Diese Themen werden das Börsenjahr 2020 prägen

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Brexit, Handelsstreit, Rezession, Nullzinspolitik: Diese Themen begleiteten uns 2019. Was erwartet uns in 2020? (Foto: Eisenhans - Adobe.com)

Wie heißt es so schön: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn Sie die Zukunft betreffen!“

Dieses geniale Zitat wird dem dänischen Physiker Nils Bohr zugeschrieben: Es soll seine Antwort auf die Frage nach der Zukunft der Quantenphysik während eines Seminars zum selben Thema gewesen sein.

Dann ist es also auch schwierig, die Themen festzuzurren, die das Börsenjahr 2020 begleiten werden? Ja: Das gilt zumindest für die, die sich neu hinzugesellen werden.

Doch 3 Themen dürften uns auch im nächsten Jahr beschäftigen, die uns bereits seit 2 oder 3 Jahren begleiten. Ich sage Ihnen, warum das so sein wird.

Dauerbrenner-Thema Nr. 1: Brexit

Der Brexit begleitet uns nun bereits seit der Volksabstimmung darüber im Juni 2016.

Sie glauben, mit den Neuwahlen zum britischen Unterhaus vor knapp 2 Wochen sei der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) beschlossene Sache? Wohl kaum.

Mit dem Erdrutschsieg des alten und neuen britischen Premierministers, Boris Johnson, wurde die Nachricht verkündet: Der Brexit wird am 31. Januar 2020 vollzogen.

Das mag sein: Am vergangenen Freitagnachmittag hat das britischen Unterhaus mit großer Mehrheit den Brexit zu dem genannten Datum ratifiziert. Dieses Chaos ist tatsächlich nun beseitigt.

Auch die (nochmalige) Zustimmung des Europa-Parlaments Mitte Januar des nächsten Jahres gilt als gesichert. Was indes gerne verdrängt wird:

Da sind aber noch 3 bedenkenswerte Punkte

Danach beginnt eine Übergangsphase, in der EU und Großbritannien ihre künftige Partnerschaft in puncto Freihandel vertraglich neu regeln müssen. Die vorgesehene Frist dafür ist mit den verbleibenden 11 Monaten bis Ende 2020 knapp bemessen.

Sollte eine Einigung wider Erwarten ohne weitere Fristverlängerungen gelingen, DANN wäre der Brexit ab Ende 2020 perfekt. Auf die EU kommen indes 2 signifikante Veränderungen zu, die sich noch als problematisch erweisen können:

Mit Großbritannien verliert der EU-Haushalt den nach Deutschland größten Netto-Einzahler. Das bedeutet eine finanzielle Mehr-Belastung für alle anderen Mitglieder.

Mit dem Brexit verlieren die nordeuropäischen Staaten ihre Sperrminorität: Dann werden die Länder Südeuropas die Mehrheit im Europäischen Rat stellen.

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Zur Verhinderung von Beschlüssen sind mindestens 4 Mitgliedsstaaten nötig, die über 35% der EU-Gesamtbevölkerung verkörpern. Ohne Großbritannien sinken die Anteile der Nordeuropäer auf 30%, die der – deutlich stärker verschuldeten – südlichen Länder erhöhen sich auf 43%.

Die Diskussionen über alle genannten Punkte werden uns wohl auch im Börsenjahr 2020 begleiten.

Dauerbrenner-Thema Nr. 2: Handelsstreit

Der Handelsstreit zwischen China und den USA ist seit fast genau 2 Jahren Thema für die Marktteilnehmer.

In dieser Zeit wurden nur wenige harte Fakten geschaffen: Zahlreiche Strafzölle auf Warenexporte wurden von beiden Seiten erhoben und teilweise sogar noch erhöht.

Das ist schlecht für die Weltkonjunktur und die Wirtschaften von China und den USA: Denn irgendwer muss die Strafzölle ja bezahlen. Dreimal dürfen Sie raten, wer die Zeche am Ende bezahlt.

Nun sollen sich die Parteien vor gut 2 Wochen auf einen ersten Deal geeinigt haben. Von Trump wurde dies als großer Meilenstein gefeiert. Tatsächlich wurden eher kleinere Fortschritte erzielt.

Überdies besteht bis dato noch wenig Klarheit über die vereinbarten Details. Und: Während Trump noch in der ersten Januarwoche 2020 den Vertrag unterzeichnen würde, möchten die Chinesen dessen Wortlaut erst noch genauer übersetzen und prüfen.

Also ich habe den Leser schon Anfang November geschrieben: „Ich glaube an eine Einigung erst dann, wenn die Tinte beider Parteien unter der Vereinbarung getrocknet ist.“

Doch kaum jemand ahnt, worum es bei diesem Handelsstreit wirklich geht! Und das sind  Gründe, weshalb uns dieses Thema auch 2020 beschäftigen wird. Über die Hntergründe kläre ich Sie am kommenden Montag auf.

Meine Weihnachtsbotschaft an Sie

An den Börsenplätzen rund um unseren Globus wird in den kommenden 2 Wochen nur noch wenige Male gehandelt. Diesen „arbeitnehmerfreundlichen“ Jahresausklang nutzen daher diesmal mehr Marktteilnehmer für einen verlängerten Jahresabschlussurlaub als üblich.

Das führt nach meiner Erfahrung zu meist zufälligen und volatileren Kursen. Diesen wenig berechenbaren Handel sollten Sie tunlichst meiden.

Meine Botschaft an Sie lautet daher: Nutzen Sie die nächsten 14 Tage für eine Auszeit. Schalten Sie die Börse mal eine Zeitlang komplett aus und tanken Sie neue Energien: Die werden Sie 2020 – eine solche Prognose ist meines Erachtens gesichert – wieder dringend benötigen.

Ich wünsche Ihnen von Herzen ein friedvolles und besinnliches Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Lieben!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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