Diese Aktie muss man nun wirklich nicht im Depot haben

Die Aussicht auf eine Dividende sorgte gestern für ein Plus bei der Commerzbank. Für langjährige Aktionäre der Tropfen auf den heißen Stein. (Foto: Michael715 / shutterstock.com)

In einem leicht nachgebenden Gesamtmarkt war die Aktie der Commerzbank nach der Vorlage von Geschäftszahlen gestern der größte Gewinner im DAX. Für langjährige, leidgeprüfte Aktionäre ist das Kursplus von 4% dennoch nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Commerzbank macht Hoffnung auf eine Dividende

Schon die Aussicht, dass das angeschlagene Institut wieder eine Dividende ausschütten könnte, reichte gestern aus, dass die Aktie gegen den Markttrend zulegen konnte. Finanzchef Engels sagte, das Unternehmen habe im ersten Quartal 5 Cents je Aktie für die Zahlung einer Dividende zurückgelegt.

Unterstellt man, dass in den verbleibenden drei Quartalen jeweils der gleiche Betrag zurückgestellt wird, könnte die Commerzbank für das laufende Geschäftsjahr 2018 im kommenden Jahr also eine Dividende von 20 Cents je Aktie ausschütten. Daraus errechnet sich eine Dividendenrendite von 1,8%. Zuletzt hatte die Commerzbank für 2015 eine Dividende von ebenfalls 20 Cents je Aktie gezahlt – die bislang einzige seit der Finanzkrise.

Gewinn im Firmenkundengeschäft bricht ein

Die Aussicht auf eine Wiederaufnahme der Dividendenzahlung ändert nichts an der grundsätzlichen Situation. Denn die Bank ächzt nach wie vor unter sinkenden Erträgen und einer schwachen Rendite. Im einstigen Vorzeigegeschäft mit Firmenkunden brach der operative Gewinn in den ersten drei Monaten 2018 sogar um 46% auf 145 Mio. Euro ein.

Dies sei Folge der Neuausrichtung des Bereichs und des Preiskampfs im Firmenkundengeschäft, so Engels. Immerhin konnte die Commerzbank nach eigenen Angaben im ersten Quartal rund 1.000 neue Firmenkunden gewinnen. Das Kreditvolumen stieg im Jahresvergleich um 2% auf 77 Mrd. Euro.

Insgesamt ging der Vorsteuergewinn um gut 12% auf 289 Mio. Euro zurück. Unter dem Strich verdiente die Commerzbank mit 250 Mio. Euro dagegen 9% mehr als im Vorjahresquartal.

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Desaströse Kursentwicklung

Schlimm genug, dass der Konzern auch ein Jahrzehnt nach der Finanzkrise noch immer mit der Neuausrichtung beschäftigt ist. Noch schlimmer ist allerdings die desaströse Kursentwicklung. Im vergangenen Jahr hatte der Aktienkurs zwar um über 70% zugelegt. In diesem Jahr ging es aber schon wieder deutlich bergab. Aktuell notiert der Kurs gut 20% unter seinem Hoch vom Januar.

Beim Blick auf die langfristige Kursentwicklung tränen mir ohnehin die Augen. Mitte 2007, vor Ausbruch der Finanzkrise, notierte die Aktie noch bei 382 Euro. Das absolute Rekordhoch wurde im Jahr 2000 bei 475 Euro erreicht. Aktuell notiert der DAX-Titel bei 11 Euro.

Auf lange Sicht ist die Performance einer Aktie ein Spiegelbild der Unternehmensentwicklung. Der Langfrist-Chart spricht in diesem Fall eine klare Sprache. Die Commerzbank ist von ihrem historischen Höchststand rund 98% entfernt.

Ich kann Ihnen nur empfehlen, grundsätzlich einen Blick auf die langfristige Kursentwicklung zu werfen, bevor Sie in eine Aktie investieren. Steigt die Notierung stetig, können Sie davon ausgehen, dass das Unternehmen erfolgreich unterwegs ist. Genauso zeigt das Kursdebakel bei der Commerzbank, dass hier seit vielen Jahren eine Menge schiefläuft. Ich jedenfalls würde die Commerzbank-Aktie nicht mit der Kneifzange anfassen. Dividende hin oder her…


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Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.