Diesel-Gipfel in Berlin lässt Auto-Anleger kalt

Von allem ein bisschen: Der Diesel-Gipfel in Berlin offenbart das Dilemma der GroKo. Aktionäre der Autobauer bleiben gelassen. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Erst ergebnislos vertagt, dann bis tief in die Nacht diskutiert – und am Ende zu einem Kompromiss durchgerungen, der von allem ein bisschen, vor allem aber viele offene Fragen enthält. So sieht es aus, wenn die Große Koalition in Berlin einen Erfolg verkündet, zu beobachten dieser Tage am Beispiel Diesel-Gipfel.

Nachdem die Regierung in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem mit sich selbst beschäftigt war, wollte man nun mit gelungener Sachpolitik glänzen. Doch das ist nur mäßig bis gar nicht gelungen. Denn obwohl es jede Regierungspartei geschafft hat, ein bisschen von ihren Forderungen in dem Kompromiss unterzubringen, dürften bei weitem nicht alle betroffenen Dieselfahrer auch tatsächlich profitieren.

Umstrittene Lösungsansätze

Die SPD konnte durchsetzen, dass Hardware-Nachrüstungen an den betroffenen Fahrzeugen in dem Beschluss vorgesehen sind. Diese hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel ursprünglich abgelehnt, später jedoch befürwortet. Die CSU machte sich dagegen stark für eine Umtauschprämie, also finanzielle Anreize durch die Automobilhersteller und wohl auch Gebrauchtwagenhändler, wenn Kunden ihren schmutzigen Diesel gegen ein neueres, saubereres Fahrzeug tauschen.

Das Problem dabei: Längst nicht jeder schmutzige Diesel ist besonders alt, und längst nicht jeder Autofahrer, der ein solches Modell fährt, kann sich ohne Weiteres die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs leisten, Kaufprämie hin oder her.

Zudem zeigten sich die deutschen Autobauer eher verhalten, gerade im Hinblick auf die Hardware-Nachrüstung. Zu Umtauschprämien und Rabatten sind sie eher bereit, denn die kurbeln zumindest die Absatzzahlen an.

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Und das können die Hersteller gebrauchen, nachdem im September die Zahl der Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund ein Drittel eingebrochen war. Das lag allerdings nicht am Dieselproblem, sondern an einem neuen europäischen Prüfverfahren für Schadstoffemissionen mit dem Kürzel WLTP, das zum 1. September in Deutschland eingeführt wurde und dazu führt, dass zahlreiche Modelle neu zugelassen werden müssen.

Aktien der Autobauer legen nach Diesel-Gipfel noch zu

In den Monaten zuvor allerdings konnten die Autobauer mit starken Verkaufszahlen glänzen. So hatten sie etwa durch großzügige Rabatte noch etliche Fahrzeuge ohne WLTP-Zulassung vor der Einführung der neuen Norm verkauft.

Besonders betroffen von der Umstellung sind Fahrzeuge aus dem VW-Konzern, die zwischenzeitlich auf eigens angemieteten Flächen, etwa auf dem Berliner Immer-noch-nicht-Flughafen BER, zwischengeparkt wurden.

Vom Diesel-Gipfel in Berlin zeigten sich die Automobilkonzerne wenig beeindruckt. Die Ergebnisse blieben so vage wie vermutet, die Aktien von BMW, Daimler und Volkswagen konnten sogar noch zulegen.

Auf Jahressicht bewegt sich dabei jedoch lediglich das Papier der Wolfsburger im Plus, die im Dax notierte VW Vorzugsaktie notiert etwa 8 Prozent fester als noch vor einem Jahr. Die BMW Aktie hat im gleichen Zeitraum gut 10 Prozent verloren, Papiere von Daimler stürzten gar um fast 20 Prozentpunkte ab.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.