Diese Aktie handelt unter Buchwert

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Wann haben Sie zuletzt Schuhe gekauft? Wer nicht mehr ins Büro geht, für den tun’s auch Sportschuhe. Wir erklären am Beispiel von Geox, was das bedeutet. (Foto: solarseven / Shutterstock.com)

Alle Unternehmen, die vom Einzelhandel abhängig sind, blicken in diesen Tagen ängstlich auf die Inzidenzen. Über 100 ist in Deutschland wieder der große Shutdown angesagt. Zuletzt kletterten die Zahlen wieder deutlich. Für alle Unternehmen, die kein gutes Standbein im Netz haben, sind das schlechte Neuigkeiten – es droht das Schlimmste. Wir haben für Sie die Aktie des Schuhherstellers Geox genauer angesehen.

Geox SpA ist ein führender Schuhproduzent Italiens, der mehrheitlich zur Gründerfamilie Moretti Polegato gehört. Neben den Multibrand-Shops im Handel betreibt das Unternehmen weltweit 876 Geox Shops, davon 466 durch Franchising- Lizenz und 410 in Eigenregie (DOS). Kernmärkte sind Italien und Europa. Die Marke Geox ist die führende Schuhmarke Italiens und eine der Bedeutensten weltweit. Geox hält Patente für atmungsaktive Schuhe.

Verluste über Verluste

Die Corona-Pandemie setzt Geox stark unter Druck. Nachdem im 1. Halbjahr ein Umsatzminus von 39% und ein Verlust von 81,9 Mio € eingefahren wurde, hat sich die Geschäftsentwicklung im 2. Halbjahr nur leicht erholt. Gemäß der vorläufigen Zahlen ging der Umsatz aufgrund der zeitweisen Filialschließungen und der Rationalisierung des Filialnetzes 2020 um 33,6% zurück. Die Zahl der Shops wurde von 974 auf 867 zusammengestrichen. Von dem Umsatzeinbruch waren alle Regionen betroffen: Italien (-45,3%), Europa (-27,3%), Nordamerika (-46,4%) und Sonstige (-27,8%).

Der E-Commerce- Kanal (+41%) entwickelte sich erfreulich, konnte die Verluste in den Shops aber nur leicht abfedern. Die Nettoverschuldung hat sich gegenüber dem 1. Halbjahr von 88,8 auf 99,8 Mio € verschlechtert und lässt erahnen, dass Geox trotz der umfangreichen Kostenreduzierungen mit Mittelabflüssen zu kämpfen hat und das 3. Jahr in Folge mit einem Verlust abschließen wird. Als Reaktion auf die anhaltenden Verluste wird das Filialnetz weiter reduziert und in den nächsten 3 Jahren weitere 110 Geschäfte geschlossen.

Hier lauern Chancen – für Zocker

Um dem veränderten Konsumverhalten Rechnung zu tragen, sollen der physische und der digitale Vertriebskanal stärker integriert werden und die digitale Präsenz auf den wichtigen Plattformen in Europa, den USA und China gestärkt werden. Ob das ausreicht, um die Gunst der Kunden zurückzugewinnen, bleibt abzuwarten. Die Aktie ist optisch günstig; notiert unterm Buchwert und mit einem KUV von 0,37. Noch zeichnet sich aber auch im Chart kein nachhaltiger Turnaround ab. Die Aktie könnte aber schon bald Dynamik entwickeln. Der Wert ist aber trotzdem eher ein Fall für Zocker. Wer langfristig anlegt, sucht sich besser eine andere Aktie.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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