Diese Themen werden das Börsenjahr 2020 prägen – Teil 2

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Brexit, Handelsstreit, Rezession, Nullzinspolitik: Diese Themen begleiteten uns 2019. Was erwartet uns in 2020? (Foto: rawf8 / shutterstock.com)

Es ist unmöglich, in die Zukunft zu schauen.

Aber es lässt sich mit guter Wahrscheinlichkeit ableiten, dass Themen die uns bereits seit einigen Jahren begleiten, uns auch im Börsenjahr 2020 beschäftigen werden.

Zum Dauerbrenner Brexit hatte ich Ihnen bereits vor 1 Woche geschrieben, warum wir an den Börsen dieses Thema auch im neuen Jahr nicht loswerden. Und auch der im Januar 2018 begonnene Handelsstreit zwischen den USA und China bleibt uns in 2020 erhalten.

Heute erfahren Sie die Gründe dafür.

Dauerbrenner-Thema Nr. 2: Handelsstreit

Beide Parteien gaben vor 3 Wochen an, sich über erste Punkte in ihrer Dauer-Auseinandersetzung geeinigt zu haben. Doch die Tinte unter einer Vereinbarung ist noch nicht getrocknet, da sie noch gänzlich fehlt.

Auch die erzielten Fortschritte wurden vom US-Präsidenten größer dargestellt, als sie es tatsächlich sind. Aus gutem Grund: Donald Trump will im kommenden November die Wählerstimmen für eine zweite Amtszeit erhalten.

Doch da gibt es noch einen wichtigeren Aspekt:

Die neue Seidenstraße ist das eigentliche „Problem“

Schon in wenigen Jahren wird China endgültig zur größten Wirtschaftsmacht der Welt aufsteigen und damit die USA ablösen. Donald Trump wird diese Entwicklung nicht unterbinden können – aber er versucht, die Wachablösung so weit als möglich in die Zukunft zu verschieben.

Dass diese eintrifft, dafür sorgt schon allein das Projekt „One Belt, One Road“ („ein Gürtel, eine Straße“), auch als Projekt „Neue Seidenstraße“ bezeichnet. Das sich an die historische Seidenstraße anlehnende Vorhaben ist die größte geopolitische Herausforderung der Menschheitsgeschichte!

Mit dem geplanten Auf- und Ausbau interkontinentaler Handels- und Infrastruktur-Netze werden die Handelsrouten zwischen China und mehr als 60 weiteren Ländern der Kontinente Afrika, Asien und Europa ausgebaut oder neu erschaffen.

Das dadurch geförderte Zusammenrücken der Regionen soll Basis eines künftigen Wachstumsmotors werden: Es sollen nicht nur neue Tiefwasserhäfen, Flughäfen und neue Verkehrsrouten etc. entstehen, sondern auch die Vernetzung für gemeinsame Forschung gefördert werden.

Die USA können hierbei im Wesentlichen nur aus der Ferne zuschauen. Und sie werden ihre weltwirtschaftliche Vormachtstellung auf Dauer einbüßen.

Der Handelsstreit ist daher von vornherein auf lange Sicht angelegt, um die Fortschritte des „Neue Seidenstraße“-Projektes bestmöglich und lange zu torpedieren. Und deshalb wird er uns vermutlich auch über 2020 hinaus begleiten.

Dauerbrenner-Thema Nr. 3: Niedrig- bzw. Nullzinspolitik

Vor fast genau 5 Jahren wurde von den Börsenmedien die generelle Zinswende nach oben vermutet. Ich erteilte diesen Ideen hier in Chartanalyse-Trends am 15. Dezember 2015, 2 Tage vor der ersten Leitzinsanhebung der USA seit 2006 eine Absage:

„Die Entwicklung der japanischen Leitzinsen in den vergangenen 2 Dekaden ist meiner Ansicht nach die ‚Blaupause‘ für die künftige Politik der amerikanischen Notenbank. Die Sorge der Marktteilnehmer vor einer Zinswende ist unbegründet.

Eine kleine Zinsanhebung ist daher kein ‚Totschlag‘-Argument für den Aktienmarkt. In wenigen Jahren werden wir in Bezug auf die vermutlich anstehende Zinserhöhung von einer Episode in der amerikanischen Zinspolitik sprechen.“

Neun Zinstrippelschritte (in Höhe von jeweils 0,25%) später, im August 2019, wurde die US-Fed Funds Rate erstmals wieder gesenkt. Seither folgten noch 2 weitere – alle 3 um erneut einen Viertel-Prozentpunkt.

Historische Chance nicht genutzt

Nur in einem Punkt habe ich mich – zumindest zum Teil – geirrt. Oder besser gesagt, eine der von mir gehegten Hoffnungen wurde schon damals bitter enttäuscht:

„Die USA sind mit 19,4 Billionen USD verschuldet. Dauerhaft niedrige Zinsen sind die einzige Möglichkeit, die daraus resultierende Zinslast (jährlich zu zahlende Zinsen) zu bewältigen.“

Schon damals hatten die USA die durch die eigene Notenbank geschaffene, historische Chance nicht genutzt: Nämlich die Verschuldung zu verringern!

Während der Leitzins zwischen 2008 und 2015 von 5,25% auf 0% bis 0,25% sank, stiegen die US-Schulden von 10,8 Billionen USD auf 19,4 Billionen USD. Aktuell sind wir bei 23,1 Billionen USD angelangt.

Doch die USA befinden sich hier in bester Gesellschaft: Die Globale Verschuldung beträgt nach Schätzungen des International Institute of Finance Ende dieses Jahres 255 Billionen USD.

Sie dürfen also getrost eine Fortführung der Niedrigzinspolitik (auch) in den USA erwarten. Die Europäische Zentralbank wird an ihrer Nullzinspolitik festhalten.

Die neue Chefin Lagarde hat ja bereits durchsickern lassen, dass sogar negative Leitzinsen in der Euro-Zone ab jetzt kein Tabu mehr sind.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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