Dieser Rohstoff leidet stark unter dem Diesel-Skandal

Platin ist ein wichtiges Metall für die Automobilindustrie – bei der aktuell geringen Nachfrage steht der Preis unter Druck. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Der Diesel-Skandal ist immer noch nicht überwunden in Deutschland. Immer wieder tauchen neue Meldungen auf, bei denen die Autohersteller unter Druck geraten. Zu Beginn der neuen Woche gibt es beispielsweise Meldungen zu Daimler. Hier hat das Kraftfahrtbundesamt wohl unzulässige Abschalteinrichtungen gefunden. Zusätzlich sieht es derzeit so aus, dass die deutschen Autohersteller bei der Dieselnachrüstung hinter den Vorgaben zurück liegen.

In der Konsequenz hat der Diesel weiterhin ein extrem schlechtes Image in Deutschland. Das lässt sich auch an den stark zurückgegangenen Zulassungszahlen klar ablesen. So sind schon im 1. Quartal in Deutschland die Zulassungen von Diesel-Neufahrzeugen um 17 % gefallen. Dieser Trend wird sich im laufenden 2. Quartal wohl weiter fortsetzen.

Und hier kommt ein ganz wichtiger Aspekt zum Rohstoffmarkt ins Spiel: Platin ist ein extrem wichtiges Metall für Dieselfahrzeuge, da es ein wichtiger Bestandteil der hochwertigen Dieselkatalysatoren ist. Doch wenn deutlich weniger Dieselfahrzeuge gebaut und verkauft werden, wird auch immer weniger Platin benötigt.

Der Angebotsüberschuss legt immer weiter zu beim Platin

Da es nicht verwunderlich, dass jetzt vor wenigen Wochen die Schätzung für den Angebotsüberschuss am Platinmarkt noch einmal nach oben korrigiert worden sind. Für den Marktpreis bedeutet das: Es ist auch nach einer kurzen Erholung in den vergangenen Wochen wohl kaum mit einem deutlichen weiteren Preiszuwachs beim Platin zu rechnen. Spannend ist hier immer der Blick im Verhältnis zum Goldpreis.

Über lange Zeit war es so, dass Platin in der Regel deutlich teurer war als Gold. Doch diese Zeiten sind schon etwas länger vorbei und zuletzt erreichte der Preisunterschied zwischen Gold und Platin sogar deutlich mehr als 400 Dollar. So etwas hat es überhaupt erst einmal in der langen Geschichte der beiden Edelmetalle gegeben.

Bei diesen eher negativen Voraussetzungen, rechne ich nicht mit einer deutlichen Preiserholung beim Platin in der nächsten Zeit. Das größere Aufwärtspotenzial sehe ich ganz klar beim Goldpreis – und mit Abstrichen auch noch beim Silberpreis. Diese beiden Edelmetalle erscheinen mir deutlich aussichtsreicher. Das liegt vor allen Dingen auch daran, dass sowohl Gold als auch Silber als Krisenabsicherung eingesetzt werden. Platin ist hingegen ein hochwertiges Industriemetall mit der wichtigsten Verwendung in der Automobilindustrie. Und wenn hier bei den Dieselfahrzeugen die Nachfrage deutlich zurückgeht, hat das negative Effekte auf die Preisentwicklung.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.