So funktionieren Discount-Zertifikate

Wie der Name „Discount-Zertifikat“ schon andeutet, erwerben Sie eine Aktie (oder Index) mit einem Preisabschlag (Discount). Kostet eine Aktie beispielsweise […] (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Wie der Name „Discount-Zertifikat“ schon andeutet, erwerben Sie eine Aktie (oder Index) mit einem Preisabschlag (Discount). Kostet eine Aktie beispielsweise 10 €, können Sie das Discount-Zertifikat auf diese Aktie bereits für 8 € erwerben.

Da Banken nichts verschenken, verlangen sie Gegenleistungen für diesen nicht unerheblichen Preisabschlag. Zum einen legt die Bank eine Gewinnobergrenze, auch „Cap“ genannt, fest. In dem Beispiel könnte diese Gewinnobergrenze bei 12 € liegen.

Verdoppelt sich jetzt innerhalb der Laufzeit der Aktienkurs von 8 auf 16 €, erhalten die Besitzer von Discount-Zertifikaten trotzdem „nur“ 12 € (immerhin ein Gewinn von 50%). Das Risiko der Bank ist also klar begrenzt.

Als zweite Gegenleistung kassiert der Emittent (die Bank, die das Zertifikat auf den Markt gebracht hat), alle Dividenden, die während der Laufzeit anfallen. Mit diesen Erträgen wird ein Teil des Rabatts finanziert.

Ein wichtiges Auswahlkriterium ist die Laufzeit: Es gibt bei Discount-Zertifikaten kurze Laufzeiten von wenigen Monaten aber auch lange von 3 Jahren und länger. Am Ende der Laufzeit sind nur 2 Rückzahlungsszenarien möglich:

  1. Der Basiswert notiert auf oder über dem Höchstbetrag (Cap): Sie erhalten den festgelegten Höchstbetrag ausgezahlt.

  2. Der Basiswert notiert unter dem Höchstbetrag (Cap): Sie erhalten den Basiswert in Ihr Depot eingebucht. (Bei einem Discount-Zertifikat auf die Allianz eine Allianz-Aktie, bei einem Discount-Zertifikat auf den DAX ein entsprechendes Index-Zertifikat)

Beispiel: Discount-Zertifikat auf die Allianz-Aktie mit einer Gewinnobergrenze (Cap) von 150 €

Kurs Allianz Aktie am Tag der Fälligkeit

Anleger erhält

Cap
100 €Allianz-Aktie150 €
125 €Allianz-Aktie150 €
149 €Allianz-Aktie150 €
150 €150 €150 €
175 €150 €150 €

Bis einschließlich der Gewinnobergrenze (Cap) wird Ihnen der Basiswert (Aktie oder Index-Zertifikat) gutgeschrieben. Oberhalb der Grenze erhalten Sie den festgelegten Barausgleich.

Tipp: Wählen Sie keine Discount- Zertifikate mit langen Laufzeiten von mehr als 2 Jahren aus. Gegen diese Langläufer sprechen gleich 3 Gründe:

  1. Discount-Zertifikate bieten sich an, wenn Sie leicht steigende oder stagnierende Kurse bei einer Aktie erwarten und Ihre Rendite optimieren möchten. Eine solche Markteinschützung ist auf Sicht von gut 12 Monaten möglich, schwerlich aber über mehrere Jahre.

  2. Die hohen Rabatte bei Discount-Zertifikaten mit langen Laufzeiten machen die Rendite-Aussichten schwer berechenbar, da die Dividenden gegengerechnet werden müssen. Bei der Auswahl eines solchen Zertifikats müsste beachtet werden, auf welche Dividendenzahlungen der Anleger bis zum Laufzeitende im Vergleich zum Aktienkauf verzichtet. Liegt die durchschnittliche Dividenden-Rendite bei 5% pro Jahr, verzichtet der Zertifikatebesitzer auf 15% (+Zinseszinseffekt). Ein scheinbar hoher Preisabschlag von 30% relativiert sich dann.

  3. Während der Laufzeit notieren Discount-Zertifikate erfahrungsgemäß leicht unter dem rein rechnerisch fairen Wert. Um den optimalen Verkaufspreis zu erzielen, sollte das Zertifikat möglichst bis zum Laufzeitende gehalten werden. Bei einem Zertifikat mit dreijähriger Laufzeit wäre das eine lange Kapitalbindung.

Discount-Zertifikat oder Aktie: So entscheiden Sie richtig

Bei der Frage, ob der direkte Kauf der Aktie oder der indirekte Weg über ein Discount-Zertifikat die besseren Renditeaussichten bietet, spielt das erwartete Kurspotenzial die entscheidende Rolle.

Die Frage ist nicht ganz so einfach, wie es zunächst scheint. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die

Gewinnobergrenze (Cap) die entscheidende Grenze ist: Liegt das erwartete Kurspotenzial tiefer, lohnt sich das Discount-Zertifikat, ist das Potenzial höher, bietet sich der Direktkauf der Aktie an. Diese Betrachtungsweise ist falsch!

