Dieser Rohstoff-Konzern steht mit dem Rücken zur Wand

2013 startete Glencore als großer Rohstoffkonzern – doch heute hat die Aktie 75% verloren und die Firma steht mit dem Rücken zur Wand. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Auch diese Woche ist nichts für Rohstoff-Investoren mit schwachen Nerven.

Eigentlich kann ich aber davon ausgehen, dass an sich alle Rohstoff-Investoren Nerven aus Stahl haben – denn sonst wären sie auch fehl am Platze bei dieser Anlageklasse.

Fakt ist: Die Serie der massiven Kursstürze von großen Minenfirmen reißt nicht ab.

Glencore der Pechvogel der Branche

Diese Woche erwischt es einmal mehr den großen Rohstoffhändler Glencore. Das Unternehmen war im Sommer 2013 noch der viertgrößte Rohstoff-Konzern der Welt.

Damals kam es zum Zusammenschluss eben von Glencore mit dem Schweizer Konzern Xstrata.

Für diesen Deal waren enorme Kredite notwendig. Und genau diese Schulden werden dem ehemaligen Börsenstar jetzt zum Verhängnis.

Schuldenbelastung soll senken – aber die Maßnahmen reichen nicht aus

Stellen Sie sich vor: Seit dem Start 2013 hat die Aktie bis jetzt 75% an Wert verloren! Gerade die vergangenen Wochen waren extrem heftig.

So kündigte Glencore erst vor wenigen Wochen eine Kapitalerhöhung von 2,5 Mrd. Dollar an. Damit soll die Schuldenlast deutlich gesenkt werden. Das ist auch notwendig, denn Glencore drücken Schulden von aktuell noch 30 Mrd. Dollar.

Doch jetzt hat in dieser Woche ein Analyst sogar die finanzielle Zukunft des Unternehmens in Frage gestellt.

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So erklärte ein Analyst vom Researchhaus Investec, dass „ohne eine massive Umstrukturierung und bei weiterhin niedrigen Rohstoffpreisen, sich der Aktienwert nahezu vollständig auflösen könnte.“

Sie können sich vorstellen, was eine solche Äußerung an der Börse ausgelöst hat: Die Aktie sackte alleine an 1 Handelstag um 30% ab und unterschritt erstmals die Marke von 1 €.

Das Umfeld ist aktuell aber auch extrem anspruchsvoll für ein Unternehmen wie Glencore.

Das Haupttätigkeits-Feld sind hier die Industrie-Metallle – und deren Preise befinden sich auf den tiefsten Ständen seit einigen Jahren. Das gilt für Kupfer, Aluminium aber auch für Eisenerz.

Erst einmal keine Besserung in Sicht

Solange die Preise nicht wieder deutlich anziehen, wird die Lage für Unternehmen wie Glencore schwierig bleiben.

Der jetzige Absturz trifft auch das Management von Glencore hart. Immerhin hat die Führungsriege des Konzerns bei der jüngsten Kapitalerhöhung 550 Mio. Dollar oder 22% der gesamten Summe übernommen.

Das war für ein Milliarden-Unternehmen wie Glencore schon eine bemerkenswerte Aktion. Doch jetzt notiert die Aktie mehr als 40% tiefer – und das nur wenige Wochen später.

Keine Frage: Die Zeiten sind hart für Glencore und für die gesamte Rohstoff-Branche. Das gilt nicht nur für die Aktionäre – das gilt auch für das Management, sofern es eben am eigenen Unternehmen auch wirklich beteiligt ist.


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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.