Dixons Carphone: Neue Metro bereits mit Übernahme-Plänen?

Es war eine unerwartete, aber strategisch nachzuvollziehende Entscheidung: Handelsriese Metro will das Lebensmittel- und Großhandelsgeschäft  aus dem Konzern ausgliedern.

Übrig bleibt dann ein stark auf Consumer Electronics-ausgerichteter Konzern, bei dem die operativen Kennziffern deutlich höher liegen. Das und die bessere Prognostizierbarkeit (Investoren wollen keine Gemischtwarenläden) könnte sich positiv auf den Aktienkurs auswirken.

Aufspaltungsplan soll interne Querelen beseitigen

Die Aufspaltung – sofern Sie kommt – macht Metro nicht nur für Investoren interessanter, sie wird auch als Befreiungsschlag angesehen. Denn die Interessen des Handels-Riesen kollidieren mit den Interessen des Media-Saturn-Minderheitsgesellschafters Erich Kellerhals.

Dieser liefert sich seit Jahren diverse juristische Auseinandersetzungen mit der Unternehmensführung. Mit Vorstandschef Olaf Koch und Media-Saturn-Chef Pieter Haas ist Kellerhals ganz besonders unzufrieden – und scheut sich auch nicht, dass immer wieder öffentlich zu betonen.

Kommt es jetzt zu einer Aufspaltung, ändert sich zwar zunächst nichts an den Eigentumsverhältnissen, aber abseits der Media-Saturn, gewinnt der Mehrheitseigner Spielraum. Zukäufe und Joint Ventures sind dann wesentlich einfacher möglich.

Metro-Unternehmensentwicklung in den vergangenen Jahren eher schlecht als recht

Der Handels-Riese Metro ist mit Sicherheit kein innovatives Wachstums-Unternehmen. Viel später als bei den Konkurrenten wurde ein Internet-Angebot etabliert und Expansionspläne wurden nicht oder nur in abgespeckter Form umgesetzt.

Kellerhals wird dafür von Metro-Managern eine Mitschuld gegeben. Wegen seines Vetorechts seien kurze Entscheidungswege blockiert. Alles müsse ausdiskutiert werden. Kellerhals dagegen sieht die Schuld in der Unfähigkeit des Metro-Managements.

Investoren reagieren positiv auf Aufspaltungsplan

Die Uneinigkeit zwischen dem Metro-Management und Kellerhals ist vermutlich auch ein Grund dafür, dass der Handelsriese häufig nicht zu überzeugen wusste. Wer 2011 in Metro-Aktien investierte, der hat etwa 40% seines Einsatzes verloren – obwohl der DAX im gleichen Zeitraum mehr als 30% zulegte.

Mit der Aufspaltung könnte die neue Metro die Flexibilität bekommen, die sie ihrer Meinung nach braucht, um stärker zu werden. Nach der Ankündigung schoss das Papier 10% hoch – die Investoren verteilen also Vorschusslorbeeren.

Und das Management arbeitet gerüchteweise bereits daran, die neuen, höheren  Erwartungen zu erfüllen. Medienberichten zufolge hat Metro ein Auge auf Dixons Carphone geworfen.

Zusammenschluss von Metro und Dixons absolut denkbar

Dixons Carphone ist ebenfalls im Consumer Electronics-Geschäft angesiedelt und führender Spieler in Skandinavien und auf den britischen Inseln. Eine Übernahme ist durchaus vorstellbar, auch wenn es wohl nicht um einen Deal in diesem Jahr gehen dürfte.

Mittelfristig ist ein Internationalisierungskurs der neuen Metro mit Hilfe von Übernahmen aber alles andere als abwegig, sogar wahrscheinlich und strategisch sinnvoll.

Das bedeutet aber nicht, dass der neu eingeschlagene Kurs zwangsläufig funktionieren muss. Kellerhals hat da nämlich seine Zweifel und warnt die Dixons-Aktionäre vorsichtshalber schon einmal vor einem Zusammenschluss.

Ob das allerdings die Investoren davon abhält auf einen gewinnbringenden Deal zu spekulieren, wenn ein Zusammenschluss wirklich Gestalt annimmt, darf bezweifelt werden. Kurzfristig betrachtet sind Übernahmen so gut wie immer wertsteigernd für die Aktionäre des Übernahme-Kandidaten.

12. April 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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