Der Fehler: Bei der Rendite-Berechnung muss der Preisabschlag beim Discount-Zertifikat berücksichtigt werden. Um das zu verdeutlichen, folgt ein Beispiel mit konkreten Zahlen.

Aktie und Discount-Zertifikat im Kurzvergleich

Der Aktienkurs muss nur um 20 € zulegen, damit das Discount-Zertifikat die maximale Rendite von 50% abwirft. Um die gleiche Performance zu erreichen, muss die Aktie dagegen um 50 € auf 150 € steigen.

In diesem Beispiel liegt die Gewinnobergrenze bei 120 €. Es ist aber nicht so, dass genau ab dieser Grenze die Aktie besser abschneidet als das Discount-Zertifikat. Steigt der Aktienkurs von 100 auf 120 €, liegt der Kursgewinn der Aktie bei 20%.

Da das Zertifikat durch den Preisabschlag aber nur 80 € gekostet hat, liegt die Zertifikate-Rendite bei Erreichen der Gewinnobergrenze (120 €) bereits bei 50% (das entspricht dem Kursanstieg von 80 auf 120 €).

Die Aktie muss erst auf 150 € steigen, um ebenfalls die Performance von 50% zu erreichen. Erst ab 150 € hängt die Aktie das Zertifikat dann bei der Rendite ab. Das ist die Outperformance-Schwelle.

Das Gewinnpotenzial des Zertifikats ist in diesem Beispiel auf 50% begrenzt, im Gegenzug wird diese Rendite aber deutlich früher als bei der Aktie erreicht:

Die Aktie muss nur um 20% steigen, damit das Zertifikat die maximal erreichbare Rendite von 50% erreicht. Bei leichten Kurssteigerungen entwickeln diese Zertifikate eine Art „Kursturbo“.

Ein weiterer Vorteil: Diesen schnellen Extra-Gewinn müssen Sie nicht mit einem höheren Risiko erkaufen (bei Optionsscheinen oder Hebel-Zertifikaten erkaufen Sie sich die höheren Rendite-Chancen mit einem Risikoaufschlag).

Gewinne auch bei leicht fallenden Aktienkursen

Da die Börse keine Einbahnstraße ist, lohnt sich auch ein Blick auf die Entwicklung bei fallenden Kursen. Nehmen wir an, der Kurs der oben beschriebenen Aktie fällt von 100 auf 90 €. Der Aktienbesitzer erleidet dann einen Kursverlust von 10%.

Der Zertifikatekäufer macht dagegen noch ein Geschäft. Am Ende der Kaufzeit würde sein Zertifikat, das er für 80 € erworben hat, automatisch in eine Aktie umgetauscht, die aktuell bei 90 € notiert.

Das ist ein Gewinn von 12,5% – und das obwohl der Kurs des Basiswerts gesunken ist.

Das Express-Zertifikat: Ein Praxis-BeispielEin Express-Zertifikat ist eine Schuldbeschreibung mit derivativer Komponente. Wie so ein Finanzprodukt funktioniert - dazu ein Beispiel. › mehr lesen

Selbst bei einem Aktienkursverlust von 20% (von 100 auf 80 €) würde der Zertifikate-Besitzer noch mit +-0 davonkommen. Erst bei höheren Kursverlusten würde auch das Zertifikat ins Minus rutschen. Durch den Puffer schneidet der Zertifikate-Besitzer bei fallenden Kursen aber immer besser ab als der Aktienkäufer.

Das oben beschriebene Beispiel macht also deutlich: Außer in Phasen mit hohen Kurssteigerungen schneiden Discount-Zertifikate immer besser als Aktien ab. Das können Sie auch in der Übersicht auf der folgenden Seite erkennen.

Die Renditeberechnungen erfolgten ohne Einbeziehung möglicher Dividendenzahlungen.

Performance-Vergleich Aktie und Discount-Zertifikat in 5 unterschiedlichen Marktphasen

Aktienkurs Entwicklung

Discount Entwicklung

vorteilgaft
Aktie fällt starkDiscount-Zertifikat verliert weniger an Wert als AktieDiscount-Zertifikat
Aktie fällt leichtJe nach Puffer geben Discount-Zertifkate RenditeDiscount-Zertifikat
Aktie stagniertDiscount-Zertifikat gewinnt an WertDiscount-Zertifikat
Aktie steigt leichtDiscount-Zertifikat gewinnt überproptional an WertDiscount-Zertifikat
Aktie steigt starkBeim Discount-Zertifikat greift die Gewinnobergrenze Aktie

In vier von fünf Börsenphasen schneiden Discount-Zertifikate besser ab als Aktien. Nur in Phasen starker Kursgewinne erzielt der Aktien-Besitzer eine bessere Performance.

