Dieser Chart leitet das Ende des Bullenmarktes ein

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Ein Blick auf den NASDAQ 100 zeigt: Die Party der letzten Tage und Wochen ist vorbei. Fällt jetzt auch der letzte Riese der großen Indizes? (Foto: Matej Kastelic / Shutterstock.com)

Vor wenigen Tagen hatte ich Sie bereits darauf aufmerksam gemacht. Jetzt ist es passiert: Der NASDAQ 100 zeigt Schwäche. Erst gab es einen Fehlausbruch inklusive neuem Allzeithoch und jetzt folgte sogar noch ein Bruch aus dem Trendkanal. Nächster Stopp: die 50-Tagelinie.

NASDAQ: das Maß aller Dinge

Scheinbar ist das aktuell einfach der Verlauf der Börsen: Es wird eine kleine Rallye angedeutet, vielleicht noch mit einem neuen Allzeithoch gekrönt und dann gibt es wieder einen auf den Deckel. Beim NASDAQ ist dieses Spiel besonders deutlich zu sehen. Wir haben uns lange mit der Marke um 7.019 beschäftigt. Dann wurde diese mit einem Aufwärtsgap durchbrochen und wenige Tage später notieren wir bereits fast 300 Punkte tiefer.

Hier sehen Sie die schwarze gestrichelte Linie als wichtigen Widerstand. Dieser wurde geknackt – allerdings nur für sechs Handelstage. Das ist ein Fehlausbruch und momentan sieht es sogar noch negativer aus, denn wir haben den kurzfristigen Aufwärtstrend verlassen. Gestern wurde dieser nach unten durchbrochen und heute scheinen die Kurse es nicht wieder in diese Zone zu schaffen.

In Blau sehen Sie dazu noch die 50-Tagelinie. Diese hielt den NASDAQ 100 über Wochen auf Kurs. Im Februar – bei dem spontanen Flashcrash – wurde diese seit Ewigkeiten einmal wieder gekreuzt. Und auch jetzt stehen wir wieder kurz davor diese wichtige Marke nach unten zu schneiden. Noch ist es nicht passiert – sollte es aber dazu kommen, sieht es düster für sämtliche Indizes aus, nicht nur für den NASDAQ.

Die Bedeutung dahinter hatte ich bereits in einem der letzten Newsletter erklärt, als ich beschrieben habe, wie wichtig der NASDAQ 100 ist. Denn dieser verlief in den letzten Monaten mit Abstand am stärksten. Während die anderen Indizes seitwärts tendieren oder nur langsam steigen, ist der NASDAQ 100 eindeutig das Flaggschiff und der Index, in den die Gelder (und damit das Vertrauen) fließen. Wenn jetzt aber dieser sogar einbricht – wer soll uns denn dann noch vor allseits fallenden Kursen retten?

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Alles halb so wild – wirklich?

Jetzt könnten wir natürlich auch die Überlegung anstellen und behaupten, dass die Gelder des NASDAQ 100 wieder in andere Indizes fließen, weil dort das Vertrauen zurückgekehrt ist. Doch die Charts sprechen eine andere Sprache. Der NASDAQ verliert aber auch deshalb, weil die wichtigen Komponenten Punkte abgeben. So hat Tesla auf Wochensicht über 9 Prozent verloren. Take-Two Interactive ebenfalls. Auch Facebook hat im nächsten Skandal um die Datensicherheit (es wird nicht der letzte sein) fast 7 Prozent eingebüßt. Und das summiert sich. Vor allem, wenn auch Microsoft (minus 4 Prozent auf Wochensicht) sowie Amazon und Apple (je minus 3,5 Prozent) in dieselbe Richtung laufen.

Von den 100 Werten im NASDAQ sind auf Wochensicht gerade einmal neun Aktien im Plus. Die beste davon (Ulta Beauty Inc.) gerade einmal bei 3,8 Prozent. Nicht einmal Netflix konnte das Ruder herumreißen. Der Konkurrent zum Filmangebot von Amazon Prime liegt bei minus 2,5 Prozent.

Kaufkurse oder Vorsicht?

Optimisten werden jetzt wieder von guten Kaufkursen sprechen. Wenn die teuersten Unternehmen der Welt einmal etwas nachgeben, haben sie meistens damit Recht. Doch der Chart des NASDAQ 100 sieht nicht nach einem Kaufkurs aus. Es könnte hier vielmehr noch weiter heruntergehen, so wie es die anderen Indizes vorgelebt haben. Und wenn jetzt der NASDAQ 100 bei der Bärenparty einsteigt, wird auch der DAX davon betroffen sein.

Im Optimalfall war es ein Fehlausbruch nach unten, aber ob wir wirklich so viel Glück haben, werden wir Ende der Woche wissen. Morgen spricht nämlich die FED über ihren Zinsentscheid. Es wird erwartet, dass die Zinsen von 1,5 auf 1,75 angehoben werden. Auch das ist kaum ein Signal für steigende Kurse an den Börsen, im Gegenteil.

Wobei, diese Nummer wird erwartet. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass deshalb bei der Veröffentlichung der neuen Leitzinsen die Börsen in die Knie gehen. Dass die Kurse das davor bereits machen, ist allerdings normal. Um 19 Uhr unserer Zeit fällt morgen offiziell der neue Zinsentscheid. Nachbörslich wird es dann sicherlich ein wenig Action geben.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.