Dieser russische Riese gerät ins Wanken

Russland ist ein reiches Land – zumindest gemessen an dessen Rohstoffvorkommen. Ein Unternehmen, das sinnbildlich für Russlands Reichtum steht, ist Gazprom. Die Aktie dümpelte zuletzt seitwärts, bietet aber eine Dividende von immerhin 3,9 %. Grund genug, das Unternehmen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen: Gazprom ist mit einem Anteil von 18% an der Weltfördermenge und dem Besitz von 16% der weltweit nachgewiesenen Reserven der weltgrößte Erdgaskonzern.

Zu den Geschäftsbereichen zählen die Erschließung, Förderung und Lieferung von Erdgas. Hauptabnehmer sind neben Russland die GUS-Staaten sowie Europa. Trotz der beeindruckenden Größe des Unternehmens ist bei Gazprom nicht alles Gold was glänzt.

Gute Zahlen – dank Buchungseffekt

Aufgrund eines Buchungseffekts konnte Gazprom solide Ergebnisse für das 1. Quartal präsentieren.

Der Umsatz stieg um 19,3 und der Gewinn um 5,3%. Rund ein Drittel des Wachstums beruht auf einer günstigeren Bewertung der Preisnachlässe für die europäischen Großabnehmer. Im letzten Jahr mussten die Russen, die ihr Gas über langfristige Verträge verkaufen und den Gaspreis an den Erdölpreis koppeln, Rabatte in Höhe von 78,5 Mrd RUB als Umsatzminderung buchen. Weil aber nach der jüngsten Verhandlungsrunde die im 1. Quartal fälligen Preisnachlässe niedriger ausfielen, konnte Gazprom jetzt 73,4 Mrd RUB seinem Umsatz hinzufügen.

2014 könnten Monopole wegbrechen

Entsprechend stark entwickelte sich die Gas- Sparte. Während der Umsatz ohne Berücksichtigung von Zöllen und Preisanpassungen nur um 3,4% auf 965 Mrd RUB wuchs, ergab sich inklusive dieser Effekte ein Plus von 25,3% auf 903,8 Mrd RUB. Der Gas-Absatz ging jedoch um 5% auf 162 Mrd m3 zurück, in den ersten 8 Monaten um 4% auf 304 Mrd m3. Lediglich der Europa-Absatz stieg im 1. Quartal um 6% auf 46 Mrd m3. Zuwächse von jeweils deutlich über 20% gab es auch in den Sparten Raffinerie und Transport.

Dagegen sanken die Erlöse im Ölgeschäft um 20,4%. In diesem Jahr dürfte Gazprom den Gasabsatz nach Europa um 9% steigern. Denn der Konzern profitiert davon, dass die Europäer weniger Flüssiggas importieren. Dennoch rechnet das Management wegen deutlich höherer Produktionskosten mit einem 10%igen Gewinnrückgang.

Hinzu kommt, dass dem Unternehmen der Verlust des Export-Monopols für Pipeline- und Flüssiggas droht. Aus all diesen Gründen halten wir die Aktie derzeit für wenig attraktiv. Anleger sollten besser abwarten, wie sich Gazprom weiter entwickelt und derweil bessere Aktien kaufen.

31. Dezember 2013

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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