Firmenwagen: Versteuerung bei privater Nutzung soll vereinfacht werden

Schwarz-Gelb plädiert für eine Vereinfachung der Versteuerung von Firmenwagen. Doch inwiefern wird der Steuerzahler entlastet?

Bislang müssen privat genutzte Firmenwagen mit einem Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat versteuert werden. Doch von diesem Konzept soll in Zukunft abgewichen werden, wie der Focus berichtet.

Mehrere Alternativen stehen derzeit auf dem Prüfstand:

Neben einer Besteuerung über den Nettolistenpreis gehen die Überlegungen auch in die Richtung, 0,8 % des Bruttolistenpreises als Dienstwagensteuer zu verlangen oder den tatsächlich gezahlten Preis als Besteuerungsgrundlage heranzuziehen.

Koalition fordert Änderung

Sowohl CDU als auch FDP sprechen sich für eine Änderung des bisherigen Steurermodells Firmenwagen aus.

Gegenüber Focus sagte Volker Wissing, Steuerexperte der FDP: „Die geltende Regelung führt in der Praxis immer wieder zu Problemen. Das muss einfacher werden.“

Durch eine verbesserte Dienstwagensteuer soll in erster Linie die deutsche Automobilbranche unterstützt werden: Rund 85 Prozent aller Firmenwagen stammen von einheimischen Autobauern.

Entlastung geringer als angenommen werden könnte

Was auf den ersten Blick gut klingt, fällt in der Praxis weit geringer aus als vielleicht angenommen:

Wie der Bund der Steuerzahler errechnet hat, ergibt sich beispielsweise bei einem Audi A4, der für rund 4.000 € unter dem Listenpreis eingekauft wurde, eine Entlastung zwischen 30 und 40 € pro Monat, wenn das Bruttogehalt bei 4.000 Euro monatlich liegt.

Wird hingegen ein BMW 520 Touring als privat genutzter Firmenwagen zur Verfügung gestellt, reduziert sich die monatliche Belastung bei einem Bruttoeinkommen von 5.000 Euro um rund 80 €.

Die Besteuerung nach dem Bruttolistenpreis ist nicht mehr zeitgemäß, da bei der Anschaffung häufig hohe Rabatte gewährt werden.

Auch bisher greift die 1-Prozent-Regelung bei der Besteuerung nicht zwangsläufig.

1-Prozent-Regelung nur für bestimmte Fahrzeuge

Unternehmer müssen keine Steuern für Privatfahrten mit dem Dienstwagen zahlen, wenn sich der Wagen sich nicht für Privatfahrten eignen!

In dem konkreten Fall stand einem Mitarbeiter eines Unternehmens für Sanitär- und Heizungsbedarf ein Kastenwagen zur Verfügung.

Neben dem üblichen fensterlosen Aufbau sowie Schränken und Fächern für Werkzeug und Material war auch ein deutlich sichtbarer Werbeaufdruck des Unternehmens auf dem Fahrzeug angebracht.

Das Finanzamt berief sich auf die 1-Prozent-Regelung für die private Nutzung, wogegen der Unternehmer jedoch klagte. Der Fall landete vor dem Bundesfinanzhof (BFH), das gegen den Fiskus entschied.

Mehr dazu: Firmenwagen: Alle wichtigen Infos auf einen Blick

Private Nutzung muss im Einzelfall geprüft werden

Sowohl die Ausstattung des Dienstfahrzeugs als auch die Bauart deuten daraufhin, dass es typischerweise nicht privat genutzt wird.

Ob das Dienstfahrzeug trotzdem privat genutzt wird, muss deshalb im Einzelfall ermittelt werden und kann nicht pauschal festgelegt werden.

Bundesfinanzhof, Aktenzeichen VI R 34/07

Neues Urteil zum Firmenwagen: Privatnutzung muss bewiesen werden

Die Richter des Bundesfinanzhofs entschieden in diesem Fall jedoch anders (Az. VI R 34/07). Danach gilt: Ist ein Firmenwagen so gut wie ausschließlich zur Beförderung von Gütern geeignet, entfällt die 1-%-Regelung.

Bauart und Ausstattung machen meist deutlich, ob ein Wagen typischerweise nicht privat eingesetzt wird.

Eine Privatnutzung darf das Finanzamt dann nicht unterstellen, sondern müsste diese konkret beweisen.

Weitere Regelung: Arbeitnehmer fährt mit Dienstwagen zur Arbeit

Zur Höhe des Zuschlags, wenn Arbeitnehmer ihre Dienstwagen auch für die Fahrt zur Arbeit nutzen: Kommt der Wagen auch für die Fahrt zur Arbeit zum Einsatz, erhöht sich dadurch der geldwerte Vorteil.

Neben der 1-%-Regel sind für jeden Monat 0,03 % des Listenpreises für jeden Entfernungskilometer anzusetzen. Laut BFH fällt der Zuschlag aber nur insoweit an, als solche Fahrten tatsächlich stattfinden.

Tatsächliche Fahrten zählen

Das heißt: Nutzt ein Arbeitnehmer den Firmenwagen im Rahmen von Park-and-ride, zahlt er den Zuschlag nur für die kurze Strecke. Im Urteilsfall betrug die Entfernung bis zum Bahnhof 3,5 km.

Der Betrieb dagegen lag 118 km entfernt. Laut BFH ist der Zuschlag auf 3,5 km täglich zu reduzieren (Az. VI R 68/05).

Bei Außendienstmitarbeitern kommt es auf die tatsächlich durchgeführten Fahrten zum Betriebssitz an. Ist das beispielsweise nur einmal pro Woche der Fall, verringert sich dadurch der Zuschlag entsprechend.

Die Berechnung ist pro Monat in Form einer Einzelbewertung vorzunehmen (Az. VI R 85/04).

Fahrtenbuch unverhältnismäßig

Laut BFH spricht ein Anscheinsbeweis dafür, dass ein Dienstwagen auch privat genutzt wird.

Indes: Das kann jeder Arbeitnehmer dadurch entkräften, dass er weniger Fahrten zum Unternehmen nachweist. Die Vorlage der Jahresnetzkarte der Bahn reicht dafür bereits aus.

Gleichzeitig stellt der BFH klar: Zum Nachweis der Pendlerfahrten darf das Finanzamt die Vorlage eines Fahrtenbuchs nicht verlangen. Allein für die Strecken der Fahrt zur Arbeit verstoße das gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.


Aktienstudie
Zum Jahresstart in diese 3 Werte investieren

Wer 2017 noch nicht zugeschlagen hat, sollte diese Werte spätestens zum Jahresstart 2018 ins Depot überführen. Wir erklären, welche 3 Werte Sie jetzt brauchen, um erfolgreich ins neue Jahr zu starten und satte Gewinne zu realisieren.

Klicken Sie jetzt hier, um sich "3 Top-Aktien 2018" GRATIS zu sichern! ➜


8. März 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Tino Hahn
Von: Tino Hahn.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt