Dieser Indikator garantiert geradezu neue Wall Street-Rekordkurse

Es war am Freitagnachmittag das große Thema, nicht nur an der Wall Street, sondern auch an den Aktienmärkten in Europa: Die amerikanischen Arbeitsmarktdaten für den Monat Mai.

Für viele Marktteilnehmer war es ein regelrechter Schock: Nur 38.000 neu geschaffene Jobs (außerhalb der Landwirtschaft). Die sogenannten Experten hatten im Konsens eine Zahl von 161.000 erwartet.

Die meisten Experten prognostizieren nur den fortgeschriebenen Trend

Dass die Prognosen dermaßen danebenlagen, ist für mich nicht überraschend. Denn die meisten Experten schreiben bei ihren Schätzungen lediglich den zuvor gültigen Trend fort. Bleiben wir bei den Jobzahlen als Beispiel:

Im März waren in den USA 186.000, im April 123.000 Stellen neu geschaffen worden. Macht im Schnitt: 154.500. Dort packen Sie noch einen kleinen Bonus drauf, weil die Aprilzahlen so schwach waren – fertig ist die neue Schätzung für Mai.

Es ist wie mit den Jahrhundert-Unwettern: Sie kommen (in der Regel) nur 1x in 100 Jahren vor. Aber niemand weiß, wann das sein wird. Warum also als Prognose-Depp mit einem völlig abweichenden Schätzwert dastehen, wenn die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis derart gering ist?

Auch beim US-Leitzins werden die Experten wieder falsch liegen

Eine vergleichbare Entwicklung können Sie bei den amerikanischen Leitzinsen (Fed Funds Rate) erkennen: Die meisten „Marktkenner“ hatten sich für Mitte Juni auf eine weitere Anhebung der Fed Funds Rate eingeschworen:

Klar, 6 Monate nach der ersten Leitzinserhöhung seit Juli 2006 war die Wahrscheinlichkeit für die nächste Anhebung im Juni hoch. Doch nach den Job-Daten vom Freitag dürfte eine solche Zinsentscheidung der US-Notenbank zumindest für diesen Monat vom Tisch sein. Denn:

Schließlich ist die Federal Reserve Bank (FED) nicht nur für moderate Zinsen und stabile Preise verantwortlich, sondern eben auch für einen hohen Beschäftigungsstand. Und da sind höhere Zinsen einfach kontraproduktiv!

Die Job-Daten sind eine gute Nachricht für US-Aktien

Das aber wiederum sind gute Nachrichten für die US-Aktien. Und das konnten Sie am Freitag auch am Handelsverlauf an der Wall Street ablesen:

Der S&P 500 reagierte nach Bekanntgabe der Daten zunächst mit einem Minus von 20 Punkten. Dann erholte sich der Leitindex jedoch und schloss lediglich 6 Zähler unter dem Vortageswert.

Nach den überraschend schwachen US-Arbeitsmarktdaten gibt es aber auch Stimmen, die nun eine weitere Abschwächung der ohnehin nicht gerade robusten amerikanischen Wirtschaft erwarten mit der Konsequenz fallender Aktienkurse. Dem halte ich entgegen:

So wie sich nach einem Jahrhundert-Unwetter das Wetter in aller Regel schnell wieder stabilisiert, so wird sich auch die Zahl der neu geschaffenen Stellen in den kommenden Monaten wieder normalisieren.

Dieser Indikator garantiert geradezu neue Rekordkurse an der Wall Street

Und dann werden auch die Aktienkurse an der Wall Street nach oben gehen!

Warum ich mir da so sicher bin, zeigt Ihnen ein ganz spezieller charttechnischer Indikator: Die Advance-Decline-Linie!

Für diesen Indikator wird börsentäglich die Differenz aus Kursgewinnern und -verlierern ermittelt und fortgeschrieben. Der Sinn dahinter:

Wenn ein Index steigen soll, dann geht das auf Dauer nur, wenn die Mehrzahl der enthaltenen Aktien im Kurs klettert. Und nun ahnen Sie vermutlich schon, wie diese Advance-Decline-Linie für den S&P 500 ausschaut:

s&p 500 mit advance-decline-linie-06-06-2016

S&P 500: Advance-Decline-Linie nimmt neue Rekordkurs bereits vorweg!

Spätestens seit Mitte April dieses Jahres hat sich der Indikator von der seit Oktober 2014 anhaltenden Seitwärts-Bewegung (blau unterlegt) nach oben gelöst (grüner Ring). Das ist ein qualitativ hohes Kaufsignal für die Wall Street!

Keine Trend-Fortschreibung, sondern charttechnisch begründete Prognose!

Mit meiner Prognose lehne ich mich recht weit aus dem Fenster, das ist mir bewusst. Würde ich mich lediglich auf den Trend der zurückliegenden Monate fokussieren, müsste ich wohl eine Fortführung der Seitwärts-Bewegung im S&P 500 ankündigen.

Doch ich verlasse mich – im Gegensatz zu den eingangs erwähnten Vorhersage-Experten – bei meinen Prognosen auf charttechnische Werkzeuge, die sich in der Vergangenheit stets als zuverlässig erwiesen haben.

Und dabei kalkuliere ich auch – wenn ich das erkenne – eine massive Abweichung vom Trend der jüngeren Vergangenheit ein: Und das sind aktuell, nach (mindestens) 15 Monaten Tristesse, bald wieder kräftig ansteigende Aktienkurse an der Wall Street!

6. Juni 2016

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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