Tipp: Discount-Zertifikate sind besonders dann attraktiv, wenn die Aktie, die als Basiswert fungiert, keine oder nur geringe Dividenden ausschüttet, denn die Dividendenzahlungen behält der Emittent ein.

Mit Discount-Zertifikaten schneiden Sie nur bei starken Kursgewinnen des Basiswerts schlechter ab als. Bei starken Kursverlusten bis zu einer Seitwärtsbewegung ist das Discount-Zertifikat die bessere Wahl.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten: Defensive und offensive Strategie

An den deutschen Börsen werden aktuell mehrere tausend Discount-Zertifikate gehandelt. Diese Vielfalt ermöglicht den Einsatz ganz unterschiedlicher Strategien: von sehr konservativ bis offensiv.

Zwei Discount-Zertifikate für unterschiedliche Strategien

Angesichts der niedrigen Zinsen und der aktuellen Krise bei den offenen Immobilienfonds ist es für Sie als Anleger schwierig, Geld für einen überschaubaren Zeitraum mit einer vernünftigen Rendite sicher zu parken.

Eine attraktive Alternative zu Anleihen: Discount-Zertifikate mit großem Sicherheitspuffer.

Obwohl Discount-Zertifikate von der Entwicklung einzelner Aktien abhängen, müssen das keine „Zockerpapiere“ sein. Je höher der Rabatt ausfällt, desto größer ist auch Ihre Sicherheit.

Wenn Sie nicht auf eine 100%ige Sicherheit angewiesen sind, sondern ein kleines Restrisiko akzeptieren, können Sie die Renditen, die Tagesgeldkonten abwerfen, mindestens verdoppeln. Das schaffen Sie mit dem folgenden von mir ausgewählten Discount-Zertifikat auf den DAX.

Offensive Strategie: Hohe Rendite-Chancen mit Sicherheitspuffer

Der Einsatz der offensiven Strategie bietet sich an, wenn bei einem Basiswert (einer Aktie) folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Tendenziell positive Entwicklung, aber Gefahr von zwischenzeitlichen Rückschlägen

  • Starke erwartete Schwankungen

  • Geringe Dividendenausschüttungen (auf die der Besitzer eines Discount-Zertifikats verzichten muss)

Ein Wert, der diese drei Kriterien erfüllt, ist die Aktie der Solarworld AG. Die Solarbranche hat sich in Deutschland im vergangenen Jahr fantastisch entwickelt. Als Marktführer konnte Solarworld beim Umsatz- und Gewinnwachstum sogar überproportional zulegen. Der Aktienkurs stieg auf Jahresfrist von 50 auf über 200 €, wie Sie im nachfolgenden Chart erkennen können.

Discount-Zertifikate: Vorteile gegenüber dem Direktinvestment

  • Mit einem Discount-Zertifikat kaufen Sie den Basiswert mit Rabatt. Dieser dient als Sicherheitspuffer gegen Verluste.
  • Je höher die Marktschwankungen (Unsicherheiten), desto attraktiver wird der Einstieg in Discount-Zertifikate durch größere Rabatte.
  • Kursgewinne sind auch bei Seitwärtsbewegungen oder leichten Verlusten des Basiswerts (Aktie oder Index) möglich.
  • Mit konservativer Strategie können Sie Discount-Zertifikate als Alternative zu Anleihen oder Rentenfonds nutzen.

Nachteile gegenüber dem Direktinvestment

  • Der Emittent (die Bank, die das Discount-Zertifikat auf den Markt gebracht hat) streicht während der Laufzeit alle Dividenden ein.
  • Ihr maximaler Gewinn ist begrenzt.
  • Während der Laufzeit kann das Discount-Zertifikat unter dem theoretisch fairen Wert notieren.
  • Bei langen Laufzeiten ist ein Vergleich mit der Aktie schwierig, da die Dividendenzahlungen der nächsten Jahre geschätzt werden müssten.

Checkliste: So finden Sie das richtige Discount-Zertifikat für Ihr Basis-Depot

  • Wählen Sie einen Basiswert aus (Aktie, Index)

  • Entscheiden Sie sich für eine bestimmte Laufzeit (z. B. ein überschaubarer Zeitraum von 12 bis 18 Monaten)

  • Notieren Sie das Kurstief, das der Index oder die Aktie Ihrer Meinung nach maximal erreichen kann

  • Wählen Sie ein Discount-Zertifikat aus, das die Gewinnobergrenze (Cap) beim ausgewählten Kurstief hat

  • Achten Sie auf einen Sicherheitspuffer (Discount) von 20% oder mehr

  • Die erreichbare Rendite bei der defensiven Strategie sollte etwa doppelt so hoch sein wie das von Tagesgeld

  • Das so ausgewählte Discount-Zertifikat kann börsentäglich ge- und verkauft werden


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.