Die Wahrheit über den aktuellen Trend der US-Technologieaktien

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Die jüngste Rallye an der Wall Street entpuppt sich als Täuschungsmanöver für die Privatanleger! (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Beeinflusst der US-Präsident den Handelsverlauf an der Wall Street?

Vor wenigen Tagen las ich den Beitrag eines US-Autoren, der einen Zusammenhang zwischen Trumps Ge-Twitter und den Aktienkursen herstellen wollte. Danach soll der US-Präsident immer dann etwas Aktienmarkt-Freundliches posten, wenn sich der Dow Jones seiner 200-Tagelinie, also dem langfristigen Trend annähert.

Ich kann dies nicht auf seinen Wahrheitsgehalt nachprüfen. Überdies traue ich Herrn Trump keine derartigen Charttechnik-Kenntnisse zu. Aber vielleicht versteht ja einer seiner Berater etwas davon.

Am Freitag hat der US-Präsident aber auf jeden Fall die Kurse der an der Wall Street gehandelten chinesischen Aktien mit einer Aussage im Kurs gedrückt.

Auch ohne Trump lässt sich indes sagen: Die US-Technologieaktien sehen alles andere als aussichtsreich aus! Und das aus gutem Grund!

Manipuliert Trump die Wall Street?

Offensichtlich wollte der US-Präsident erneut Druck auf die Gespräche im Handelsstreit mit China ausüben. Diesmal gab es indes keine neu angedrohten oder angehobenen Strafzölle:

Trump sinnierte über einen Eingriff in die Kapitalströme zwischen den USA und China. So sei beispielsweise eine vorübergehende Aussetzung des Handels chinesischer Aktien an der Wall Street denkbar.

Die angesprochenen Titel verloren daraufhin am Freitag im Schnitt rund -4% an Wert.

Diese Gruppe beeinflusst maßgeblich die Aktienkurse

Wie gesagt: Ich bezweifle, dass der US-Präsident tatsächlich in der geschilderten Form Einfluss auf das Geschehen am US-Aktienmarkt nimmt. Doch ich kenne eine Gruppe, von der ich zu 100% weiß, dass sie unablässig und sehr viel an den Finanzmärkten bewegt.

Die Rede ist von Großinvestoren: Über die Zusammensetzung und die Macht dieser Anlegergruppe hatte ich Sie hier zuletzt am 11. September 2019 ausführlich informiert.

Zu den Großinvestoren gehören die Investment- und Hedgefonds, Pensionsfonds, Eigenhandel betreibende Banken und Versicherungen sowie Vermögensverwaltungen und sehr vermögende Einzelpersonen.

Mit den dieser Gruppe zur Verfügung stehenden, gigantischen Kapitalmitteln werden Trends in einzelnen Aktien, ja sogar ganzer Branchen initiiert, befeuert und auch wieder beendet!

Schauen Sie den Großinvestoren auf die Finger

In dem zitierten Beitrag stellte ich Ihnen zudem einen technischen Indikator vor, mit dem Sie das Verhalten der Großinvestoren nachvollziehen können: Das On-Balance-Volumen (OBV).

Dieser Indikator verknüpft die börsentäglichen Veränderungen der Schlusskurse mit den dazugehörigen Umsätzen. Werden also durch hohe Handelsvolumina kräftige Kursveränderungen ausgelöst, dann sind die Ausschläge im OBV besonders heftig.

Da Großinvestoren riesige Positionen in einzelnen Aktien auf- und später wieder abbauen, tun sie dies auf mehrere Transaktionen verteilt: Schließlich will man sich ja nicht selbst die Kurse „kaputt“ machen!

Aus diesem Grund bewegt sich das On-Balance-Volumen in Trends. Und die lassen sich – wie Sie das bereits kennen – mit Trendlinien sichtbar machen.

Genau das machen wir jetzt einmal!

Nasdaq Composite: Klare Verkaufssignale

In dem angesprochenen Beitrag hatten wir den Nasdaq 100 analysiert.

Dieser Index bildet aber nur die Entwicklung der 100 größten US-Technologieaktien nach. Überdies üben wenige große Werte, wie beispielsweise Apple, aufgrund ihrer hohen Gewichtung in Kombination mit der geringen Zahl an Mitgliedern starken Einfluss auf den Indexverlauf aus.

Beim großen Bruder, Nasdaq Composite, fällt die Gewichtung tatsächlich weniger ins „Gewicht“: Hier werden nämlich rund 3.000 Technologieaktien abgebildet.

Nasdaq Composite: Klare Verkaufssignale

Es gab schon im August erste Warnzeichen: Zunächst wurde der Aufwärtstrend seit Dezember 2018 mehrfach touchiert (roter Kreis). Diese Trend-Verletzungen konnten jedoch vorübergehend wieder „geheilt“ werden, als der Nasdaq Composite in seinen Aufwärtstrend zurückkehrte.

Verdächtig war dann aber schon die Unfähigkeit des Index, ein neues Jahres- bzw. Allzeithoch zu erreichen (gelber Kreis): Zweimal fehlten dazu nur noch rund 100 Punkte oder +1,2%. Solche Distanzen überbrückt der Nasdaq Composite auch schon mal locker an einem einzigen Handelstag.

Ein klares Verkaufssignal lieferte der Index dann aber in der letzten Woche: An jeden Tag lag die Handelsspanne komplett unter der Aufwärtstrendlinie (blauer Kreis)!

Noch wichtiger ist indes der untere Chartteil mit dem On-Balance-Volumen: Wie Sie hier erkennen, tendierte der Großinvestoren-Indikator abwärts, während der Nasdaq Composite sich in einer Rallye austobte.

Fazit

Auch wenn wir den Fokus größer ziehen, indem wir diesmal auf den großen Bruder des Nasdaq 100, den Nasdaq Composite, schauen: Am Analyse-Ergebnis ändert sich nichts!

Beide Indizes haben im Verlauf der vergangenen Handelswoche ihren Aufwärtstrend seit Dezember 2018 nach unten verlassen: Ein klares Verkaufssignal.

Die Rallye seit Mitte August erweist sich als von den Großinvestoren inszenierte Bullenfalle für die Privatanleger: Das „Big Money“ trennte sich zu steigenden Notierungen weiter von ihren Positionen in den US-Technologieaktien und fand dafür dankbare Abnehmer.

Wir werden also aller Wahrscheinlichkeit nach noch einige Tage bzw. Wochen fallende Notierungen an der Wall Street erleben.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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