Direkt vom Fondskongress: So geht`s weiter bei den Rohstoffen

Auf dem Fondskongress in Mannheim waren Rohstoffe nur ein Randthema – aber die Perspektiven wurden dort positiv eingeschätzt. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

In der Fondsbranche spielen Rohstoffe keine Hauptrolle. Das hat mir der Besuch des Fondskongresses in Mannheim jetzt ganz klar gezeigt. Zwar gab es an beiden Tagen Vorträge zum Thema Rohstoffe. Gemessen an der Vielzahl der Vorträge war das jedoch nur ein wirklich sehr kleiner Anteil

Sie müssen sich vorstellen: In 12 Sälen parallel fanden an beiden Tagen Vorträge statt. Gerade am ersten Tag war das Interesse riesig und auch der Vortrag von Eugen Weinberg, dem Chef des Rohstoff Bereichs der Commerzbank, war der Saal sehr gut gefüllt.

Für Weinberg ist und bleibt China der zentrale Faktor für den Rohstoffmarkt. So ist das Land mittlerweile eben auch der größte Ölimporteur der Welt. Das ist nur eine Tatsache, die anzeigt wie wichtig das Land für die Rohstoffmärkte ist.

Allerdings birgt das Land auch Risiken, auf die Weinberg hinwies. Seiner Ansicht nach ist die große Abhängigkeit vom Bausektor gefährlich. So nehmen die Ausgaben und Investitionen des Bausektors in China 25% der gesamten Wirtschaftsleistung ein. Zum Vergleich für Sie: In Deutschland sind das nur rund 9% derzeit – und dabei erleben wir eine starke Baukonjunktur.

Chinas Wachstum könnte schwächer ausfallen

In China deutet sich aber an, dass die Bautätigkeit etwas schwächer ausfallen könnte im laufenden Jahr. Daher prognostiziert Weinberg: „China wird 2018 wohl keine Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft sein.“

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Beim Thema Öl hatte Weinberg auch eine klare Meinung: So hält er nach dem deutlichen Anstieg zuletzt eine Korrektur für gut möglich. Entscheidend wird dabei auch sein, ob die USA die Produktion wieder ausbauen werden. Normalerweise steigt die US-Ölproduktion deutlich an, wenn die Preise längere Zeit über 60 Dollar notieren.

Der Hintergrund ist hier die US-Schieferölproduktion. Die braucht ein höheres Ölpreisniveau, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Auf dem aktuellen Preisniveau von annähernd 70 Dollar ist das gegeben. Und wenn in den kommenden Monaten mehr Öl auf den Markt kommt, ist das Potenzial für eine Korrektur groß.

Für Gold empfiehlt Rohstoff-Experte Weinberg eine ganz besondere Sicht. Seiner Meinung nach ist Gold eben kein Rohstoff im klassischen Sinn, sondern eher ein Anlageinstrument, das aber komplett vom Wohl der Finanzmärkte abhängt.

Daher ist eine Preisprognose auch so schwierig. „Bei aktuellen Produktionskosten von weniger als 700 Dollar müsste der Goldpreis eigentlich deutlich niedriger stehen – aber Gold wird eben anders betrachtet“, so Weinberg weiter.

Soweit der Blick auf die aktuellen Perspektiven des Rohstoffmarktes aus Sicht des Commerzbank-Experten Eugen Weinberg. Auf dem Fondskongress habe ich noch weitere Prognosen gehört – auch aus anderen Anlagebereichen. Was mir aber in etlichen Vorträgen auffiel: Rohstoffe als Anlageklasse werden für 2018 doch mehrheitlich positiv gesehen – das ist auf jeden Fall erfreulich.


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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.