Die wichtigsten Aktienkennzahlen Teil 1

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Mit Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) können Sie Unternehmen bzw. Aktien bewerten. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Wenn Sie den Wirtschaftsteil Ihrer Tageszeitung studieren oder im Internet die Börsenportale besuchen, merken Sie direkt: Seit einigen Tagen läuft die aktuelle Berichtssaison, in der die Unternehmen ihre Zahlen für das jüngste Quartal und das gesamte Geschäftsjahr 2019 vorlegen.

Ich möchte Ihnen heute und in den kommenden Tagen die aus meiner Sicht wichtigsten Bewertungskennzahlen vorstellen, die Ihnen dabei helfen sollen, Unternehmen bzw. Aktien selbst bewerten zu können und damit die Grundlage für zukünftige Börsengewinne sind.

KGV: Die bekannteste Kennzahl

Das wohl am häufigsten herangezogene Merkmal bei der Aktienbewertung ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es gibt an, mit welchem Vielfachen des Jahresgewinns ein Unternehmen an der Börse bewertet wird.

Richtgröße für ein günstiges KGV ist grob kalkuliert 10 (je nach Branche und Land sehr unterschiedlich), der Marktdurchschnitt liegt in Deutschland bei rund 15. Grundsätzlich gilt: Ein niedriges KGV ist besser als ein hohes KGV.

Aber: Ein niedriges KGV ist isoliert betrachtet nicht zwingend ein Kaufargument. Sind die zukünftigen Gewinnaussichten schlecht oder ist die Verschuldung zu hoch (Bilanzprobleme), bietet die Aktie wenig Kurspotenzial.

Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse schwanken stark, je nachdem welche Branche, welches Land oder welches Jahr Sie betrachten. Gründe dafür sind die Chancen und Risiken, welche das Papier birgt, sowie das Zins-Niveau und die Inflation.

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Der Gewinn kann sich auf feststehende und auf erwartete Gewinne beziehen. In der Aktienanalyse, in der immer Schätzungen für die Zukunft betrachtet werden, spielt das KGV eine große Rolle.

Das KGV ist nicht unumstritten

Achtung: Das KGV ist in Fachkreisen nicht unumstritten. Der Grund: Der Jahresüberschuss, also die Grundlage der Berechnung, kann von den Unternehmen in die gewünschte Richtung gesteuert werden.

Legale Bilanzierungstricks können vom Management genutzt werden, um den Jahresüberschuss zu beeinflussen. Speziell die Rückstellungen und Abschreibungen werden sehr gern zur Feinjustierung genutzt, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Das KGV ist daher immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

Zudem muss man beachten, dass Gewinne nicht einfach so in die Zukunft fortgeschrieben werden können. Auswirkungen innerbetrieblicher Veränderungen sind ebenso zu beachten wie konjunkturzyklische Schwankungen sowie Veränderungen im Wettbewerb oder im Verbraucherverhalten.

Auch Zinsentwicklungen und veränderte Produktlebenszyklen können eine Rolle spielen. In einigen Branchen kommen noch völlig unberechenbare Faktoren wie Wetter und politische Entscheidungen hinzu.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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