Diese Aktie ist eine (zu) heiße Biotech-Zockerei

Aktien von Biotech-Unternehmen in einem frühen Entwicklungsstadium sind generell ein heißes Eisen: Schon eine Meldung über einen Erfolg oder Misserfolg bei der Forschungsarbeit kann den Aktienkurs nach oben katapultieren oder einbrechen lassen.

Medigene-Aktie: Kursverdreifachung in wenigen Wochen

Manchmal kann es aber auch ohne Neuigkeiten zu extremen Kursbewegungen kommen. Ein gutes Beispiel dafür gibt derzeit die Medigene-Aktie ab.

Diese Biotech-Aktie kam zu Hochzeiten des Neuen Marktes im Jahre 2000 an die Börse, stieg schnell auf über 400 Euro, danach begann der lange Abstieg. Seit einigen Jahren pendelte der Kurs zwischen 3 und 5 Euro.

Doch im März 2015 kam es dann zur erstaunlichen „Wiedergeburt“ der Medigene-Aktie: Innerhalb weniger Wochen hat sich der Aktienkurs zuerst vervierfacht, dann halbiert und in den vergangenen Tagen wieder zugelegt. Unterm Strich bleibt eine Kursverdreifachung.

Gründe für die Kursexplosion bleiben rätselhaft

Auf der Suche nach Neuigkeiten, die eine solche Kursexplosion rechtfertigen können, bin ich auf einige Meldungen gestoßen, die aber alle weder zeitlich nicht ganz passen, noch einen derart exorbitante Kursgewinn rechtfertigen.

Im Februar hat Medigene die Zulassung von Veregen, einem Mittel zur Behandlung von Genitalwarzen, in acht europäischen Staaten bekannt gegeben. Eine große Überraschung war dies allerdings nicht, war das Präparat doch schon in anderen EU-Staaten sowie den USA und Kanada zugelassen. Außerdem setzte die Kursrallye erst Mitte März ein.

Anfang März hat Medigene noch ein Patent vom Europäischen Patentamt zugesprochen bekommen, aber auch dies passt zeitlich nicht ganz und ist außerdem kein großes Aufhebens wert.

Und dann sind da noch die Finanzergebnisse aus der vergangenen Woche. Ohne Frage war der Umsatzsprung von 7,6 auf 13,8 Mio. Euro sowie die Reduzierung des Jahresverlusts um 44% auf 5,8 Mio. Euro besser als erwartet, rechtfertigt jedoch noch lange nicht einen derartigen Kurssprung.

Zumal die Aktie ihre Gewinne schon unmittelbar vor der Veröffentlichung der Zahlen eingefahren hat. Waren hier also Insider oder Spekulanten am Werk, die es mit ihrem Optimismus etwas übertrieben haben und zu hoch eingestiegen sind? Auch diese Erklärung kann mich nicht zufrieden stellen. Es bleibt ein Rätsel.

Ein Traum für Zocker, aber nichts für Investoren

Die irrationalen Kurssprünge, die die Medigene-Aktie derzeit vollzieht, haben viele Zocker angelockt, die auf traumhafte Gewinne in kürzester Zeit hoffen. Mit dem richtigen Timing ist hier kurzfristig sicherlich eine Menge Geld zu holen, mit dem falschen Timing kann aber auch (fast) alles verloren werden.

Für Zocker mag die extreme Volatilität ein Traum sein. Investoren sollten hingegen tunlichst die Finger von diesem und anderen Zockerwerten lassen.

31. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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