagt – nicht gerade Börsenprofi und / oder Mathematiker sind, dann dürften Ihnen Begriffe wie Standardabweichung, Returns, Risikomaß, Basiswert oder Verteilungsfunktion eher noch weiteres Kopfzerbrechen bereiten.

So erkläre ich Volatilität

Hier nun meine ganz persönliche Erklärung von Volatilität: Wobei ich keinen Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit erhebe. Aber ich denke, so ist dieser Begriff einfacher zu verstehen.

Wenn Sie – aus welchen Gründen auch immer – Vertrauen in den Aktienmarkt haben, dann werden Sie sich nicht nur Aktien in Ihr Depot legen. Ja Sie werden sich selbst durch kleinere (völlig normale) Rücksetzer nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen und an Ihren Positionen festhalten.

Werden Sie jedoch verunsichert, was die weiteren Perspektiven anbetrifft (beispielsweise durch Themen wie Handelsstreit oder Brexit), dann neigen Sie dazu, schneller auf den Verkaufsbutton Ihres Handelssystems zu drücken.

Da diese Verunsicherung aber zumeist nicht auf Sie alleine wirkt, führt vermehrtes Angebot zu stärkeren Kursausschlägen (nach unten):

Steigt die Unsicherheit der Marktteilnehmer, klettert auch die Volatilität

Der VIX (Volatility Index) berechnet die Kurschwankungsbreite der 500 im S&P 500 enthaltenen US-Aktien. Ein hoher Indexwert ist hier gleichbedeutend mit einer hohen Schwankungsbreite und umgekehrt.

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Das zeigen Ihnen beispielhaft die rote und die grüne Box im Chart ganz links.

Die Volatilität bildet Trends und Unterstützungen aus

Sehr schön zu sehen in diesem Chart ist auch: Die Volatilität nimmt fast nie schlagartig zu oder ab. Wie beim Indexverlauf selbst geschieht dies zumeist unter Schwankungen.

Kommen wir nun zu dem von mir eingangs angesprochenen Kursmuster.

Wie Sie im Chart sehen, neigt auch der VIX zur Ausbildung von Trends und vor allem von Unterstützungen. Ich habe Ihnen 3 dieser Unterstützungen aus den zurückliegenden 2 ½ Jahren mit dicken roten Linien kenntlich gemacht.

Diese Linien können Sie natürlich erst dann im Chart einzeichnen, wenn Ihnen mindestens 2 Tiefpunkte zur Verfügung stehen. Ein kleiner Kniff:

Wenn sich an einen ersten Tiefpunkt im VIX eine spürbare Korrektur im S&P 500 anschließt, dann können Sie schon einmal behelfsmäßig eine solche Unterstützung einzeichnen. In aller Regel landen später ausgebildete Tiefs auf bzw. knapp über oder dieser Linie.

Die Überschneidungen dieser Unterstützungslinien mit dem VIX habe ich nun zusätzlich mit Vertikalen versehen. So lässt sich besser erfassen, was im Anschluss an solche Überkreuzungen geschehen ist.

Und hier wird es nun interessant:

Das Phänomen des VIX-Doppeltiefs

Wie Sie sehen, produzieren die ersten Tiefpunkte auf diesen Unterstützungen selten kräftige Korrekturen (rote Kreise). Tatsächlich ziehen sie mitunter auch gar keine Rücksetzer nach sich (grüne Kreise).

Das von mir beobachtete Phänomen habe ich mit den pinkfarbenen Vertikalen markiert: Wenn auf den Unterstützungen kurz hintereinander 2 Tiefpunkte entstehen (ein Doppeltief, wenn Sie so mögen), dann folgten in dem hier betrachteten Zeitraum jeweils heftigere Korrekturen.

Und genau ein solches Muster hat der VIX am vergangenen Freitag erneut ausgebildet.

Fazit

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meiner persönlichen Definition von Volatilität diesen Begriff etwas verständlicher machen. Denn so wird es irgendwie logischer:

Wenn das Vertrauen in steigende Aktienkurse vorhanden ist, gibt es wenig Gründe zu verkaufen, sondern eher welche, zu kaufen. Dann erleben wir regelmäßig eine niedrigere Schwankungsbreite der Notierungen.

Trifft jedoch – durch vermehrte Skepsis – wachsendes Angebot auf den Aktienmarkt, dann nehmen die Kursschwankungen zu. Die Volatilität steigt.

Bildet ein Volatilitätsindex wie der VIX mehrere Tiefpunkte auf einem gleichbleibenden Niveau aus (Unterstützungen), dann erhöht sich mit zunehmender Häufigkeit das Risiko eines kräftigeren Rücksetzers.

Ein Doppeltief in einer solchen Konstellation kann Ihnen, nach meiner Beobachtung, (eine Garantie ist das selbstverständlich nicht) eine kräftigere Korrektur ankündigen.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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