Die Wahrheit über Todeskreuze

In den Börsenmedien können Sie dieser Tage viele Hinweise und Analysen zum Thema „Todeskreuze“ wahrnehmen.

Falls Ihnen der Begriff nichts sagt: Ein Todeskreuz wird dann generiert, wenn der 50-Tage-Durchschnitt die 200-Tagelinie von oben nach unten durch“kreuzt“.

Doch was hat das mit „Tod“ zu tun?

Nun: Tagelinien bilden den Durchschnitt aus den täglichen Schlusskursen innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums ab. Das „Auf und Ab“ während eines Handelstages wird dadurch ausgeblendet.

Die Tagelinien zeigen somit die börsentäglichen Netto-Veränderungen als Mittelwert an.

Die 50-Tagelinie wird in der Charttechnik deshalb als Indikator für den mittelfristigen Trend genutzt. Die 200-Tagelinie bildet entsprechend die langfristige Tendenz eines Marktes ab.

Was ist ein Todeskreuz?

Bei einem Todeskreuz durchbricht mithin der mittelfristige den langfristigen Trend nach unten. Das ist grundsätzlich natürlich keine positive Marktentwicklung für uns Investoren.

Allerdings: Nicht jede dieser Unterkreuzungen führt letztlich auch zu einem massiveren Kurseinbruch an den Börsen.

Schauen wir dazu einmal auf einen 20 Jahre zurückreichenden Chart des Dow Jones Industrial Average.

Damit Sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können, habe ich den Kursverlauf des amerikanischen Leitindex kurzerhand ausgeblendet:

dow jones mit tagelinien-07-09-2015

Dow Jones: Todeskreuze sind nicht immer Todeskreuze

Dow Jones: 12 Todeskreuze in 20 Jahren

Wie Sie im Chart erkennen, gab es in den letzten beiden Dekaden 12 solcher Todeskreuze (das aktuelle – Stand: 2015 – nicht eingeschlossen).

1. Erkenntnis: Todeskreuze entstehen eher selten.

2. Erkenntnis: Das Ergebnis scheint eindeutig; Von den 12 abwärts gerichteten Überschneidungen erwiesen sich lediglich 4 (grün markiert) letztlich als „wahre“ Todeskreuze.

Fazit

Trotz ihrer martialischen Bezeichnung entpuppten sich scheinbar 2/3 (graue Kreise) aller Todeskreuze letztlich als „Bärenfallen“.

Wenn Sie noch einmal auf den Chart schauen, dann werden Sie jedoch feststellen, dass sich diese Überkreuzungen zumeist dann als „Fehlsignale“ erwiesen haben, wenn sie in längeren Seitwärts-Bewegungen des Marktes entstanden waren.

Das war immerhin gleich 6x der Fall.

Wie Sie noch sehen werden, gab es letztlich nur eine Ausnahme im Jahr 2010 (über 1998 sprechen wir gleich noch): Hier kam es zu einem Fehlsignal, obwohl eine „trendige“ Marktphase vorherrschte.

Allerdings werden Sie auch erkannt haben, dass die „echten“ Todeskreuze ausschließlich in „trendigen“ Marktphasen generiert wurden.

Sind die derzeit (2015) vermehrt auftauchenden Todeskreuze also nun ernst zu nehmen oder nicht?

Vergessen Sie bitte eines nicht: Wir hatten im obigen Chart den Kursverlauf ausgeblendet. Im folgenden Chart kehren wir das um – nun sehen Sie statt der Tagelinien die Entwicklung des Dow Jones:

dow jones tages-chart-07-09-2015

Dow Jones: In trendigen Marktphasen generierte Todeskreuze sind ein Warnsignal.

Beim Blick auf diese Grafik können wir im Falle des Todeskreuzes aus dem Jahr 1998 konstatieren: Hier liegt tatsächlich kein Fehlsignal vor!

Der Dow Jones hatte sich von dem Absturz schlichtweg nur sehr schnell wieder erholt, weshalb der Abschwung der 50-Tagelinie moderat ausfiel.

Somit wurden 5 der insgesamt 6 in trendigen Marktphasen entstandenen Todeskreuze ihrem Namen gerecht.

Das jüngste Todeskreuz wurde ebenfalls aus einer trendigen Marktlage heraus generiert.

Daher sollten Sie die aktuell in den Marktindizes vermehrt auftauchenden Todeskreuze als Warnsignal verstehen!

7. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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