Dieses Schwergewicht hinkt der Rally an den Börsen hinterher – wie lange noch?

Diese Woche zeigt eindrucksvoll, dass eine starke Entwicklung des deutschen Leitindex DAX nicht zwangsläufig auch eine generell starke Börsen-Woche bedeutet.

Denn während der DAX im Wochenvergleich um rund 4% zulegte, notiert der Technologie-Index TecDAX auf dem Niveau der Vorwoche.

Der Aktienkurs des Index-Schwergewichts United Internet (UI) gab sogar leicht nach;

Bereits seit Ende März bewegt sich die Aktie von Europas führendem Internet-Service-Provider in einem engen Korridor um 44 € herum.

Charttechniker erwarten in den kommenden Tagen eine Entscheidung, ob der Kurs sich nun wieder nach oben oder doch nach unten orientieren wird.

Nach unten hin ist eine gute Unterstützung bei 40 € vorhanden, oben wartet bei 51,32 € das Allzeithoch aus dem Dezember 2015.

Exzellente Geschäftszahlen

Fundamental spricht einiges dafür, dass die Reise wieder nach oben geht.

Da sind zum einen die exzellenten Geschäftszahlen von 2015 mit dem Rekord-EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) in Höhe von 771,2 Mio. €.

Zudem rechnet UI mit seinen Marken wie Web.de, GMX und 1&1 auch für dieses Jahr mit einem weiter starken Wachstum.

Der Umsatz soll um 8% auf rund 4 Mrd. € zulegen, der operative Gewinn um gut 10% auf 850 Mio. €.

Angesichts dieser sehr guten Verfassung erlaubt es sich Ralph Dommermuth immer öfter, öffentlichkeitswirksam Stellung zu beziehen.

So beklagte der Gründer, Vorstandschef und Hauptaktionär von UI kürzlich das Fehlen eines Digital-Ministeriums in Deutschlands.

Auch andere Themen wie etwa Umwelt wären mit eigenen Ressorts versehen. Nun würde die Welt nichts stärker verändern als das Internet. „Warum also nicht ein Digital-Ministerium gründen!?“

Gemeinsam mit anderen deutschen Internet-Größen hob er daher nun die „Internet Economy Foundation“ aus der Taufe, mit der er die „enormen Wandlungs-Prozesse positiv begleiten“ und „unser Praxis-Knowhow einbringen“ will.

Zu den politischen Zielen der „Internet Economy Foundation“ zählen v. a. ein schnellerer Ausbau der digitalen Infrastruktur, ein zeitgemäßes Kartellrecht und bessere Bedingungen für Risikokapital-Geber.

Beteiligung an Start-up-Schmiede sorgt für wenig Freude

Apropos Risikokapital: UI gehört mit seinem Anteil von 8,3% an Rocket Internet zu den wichtigsten deutschen Kapital-Gebern der Digital- und Internet-Branche.

Rocket Internet baut mit besonderem Fokus auf den Bereich Online-Handel Start-ups in vielen Ländern auf.

Doch die Berliner Start-up-Fabrik berichtete vor kurzem schwache Zahlen: 2015 wurde mit einem Verlust von 197,8 Mio. € abgeschlossen.

Die Hauptgründe: Die einzelnen Beteiligungen schreiben durchgehend Verluste, zudem ist weniger Geld durch Verkäufe oder Börsengänge hereingekommen. 2014 hatte die Holding noch 428,8 Mio. € verdient.

Rocket-Internet-Chef und Dommermuth-Intimus Oliver Samwer versicherte aber, im vergangenen Jahr sei der Höhepunkt der Verluste überschritten worden. Die Ertragslage werde sich 2016 bei weiterem Wachstum deutlich verbessern.

Fazit

Sie sehen: Mit Marken wie Web.de, GMX und 1&1 verfügt UI bereits über eine mehr als solide Basis.

Das umfangreiche Treiben abseits des Kerngeschäfts sorgt zudem dafür, dass die Wachstums-Phantasie anhält – folgt dieser Aussicht nun auch der Aktienkurs?

22. April 2016

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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.

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