Diese Aktie trägt einen großen Namen

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Entscheidend ist, was drinsteckt. Aus diesem Grund analysieren wir Unternehmen vorbehaltlos. Bei Bilfinger ist das dringend nötig. (Foto: Eisenhans - Adobe.com)

Die Preise für Immobilien steigen und steigen und auch am Bau läuft alles rund? Das mag einerseits stimmen, doch andererseits sollten Sie trotz dem Booms nicht jede Aktie, die im Entferntesten etwas mit der Bauwirtschaft zu tun hat, blind kaufen. Warum? Es gibt durchaus abschreckende Beispiele. Selbst Traditionsunternehmen sind nicht davor gefeit, an der Börse kaum Chancen zu bieten und einen schweren Stand zu haben.

Wie es bei Bilfinger aussieht, erklären wir Ihnen anhand unserer Analyse. Bilfinger ist ein international führender Industriedienstleister. Das Portfolio deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab: von Consulting, Engineering, Fertigung, Montage, Instandhaltung und Anlagenerweiterung bis hin zu Umwelttechnologien. Der Konzern ist in den Sparten Engineering & Technologies sowie Maintenance, Modifications & Operations tätig. Die Kunden kommen aus den Bereichen Chemie, Energie, Öl & Gas, Pharma, Metallurgie und Zement.

Kunden halten sich mit Investitionen zurück

Bilfinger hat das Jahr erneut mit einem Umsatzrückgang und roten Zahlen abgeschlossen. Belastet haben Kosten für den Konzernumbau und eine Risikovorsorge für Altprojekte in den USA. Eine Trendwende ist aber in Sicht. Fortschritte hat der Konzern bei der Portfoliobereinigung gemacht. Von 13 zum Verkauf stehenden Verlustbringern wurden 10 bereits veräußert. Für die übrigen 3 will Bilfinger bis Mitte 2018 einen Käufer finden.

Zudem hat die Geschäftsentwicklung im 4. Quartal gezeigt, dass es bald wieder aufwärts geht: Umsatz und Auftragseingang sind leicht gestiegen, und der Verlust hat sich deutlich verringert. Das operative Ergebnis (EBITA) war sogar positiv. In Zukunft konzentriert sich Bilfinger nur noch auf Dienstleistungen für die Industrie und auf die Digitalisierung. Das Umfeld für Industriedienstleistungen ist aber immer noch schwierig.

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Die Kunden aus der Öl- und Gasindustrie halten sich mit Investitionen noch zurück. Deshalb soll die Digitalisierung für einen Wachstumsschub sorgen. Bilfinger ist mit seinen Technologien in der Lage, die Effektivität von Anlagen deutlich zu erhöhen, die Instandhaltungskosten zu verringern und Stillstandzeiten zu reduzieren.

Viele Baustellen machen wenig Hoffnung

Insbesondere den Mittelstand will der Konzern von seinem Angebot namens Bilfinger Connected Asset Performance (BCAP) überzeugen. Im laufenden Jahr erwartet das Management einen stabilen bis leicht höheren Umsatz sowie ein bereinigtes EBITA im mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbereich. Im 4. Quartal lag dieser Wert bereits bei 40 Mio €.

Zwar zeichnet sich beim Unternehmen ein Turnaround ab, doch kämpft Bilfinger noch immer mit hohen Sonderbelastungen. Die Dividendenrendite von 2,7% ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bilfinger hat nur noch wenig mit Immobilien zu tun. Anleger tun gut daran, sich vom guten Namen nicht blenden zu lassen.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.