Digitalisierungsoffensive im Bildungswesen dringend nötig

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Digitalisierung und Bildung – zwei Bereiche, die in Deutschland jahrelang sträflich vernachlässigt wurden. Das rächt sich in Coronazeiten. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Deutschland ist ein Entwicklungsland. Das haben die vergangenen Monate der Corona-Pandemie noch einmal deutlich gezeigt.

Zwar war das Krisenmanagement der Regierung gut und effektiv – das haben nicht nur weite Teile der Opposition goutiert, sondern auch etliche Beobachter im Ausland entsprechend wahrgenommen. Mit schnellen und – im internationalen Vergleich – relativ milden Maßnahmen ist es den Regierungsverantwortlichen gelungen, das Infektionsgeschehen zügig einzudämmen und in beherrschbaren Grenzen zu halten.

Künftige Generationen müssen zahlen

Doch das Ganze hat seinen Preis. Kurzfristig ist das vor allem ein wirtschaftlicher Preis, der schon jetzt erkennbar wird: Staatliche Hilfspakete in Milliardenhöhe, Kleinstbetriebe bis Großkonzerne in existenziellen Nöten, eine Staatsverschuldung, die durch die Decke geht.

Mit letzterer müssen sich vor allem künftige Generationen auseinandersetzen. Doch ausgerechnet bei ihnen wird gespart. Das Bildungswesen erwies sich als wenig flexibel und kaum vorbereitet auf eine solche Ausnahmesituation, wie wir sie in den vergangenen Monaten erleben mussten.

Bildungswesen kollabiert in Pandemiezeiten

Die Schülerinnen und Schüler wurden nach Hause geschickt und sollten von dort aus den Schulstoff bearbeiten, bestenfalls mit Hilfe digital basierter Anleitung durch die Lehrkräfte, doch auch das scheiterte vielerorts an den banalsten Voraussetzungen.

Es gibt Kinder, die zuhause weder über einen Laptop oder PC verfügen, noch über einen Internetzugang jenseits ihres Smartphones, wenn überhaupt. Es gibt Lehrkräfte, die sich auch im Jahr 2020 noch schwertun mit der Nutzung von E-Mails, geschweige denn ausgefeilten Online-Tools zur Bereitstellung von Aufgaben und deren Bearbeitungen. Es gibt Regionen im Land, da ist die Netzabdeckung derart schwach, dass eine Fernbetreuung per Videocall schlichtweg unmöglich ist, weil es an der Datenübertragung hapert.

Es geht auch anders

Für all das herrschen bei einigen europäischen Nachbarn seit Langem wesentlich bessere Voraussetzungen. In Skandinavien etwa setzt man schon seit Jahren auf digitale Unterrichtsformen, hat Schulen mit digitaler Infrastruktur und Lehrkräfte wie Schülerinnen und Schüler mit den notwendigen Endgeräten ausgestattet.

Als dort die Schulen für den Präsenzunterricht geschlossen wurden, gab es lediglich eine räumliche Verlagerung, der Unterricht als solcher konnte wie gewohnt fortgesetzt und der Stoff abgearbeitet werden.

In Deutschland hingegen ist das System vielerorts zusammengebrochen, wochenlang bestand zum Teil kaum Kontakt zwischen den Einrichtungen und den Schulpflichtigen. Auch wurde der vorgesehene Unterrichtsstoff offiziell nicht reduziert, obwohl offensichtlich nur ein Bruchteil dessen bearbeitet werden konnte, was normalerweise üblich wäre.

Investitionsoffensive in Bildung und Digitalisierung erforderlich

Es zeigt sich, dass die Schulbildung in Deutschland noch lange nicht die Priorität genießt, die sie haben sollte – obwohl gerade diese nachwachsende Generation es ist, die für die heute aufgenommenen Schulden wird aufkommen müssen.

Es braucht ein fundamentales Umdenken in Sachen Bildungswesen und Digitalisierung in diesem Land, und eine deutlich höhere Investitionsbereitschaft, gerade auch finanzieller Natur, um einen solchen Kollaps wie im Frühjahr in Zukunft zu verhindern.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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